Beratung Zwei Wegbegleiterinnen

Die Diplom-Psychologinnen Barbara Kirchenkamp (links) und Sonja Siebert sind glücklich über ihre neue Arbeitsstelle. Im Krebsverein wollen sie Erkrankte begleiten und ihre innere Haltung stärken.
Die Diplom-Psychologinnen Barbara Kirchenkamp (links) und Sonja Siebert sind glücklich über ihre neue Arbeitsstelle. Im Krebsverein wollen sie Erkrankte begleiten und ihre innere Haltung stärken. © Foto: Sonja Alexa Schmitz
Schwäbisch Hall / Sonja Alexa Schmitz 11.01.2018
Die Psychologinnen Sonja Siebert und Barbara Kirchenkamp sind neue Mitarbeiterinnen im Haller Krebsverein. Sie bieten Gespräche und Begleitung an.

Krebsberatung“ steht an dem grauen Gebäude am Sparkassenplatz. In roter Schrift, mit einer Tulpe versehen,  soll der Krankheit und allem, was man damit verbindet, der Schrecken genommen werden. Drinnen sitzen Barbara Kirchenkamp und Sonja Siebert. Ihre Augen strahlen. „Es klingt sehr kitschig, so nach Bullerbü, aber an diesem Ort, wo das Thema so schwer ist, kann man sich so wohlfühlen“, sagt Sonja Siebert.

Seit einigen Wochen arbeitet die Psychologin als Beraterin im Krebsverein. An drei Vormittagen ist sie zur Stelle, bietet das an, was im Krankenhaus oder im Alltag oft zu kurz kommt: Zeit zum Zuhören. Es soll ein Platz sein, über die Klinik hinaus, wo jede Frage angehört wird. Medizinische Beratung leisten sie allerdings nicht.

Sonja Siebert weiß, wie gut der Austausch tun kann. Ihre jüngste Tochter ist an Leukämie erkrankt, die mittlerweile gut behandelt wurde. Sie erinnert sich an die Gespräche, die sie auf dem Krankenhausflur mit Menschen in ihrer Situation führte. „Man will einfach seine Krebsgeschichte ausbreiten.“

Barbara Kirchenkamp hatte bei ihrer Arbeit in einer Klinik für Frauen oft mit Menschen in Krisensituationen zu tun. Krebserkrankte waren auch dabei. Aus eigener Erfahrung, sie leidet an einer Autoimmunerkrankung, weiß die 55-Jährige, wie es sich anfühlt, wenn man etwas will, aber nicht kann. Die Psychologin möchte ihren Gesprächspartnern vor allem nahebringen, wie sie ihre Krise nutzen können. „Ich möchte sie auf dem Weg begleiten  – ins Helle – und die Fackel halten.“ Neben drei Gesprächsnachmittagen in der Woche wird Barbara Kirchenkamp eine Gruppe für Achtsamkeitsschulung leiten.

Sonja Siebert begleitet zwei Krebs-Selbsthilfegruppen in Hessental und im Diak. Von ihrer Darmkrebsgruppe berichtet sie, wie heiter es dort zugeht. Die innere Haltung der Erkrankten zu stärken, sei das Ziel. Die Lebensqualität leide, weil den Menschen nur noch Angst bestimme.

„Innere Helfer“

Die Psychologinnen möchten den Kranken auf seine Ressourcen hinweisen und ihm helfen, sich auf einen guten Weg zu machen. Sie erleben, wie Kranke ihren roten Beutel mit dem Medikament für die Chemotherapie anschauen und sagen: „Das ist mein innerer Helfer.“ Andere sprechen von den „Chemorittern“, die im Körper gegen die Krankheit kämpfen. Um noch besser geschult zu sein, absolvieren Sonja Siebert und Barbara Kirchenkamp eine Weiterbildung zur Psychoonkologin. „Wir sind Allgemeinspezialisten, nun lernen wir noch, die einzelnen Vorgänge besser zu verstehen“, stimmen Sonja Siebert und Barbara Kirchenkamp überein.

Die beiden sind glücklich mit ihrem neuen Arbeitsplatz. Sie teilen sich zusammen eine 50-Prozent-Stelle. Die Frauen erfahren Wertschätzung im Team und vom Vorstand, ein offenes Ohr und viel Motivation, außerdem die Freiheit, sich so viel Zeit für einen Menschen zu nehmen, wie er braucht. Darüber hinaus bekommen sie den Dank derer, die sie beraten haben. „Ich kann Ihnen gar nicht genug danken, dass Sie mir altem Knochen so viel Zeit schenken“, äußert sich ein älterer Herr.

Aus dem Rheinland an den Kocher

Sonja Siebert (40) stammt aus Mönchengladbach. In Bonn studierte sie Psychologie. Auf der Schwäbischen Alb war sie ein halbes Jahr in einer Einrichtung mit Psychosekranken und verliebte sich in den Süden Deutschlands. Im Hauptstudium wechselte sie dann nach Tübingen. Seit 2002 wohnt sie in Hall. Von 2004 bis 2007 lebten sie mit ihrer Familie im Albert-Schweitzer- Kinderdorf. Familiäre Gründe zwangen sie, ihre Zeit dort zu beenden. Nach ihrer Elternzeit wollte Sonja Siebert wieder anfangen zu arbeiten und sah die Anzeige vom Krebsverein. Die vierfache Mutter spielt Klavier und Geige.

Barbara Kirchenkamp wurde vor 55 Jahren in Krefeld geboren. Ihr Traum war, Schauspielerin oder Maskenbildnerin zu werden. Aus diesem Grund machte sie eine Friseurlehre. Danach wurde sie Yogalehrerin und studierte Psychologie. Sie arbeitete in Bad Bevensen in einer Klinik und war Dozentin für Gesundheitsbildung rund um ihren damaligen Wohnort Bleckede an der Elbe. Durch Freunde kam sie vor einem Jahr nach Schwäbisch Hall. Sie hat einen erwachsenen Sohn, ist getrennt lebend. Ihre große Leidenschaft ist das Theaterspielen. In Schwäbisch Hall wurde sie Teil der Improvisations-Theatergruppe Hallodri. sasch

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