Integration Zwei unbeschwerte Stunden

Schwäbisch Hall / Brigitte Hofmann 18.12.2018
Das Weihnachtsfest von „Glocke“, Freundeskreis Asyl, Diakonieverband und Brenz-Gemeinde vereint viele Nationalitäten.

Kerzen, Nüsse und Mandarinen schmücken die Tische im Gemeinschaftssaal der „Glocke“. Belegte Brötchen und Gebäck gibt’s am Büfett. Viele fleißige Hände helfen mit, den kleinen und großen Gästen Stunden in fröhlicher Atmosphäre zu bescheren. „Sie sollen erleben, wie hierzulande Weihnachten gefeiert wird“, sagt Annette Woerner, die am Eingang alle einzeln begrüßt. Sie arbeitet in der Asylarbeit des Süddeutschen Gemeinschaftsverbands mit und hält die organisatorischen Fäden in der Hand.

Alle bekommen von ihr einen Aufkleber mit dem jeweiligen Vornamen. Das ist hilfreich, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Arezo, Shaumian, Danial, Darish, Lamar oder Georgi ist auf den Namensschildern zu lesen, was auf eine fremde Herkunft schließen lässt. Der Blick in die Runde zeigt hauptsächlich Angehörige der jungen Generation. Menschen aus Afghanistan, Ägypten, Albanien, Irak, Iran, Kurdistan, Mazedonien, Serbien, Syrien, Sri Lanka und Deutschland sitzen zusammen, essen, trinken, unterhalten sich.

Nila und Sarviga, beide zwölf Jahre alt, sind mit ihren Müttern Rajani und Santha da. Sie stammen aus Sri Lanka und leben schon einige Jahre in Schwäbisch Hall. Ute Krauß aus Michelfeld kümmert sich liebevoll um die Familien. „Alle suchen dringend Arbeit“, erklärt sie. Maria Kopp aus Michelbach/Bilz arbeitet im Freundeskreis Asyl ihrer Gemeinde mit. Sie betreut Verica und Senada, eine schwer traumatisierte Mutter und deren erwachsene Tochter, die aus Serbien kamen und zunächst in einer Gaildorfer Gemeinschaftsunterkunft lebten.

Weiter oben am Tisch bindet Uli Schubring vom Mainhardter Freundeskreis Asyl eine afghanische Familie ins Geschehen ein. „Integration steht und fällt mit den persönlichen Beziehungen“, weiß er. Menschen wie er, Ute Krauß oder Maria Kopp setzen viel Kraft und Zeit dafür ein, Flüchtlinge und Migranten in alltäglichen Dingen wie Einkaufen oder Anträge ausfüllen zu unterstützen. Ihre Schützlinge unterliegen größtenteils dem Status „geduldet“ und gehen einer ungewissen Zukunft entgegen.

„Krieg, Verfolgung, Hungersnot haben sie hierher geführt und nun sind sie froh, hier in aller Ruhe feiern zu können“, macht Annette Woerner auf deren Lage aufmerksam. Yasmin und Rezan aus Syrien haben es geschafft. Sie sind anerkannte Flüchtlinge und bewohnen mit ihren drei Kindern eine eigene Wohnung im Teurershof. Yasmin liest die biblische Weihnachtsgeschichte in arabischer Sprache vor und hilft mit, das lebendige Krippenbild im Kirchenraum zu gestalten.

Geschenke für die Kinder

Gemeinschaftspastor Torsten Oliver Uhr darf eines gebrochenen Fußes wegen in einem Sessel Platz nehmen. Babette Bayer, die Pfarrerin der Kirchengemeinde Johannes Brenz, assistiert ihm und kleidet die freiwilligen Schauspieler ein. Kaiser Augustus, Hirten oder Engel werden gebraucht, um die Szene darzustellen. Musikalisch umrahmt wird sie von der Musikgruppe der „Glocke“. Höhepunkt ist am Schluss der Feierstunde die Begegnung mit dem Nikolaus, der einen ganzen Leiterwagen voller Geschenke mitgebracht hat, um sie mit seinen Assistenten an alle braven Kinder zu verteilen.

Das könnte dich auch interessieren:

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel