Landkreis Hall Neue Bauarbeiten am Crailsheimer Klinikum

Landkreis Hall / Marcus Haas 02.08.2018
Der Kreistag vergibt Arbeiten für den Anbau am neuen Krankenhaus Crailsheim und schaut auf die wirtschaftliche Entwicklung. Der betriebliche Jahresverlust beträgt 2017 über drei Millionen Euro.

Im April 2016 wurde das neue Krankenhaus in Crailsheim feierlich eingeweiht. Die Bauarbeiten sind damit aber längst nicht beendet. Im Juni wurde die neue Eingangshalle eingeweiht, ein Parkdeck wird noch errichtet. Zudem bekommt das Kreisklinikum einen Anbau. Dazu vergeben die Kreisräte Arbeiten und bekommen den aktuellen Stand der Vorentwurfsplanung erläutert.

„Baubeginn ist im Frühjahr 2020“, sagt Dr. Michael Ludes zum Anbau. Der Architekt erläutert, dass mit der Erweiterung auch Veränderungen im Altbau zusammenhängen. In dem ist bereits ein Reha-Zentrum in Betrieb gegangen, sind Arztpraxen, wird ansonsten vor allem Verwaltung untergebracht. Die eigentliche Patientenversorgung, der Krankenhausbetrieb läuft im Neubau. Im Anbau bekommen die Frauenklinik und die Geriatrie Platz, in der spezielle Erkrankungen von Patienten behandelt werden, die häufig älter als 65 Jahre sind. Die Kosten für die Altbauarbeiten und die Erweiterung gibt Ludes mit insgesamt rund 29,23 Millionen Euro an. Die weiteren Schritte: Wenn die Entwurfsplanung fertig ist, wird am 1. Oktober 2018 der Förderantrag im Sozialministerium eingereicht, um ins Krankenhausbauprogramm 2019 zu kommen.

Wirtschaftsprüfer nennt Zahlen

Zahlen zur wirtschaftlichen Entwicklung des Kreisklinikums erläutert Marco Sander, der den Jahresabschluss 2017 geprüft hat. Der Jahresverlust beträgt rund 3,07 Millionen Euro und fällt damit um rund 74 200 höher als geplant aus. Für 2018 wird ein Verlust von 3,3 Millionen Euro prognostiziert. Für den  Wirtschaftsprüfer ist es eine stabile Vermögens- und Finanzlage, weil der Landkreis als Gesellschafter den Verlust ausgleicht. Das Klinikum bekommt pro stationärem Fall 3350 Euro. Das wird über den sogenannten Landesbasisfallwert geregelt. Der zählt in Baden-Württemberg deutschlandweit zu den niedrigsten und kann Tarifsteigerungen beim Personal nicht ausgleichen, macht der Prüfer deutlich. Zudem gibt es Mehrmengenabschläge – einen Zwangsrabatt, der auf Mehrerlöse gezahlt wird und das Ergebnis 2017 allein mit rund 1,25 Millionen Euro belastet. Die Zahl der stationär aufgenommenen Patienten ging in 2017 erstmals im Vergleich zum Vorjahr von 9969 auf 9913 leicht zurück. Im ambulanten Bereich stieg sie von 22 535 auf 23 583 an. „Das ist ein strukturelles Defizit, das die Geschäftsführung nicht in den Griff bekommen kann“, macht Herbert Holl (CDU) deutlich. Der Kreisrat plädiert dafür, nicht immer die Wirtschaftlichkeit beim Thema Krankenhaus in den Vordergrund zu rücken. „Wir brauchen diese Einrichtung. Was würden wir den Bürgern ohne Krankenhaus zumuten?“, fragt Holl.

Umzug nach Bayern?

„Vielleicht sollten wir nach Bayern umziehen. Wie ist da der Landesbasisfallwert?“, fragt Kurt Wackler (Freie) mit Humor nach. „Bayern ist mit uns am Ende. Da müssten wir eher nach Rheinland-Pfalz“, antwortet Landrat Gerhard Bauer. Hermann-Josef Pelgrim rechnet zum betrieblichen Verlust noch die Abschreibung der Immobilie und kommt auf ein „Defizit von fünf Millionen Euro“. Der SPD-Kreisrat fragt nach einem Benchmark, nach einem Vergleich mit anderen Kliniken und danach, ob das Defizit durch betriebliche Optimierung verringert werden kann. „Wir haben einen Datenpool aus 70 eigenen Häusern, denn wir noch von außen ergänzen. Das wird noch zur Verfügung gestellt“, antwortet Wirtschaftsprüfer Sander zum Thema Benchmark. „Wir arbeiten das Punkt für Punkt ab. Es sind keine Managementfehler, keine strukturellen Probleme im Krankenhaus erkennbar“, antwortet Kreisklinikum-Geschäftsführer Werner Schmidt zur betrieblichen Optimierung. Er rechne nicht mit großen Verbesserungsmöglichkeiten.

„Gewinnung von Ärzten ist entscheidend“

Marco Sander hat den Abschluss 2017 des Medizinischen Versorgungszentrums Crailsheim geprüft. Der Verlust beträgt rund 121 000, geplant waren 125 000 Euro. Die chirurgische Facharztpraxis erzielte ein positives Ergebnis von rund 12 000 Euro, die Allgemeinarztpraxen machten einen Verlust von rund 72 000 Euro. Ziel: ein 2022 ausgeglichenes Ergebnis. „Die Gewinnung von Ärzten ist entscheidend“, betont der Wirtschaftsprüfer. Derzeit sei die Situation mit Blick auf Ärzte im MVZ „gut wie nie“, antwortet Werner Schmidt auf eine Nachfrage von Helga Hartleitner (SPD). cus

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel