Mainhardt Zum Jubiläum spielen Gäste auf

Mainhardt / Maya Peters 29.06.2018
Der Musikverein Mainhardt wird 70 Jahre alt. Das feiern die Mitglieder mit einem dreitägigen Programm mit Festumzug.

Wir wollen, dass das Zelt von Anfang an voll ist“, schmunzelt Roland Weiß. Deshalb kostet das Eröffnungskonzert zum 70. Geburtstag erst ab 21 Uhr Eintritt – wer vorher kommt, lauscht am Abend gratis im etwa 1200 Gäste fassenden Zelt. Der Vorsitzende des Musikvereins Mainhardt hat bereits Erfahrung: Schon vor 20 Jahren, zum 50-Jahr-Jubiläum, hat er die damalige Feier federführend organisiert.

Seit 1992 ist Roland Weiß erster Vorstand, davor war er jahrelang dessen Vertretung. „Ich habe die dicken Ordner aufgehoben, doch einige Vorschriften für Genehmigungen haben sich seitdem drastisch geändert“, weiß er. Heuer unterstütze ihn auch seine Tochter Sandra Wollensack, die ebenso wie ihre Schwester und seine Frau in der Kapelle spielen.

„Unser Verein wurde 1948 von drei Musikern gegründet“, erzählt Roland Weiß von den Initiatoren Eugen Kübler, dessen Sohn Karl Kübler und Hieronymus Butsch. Der 92-jährige Tenorhornspieler Butsch nehme auf der Ehrentribüne beim Festumzug in Mainhardt teil, freut er sich. „Zwei seiner Enkel spielen aktuell bei uns in der Kapelle“, berichtet Roland Weiß.

Damals seien es rasch mehr Mitglieder geworden. Den ersten großen Auftritt habe der neu gegründete Musikverein Weihnachten 1948 am Mainhardter Rathaus gehabt. „Diese Tradition gibt es bei uns bis heute“, nickt Weiß zufrieden. Man warte auf die Kirchenbesucher und spiele dann bei Glühweinausschank Weihnachtslieder. „Das ist wie ein kleines Volksfest“, lächelt der Vorsitzende. Oft sei es bis zum letzten Moment hektisch. „Doch wenn wir Musik machen, dann ist wirklich Weihnachten.“ Selbst ihr früherer Dirigent Robert Kurka komme immer wieder nach Mainhardt, um eben diese Atmosphäre zu erleben.

Seit 2007 leitet Dirigent Thomas Klenk, ein „Vollblutmusiker“, die etwa 30 jährlichen Auftritte des Mainhardter Musikvereins. Dazu kommen zahlreiche Geburtstagsständchen für Mitglieder ab 60 Jahren. Seine Vorgänger als Dirigenten waren Eugen Kübler, Robert Kurka, Walter Endress sowie Klaus Schönfeld.

Aktuell habe der Musikverein rund 50 aktive und 300 passive Mitglieder, berichtet Weiß. Diese Zahl sei in den vergangenen Jahrzehnten recht konstant geblieben, auch weil häufig ganze Familien, darunter seine eigene, sich engagieren und vor allem nach der Ausbildung dabei blieben. „Das ist wirklich schön“, freut sich Weiß über die Beständigkeit. Wobei das in der Ferienzeit zum Problem werden könne. „Denn wenn ganze Familien fehlen, sind wir fast spielunfähig“, erläutert er. Zudem sei jeder wichtig in der Kapelle.

Üblicherweise probe man freitags im Vereinsraum in der Steinbühlhalle. „Vor Auftritten auch mal öfter“, fügt er hinzu. Weiß selbst bläst Trompete, das Instrument habe er mit neun Jahren im Musikverein spielen gelernt. Der 56-Jährige ist seit 48 Jahren Vereinsmitglied und hat zudem gut 30 Jahre Erfahrung in Sachen Tanzmusik. „Wir können locker fünf bis sechs Stunden Programm machen“, wirbt er für die Vielfalt im Musikverein auch mit E-Bass und E-Gitarre.

„Aber beim Jubiläum hören wir lieber zu“, freut er sich auf das erste Juliwochenende. Nach den „Tets“ am Freitagabend treten am Samstag die „Südtiroler Spitzbuam“ auf. Am Sonntag spielt der Mainhardter Musikverein im Gottesdienst, der im Festzelt stattfindet. „Dafür kommt extra nochmals unser ehemaliger Pfarrer Kübler zurück“, freut sich Weiß über die Geste. Dieser habe zehn Jahre lang mit ihnen die Kirchenkonzerte organisiert und sie immer unterstützt. Zudem spielen zahlreiche befreundete Gast­kapellen an diesem Tag von morgens bis abends. Im Zelt gibt es Deftiges und Barbetrieb und am Sonntag zusätzlich Kaffee und Kuchen.

Der große Festumzug mit über 40 Teilnehmergruppen startet dann am Sonntag um 13.30 Uhr. Jüngere Kinder aktiver Mitglieder bilden beim Umzug eine „Krabbelgruppe“ , freut er sich über den Auftritt auch seiner Enkel. Auf der Ehrentribüne seien neben dem Bürgermeister und Sponsoren viele Vertreter der umliegenden Gemeinden, ehemalige Vorstände und Dirigenten. Zugunsten des Jubiläumsfestes entfalle das Kastellfest, das üblicherweise um die gleiche Zeit stattfindet.

Alle Musikvereinsmitglieder werden gemeinsam das bunte Programm mit Bewirtung und Aufbau stemmen, etwa 250 Helfer statt der üblichen 70 würden dafür benötigt. Dafür habe man eigens Ausschüsse für Festzug, Verkostung, Werbung oder Zelt­aufbau gebildet, zählt Weiß auf. Das Essen mache man selber, es gebe jeden Tag etwas Besonderes. „Am Samstagabend beispielsweise spezielle ,Jubiläumsvesperbrettle’“, verrät er.

Das Festprogramm im Detail

Bürgermeister Damian Komor sticht am Freitag, 6. Juli, um 20 Uhr das Fass an. Die Festzeltparty startet um 20.30 Uhr mit den „Tets“. Bis 21 Uhr gibt es freien Eintritt, danach kostet es fünf Euro. Am Samstag ist ab 19 Uhr Einlass mit Bewirtung. Die „Südtiroler Spitzbuam“ spielen um 20.30 Uhr, Karten gibt es zu zwölf Euro im Vorverkauf, an der Abendkasse zu 15 Euro. Der Sonntag beginnt um 10 Uhr mit einem Gottesdienst im Festzelt. Vor und nach dem Festumzug um 13.30 Uhr spielen die Musikvereine aus Ensingen, Löwenstein, Oberrot und Untersteinbach. may

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