Kirchberg Zirkusproben für Flüchtlinge

Trainerin Clara Köpf (links) zeigt, wie’s geht.
Trainerin Clara Köpf (links) zeigt, wie’s geht. © Foto: Tobias Haase
Kirchberg / Tobias Haase 18.08.2018
Die Vergangenheit zumindest vorübergehend vergessen und gemeinsam Spaß haben – das können Flüchtlingskinder derzeit in Kirchberg.

Sie stammen aus dem Nahen Osten, hauptsächlich aus Syrien und Afghanistan. In ihrer Heimat hat der IS gewütet und tut es teilweise bis heute. Oft werden sie in ihren Träumen von schlimmen Erinnerungen heimgesucht – von ihren zurückgebliebenen Verwandten erfahren sie von neuen Anschlägen, die fast keinen Platz mehr in den deutschen Medien finden, weil sie allzu alltäglich sind. Seit Montag nehmen rund 15 Flüchtlingskinder zwischen sieben und vierzehn Jahren am Zirkusprojekt des Freundeskreis Asyl im Tanzzentrum Kirchberg teil. Gemeinsam bereiten sie eine Aufführung im September vor.

Marianne Sudermann von der Aufbaugilde Heilbronn leitet das Projekt. Unterstützt wird sie dabei von Naram Hamsa, einer geflüchteten Syrerin. Sie ist seit drei Monaten in Deutschland und spricht erstaunlich gut Deutsch. Das habe sie ihrem Bruder zu verdanken, der bereits einige Zeit vor ihr hergekommen sei und sie nach Kirchberg geholt habe – Stichwort: Familiennachzug.

Das Zirkusprojekt gibt es dieses Jahr zum zweiten Mal. Jeder, der Lust hat, kann mitmachen. Die Teilnehmer absolvieren Übungen in den Bereichen Balance, Koordination und Akrobatik. Auch Einblicke in die Clownerie und erste Versuche mit einem Einrad stehen auf dem Programm. Die Stärken der Kinder sollen erkannt und gefördert werden. Dafür sind Ben Kötner und Clara Köpf, beide vom Circus Compostelli, als Trainer mit dabei. Für sie ist das Projekt etwas außergewöhnliches. Die Tage seien oft wirklich anstrengend und es könne oft laut werden, aber das Ergebnis sei schön und am Ende bereite das Ganze einfach viel Spaß.

„Letztes Jahr mussten die Teilnehmer ausgewählt werden, weil das Projekt so beliebt war”, erinnert sich Sudermann. Dieses Jahr schaut es anders aus, denn in Kirchberg leben einfach nicht mehr so viele Flüchtlinge wie zu Hochzeiten. Einerseits ist das natürlich eine Entlastung für die Kirchberger. Andererseits haben viele Helfer Bindungen zu Asylbewerbern aufgebaut, die jetzt weiter verteilt leben.

Die quirlige Gruppe, die sich im Tanzzentrum versammelt hat, freut sich offensichtlich über das Angebot in den Ferien und kommt mit großer Freude. Es sind viele Jungen, aber auch einige Mädchen dabei, alle sprechen ohne Probleme Deutsch. Die Teilnehmer Mahmadshah und Hala gehen bereits zur Schule, spielen in ihrer Freizeit gerne Fußball und haben schnell Freunde in der Stadt gefunden. Für sie sei das Angebot etwas besonderes und bereite ihnen viel Spaß, sagen sie.

Sudermann berichtet, dass das Training für die Kinder eine schöne Ablenkung sei, um Erlebnisse aus der Vergangenheit zumindest für einige Zeit zu vergessen. Im Vergleich zu letztem Jahr könne man gut beobachten, dass die Teilnehmer inzwischen viel selbstorganisierter seien und es nicht mehr so viele Regeln benötige.  Dass es im Proberaum laut ist, scheint keinen der aufgeschlossenen Sprösslinge zu stören. Sie sind stolz auf ihre Ergebnisse.

Flüchtlinge aus Syrien können zur Zeit nicht wieder zurück, denn ein Ende des Krieges ist nicht in Sicht. Sudermann findet: „Gerade auch deshalb sind solche Angebote wichtig, um die Kinder auf andere Gedanken zu bringen.” Außerdem bräuchten die Kinder eine Beschäftigung. Ohne viele engagierte Helfer, betont Sudermann, würde die Integration bei Weitem nicht so gut gelingen. Für die Aufführung geben sich alle große Mühe.

Info

Die Zirkusaufführung findet am Samstag, 22. September, ab 14 Uhr auf dem Vorplatz des Adelheidsstift in Kirchberg statt, der Eintritt ist frei.

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