Der Berufungsprozess vor dem Heilbronner Landgericht gegen den ehemaligen Haller Bestatter Jochen M. verzögert sich weiter. Gleichzeitig verliert das ganze Verfahren an Fahrt. Als Zeugen geladene Angehörige wissen sechs Jahre, nachdem sie einen Verstorbenen mit Hilfe der „Christliche Trauerhilfe“ des Jochen M. bestatten ließen, kaum noch Einzelheiten.

Dem heute 62-jährigen Ex-Bestatter wird vorgeworfen, die Toten vor der Verbrennung hinter dem Rücken der Angehörigen von Vollholz-Särgen in einfache Pressspan-Särge umgebettet zu haben. Im Juli 2015 hat das Haller Amtsgericht Jochen M. wegen 18-fachem gewerbsmäßigen Betrugs zu drei Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt.

„Kein Sarg, das ist eine Kiste“

Die beiden Zeugen, die am Montag vor der Berufungskammer auftraten, hatten sich für eine Trauerfeier mit Urne entschieden. Allerdings hatten sie vor Verbrennung des Verstorbenen – so ihre Aussage – jeweils aus dem Katalog des Bestattungsunternehmers einen echten Holzsarg ausgesucht. Die Rechnung lautete entsprechend. Eine 57-jährige Zeugin berichtet: Um einen hellen Vollholz-Sarg und eine würdige Trauerfeier zu bezahlen, habe ihre Mutter extra einen Kredit aufgenommen. Die Mutter, die im Februar 2012 ihren Ehemann bestatten ließ, ist inzwischen selbst gestorben. Ihre jetzt vernommene Tochter ist sicher, dass ihre Mutter keinen Pressspan-Sarg wollte: „Das ist kein Sarg, das ist eine Kiste!“

Schwäbisch Hall

Verglichen mit dem Prozessauftakt am 22. Februar, wirkt Jochen M. inzwischen gelöster. Nach wie vor will er niemanden betrogen haben. Er behauptet, dass Umsargungen vor der Einäscherung mit Angehörigen abgesprochen worden seien.  Noch eine Zeugin soll vernommen werden, bevor es in die Schlussphase geht.  Der Termin vom 17. April wurde aufgehoben. Das Urteil ist für den 25. April vorgesehen.

Das ist ein Infokasten