„Gschlachtenbretzingen.“ Als sie den Namen des Ortes ausspricht, in dem sie einst gewohnt hat,  muss Jennifer Schlüter grinsen. Ein kleines Dorf in Hohenlohe, bei dem ein Vokal fehlt, als Ausgangspunkt, die Welt zu bereisen. Kurios ist das schon.

Ein günstiger Zufall, dass Jennifer Schlüter in diesen Tagen in ihrer deutschen Heimat anzutreffen ist. Das kommt nicht oft vor. Die letzten acht Monate war sie auf Reisen. Gut zehn Länder hat sie in der Zeit besucht. Im April hat sie ihr Leben auf den Kopf gestellt. Zuvor lebte sie acht Jahre in Los Angeles, wo sie zum Studieren war und anschließend zwei Jahre in der Chefredaktion verschiedener Lokalzeitungen gearbeitet hat. Dann war sie den „nine-to-five-Job“ satt und wollte das tun, wonach ihre Seele schon seit Kindheit verlangte: Reisen.

Vielleicht wurde Jennifer Schlüter neugierig auf die Welt, weil sie mit Au-pair-Mädchen aus östlichen Ländern aufwuchs. Ihre Eltern waren geschieden, die Mutter hatte wenig Zeit, also wurde sie früh selbstständig. Sie reiste mit 14 erstmals alleine in die Slowakei, mit 16 zum Schüleraustausch nach Kalifornien und mit 17 besuchte sie ihren damaligen Freund im Oman. Schüchtern sei sie gewesen, als sie ihr Studentenleben in Los Angeles anfing. Keine zwei Worte habe sie damals rausbekommen. Heute hat die 27-jährige Weltreisende Freunde auf der ganzen Welt und mehrere Tausend Follower auf Facebook, Instagram, Youtube und ihrem Blog „Discovering Legacies“.

Der Stein kam ins Rollen

Ihr Job als Reisebloggerin besteht darin, sich eine Unterkunft in einem fernen Land, in einer fremden Stadt zu suchen. Entweder eine günstige Ferienwohnung oder sie macht Housesitting. Dann ist die Abenteurerin da und ihr Ziel ist es, möglichst einzutauchen in die Kultur. Dazu muss sie Menschen kennenlernen, mitgenommen werden in die Leben der anderen. Das ist nicht immer leicht. Zu Weihnachten war Schlüter in Tansania, bewohnte ein Haus, hütete den Hund und war ansonsten sehr alleine. Eine Woche haderte sie. Dann klingelte sie in der Wohnung über ihr, die durch eine kanadische Housesitterin bewohnt wurde, und fragte, ob sie mal zusammen essen gehen sollen. Ab da kam der Stein ins Rollen – und zwar lawinenartig. Plötzlich wurde sie angesprochen von Einheimischen, die sich spontan in ihren Hund und auch in sie selbst verliebten. Der Blog erzählt von ihren Abenteuern. Wie ihr eine halbe Stunde lang die Hand gehalten wird, ein Massai ihr eine Liebeserklärung macht, sie im Restaurant lange nicht versteht, was man von ihr will, bis sie ahnt: Sie soll ihre Hände waschen.

Sie will Vorurteile abbauen

Tansania hat es Schlüter angetan. Wenn sie das sagt, dann meint sie vor allem die Menschen. Sie sind der Hauptgrund für ihre Reisen. Natur und Abenteuer locken, Friedhöfe und Sonnenauf- sowie Untergänge sind Fotomotive, aber glücklich machen sie vor allem die Begegnungen. Und das Darüber-Schreiben, was meist im Zug, Flieger oder zu Hause geschieht, dient nicht nur der eigenen Verarbeitung, sondern sie möchte damit Vorurteile abbauen. „Was die Medien sagen, stimmt oft nicht“, behauptet die 27-Jährige. Beispielsweise würden in den USA Warnungen vor Reisen nach Deutschland ausgesprochen. Sie hat erfahren, dass viele Kulturen so ganz anders sind, als das Bild, dass wir von ihnen gemacht bekommen.

Im Oman hat sie Muslime ganz anders kennengelernt als das amerikanische Klischee es will. Sie hat ein Buch darüber geschrieben, damit die Amerikaner von ihren Vorurteilen abrücken könnten. Ihr ist es wichtig, dass Menschen rauskommen, über den Tellerrand blicken, neugierig sind, um dann festzustellen, dass wir alle gleich sind. Alle haben wir Emotionen, wollen lachen und müssen weinen.

Neben dem Bereisen von anderen Ländern hat sie nun einen zweiten Schwerpunkt, den sie auch in ihrem Blog teilt: Floating – ein Bad in Wasser mit Epsom-Salz. Darin lässt man sich tragen. Eine Stunde oder zwei, danach fühle man sich völlig entspannt. Sie bereist Floating Center der Welt und berichtet.

In diesem Jahr möchte sie möglichst von einem Land zum anderen reisen, keine Zwischenstopps in Hall einlegen. Die 27-Jährige, deren Muttersprache einen leicht englischen Akzent bekommen hat, möchte 2017 nach Südafrika, in den Oman, nach Tansania, Asien und Australien. Und sie möchte  das tun, was 2016 nicht geklappt hat: die Nordlichter sehen.

In nicht allzu langer Zeit möchte die Bloggerin auch mal einen Partner finden. Er muss genauso reisefreudig sein wie sie und vermutlich wird er farbig sein, denn das gefällt ihr. Dann möchte sie zwei Kinder. So viel steht fest in diesem Leben, in dem so wenig fest ist.

Von Gschlachtenbretzingen in die Welt


Jennifer Schlüter wuchs in Gschlachtenbretzingen und Michelfeld auf. Die heute 27-ährige machte 2007 Abitur am Erasmus­-Widmann-Gymnasium. Anschließend studierte sie in Los Angeles Englisch. Ihr erster Job war eine zweijährige Tätigkeit in der Chefredakteurin von 22 Lokalzeitungen.

Im April 2016 kündigte sie ihre Arbeitsstelle, seither reist sie als Reisebloggerin durch die Welt.

Jennifer Schlüters Blogs zum Nachlesen:
www.discoveringlegacies.com
www.instagram.com/discoveringlegacies/