Schwäbisch Hall Zehn Jahre neues Brenzhaus

Schwäbisch Hall / Tobias Würth 28.06.2018
Die Sanierung und vor allem die Fassadengestaltung waren einst umstritten: Nun ziehen die Bewohner Bilanz und planen neue Projekte.

Wahrscheinlich das meistbeschimpfte Haus Schwäbisch Halls“, nannte Architekt Wolfgang Kuhn den Vorgänger des frisch renovierten Gebäudes im Juni 2008. Er stemmte zusammen mit Ulrich Mix die Veränderung des Brenzhauses in der Mauerstraße „vom Saulus zum Paulus“. Aus einer missratenen Waschbetonwand, die aus der Reihe der historischen Häuser negativ hervorstach, wurde eine unauffällige Außenhülle.

Viele Diskussionen

In der Planungsphase war selbst das neue Gesicht des Brenzhauses umstritten. „Es gab Diskussionen über das viele Glas an der geplanten Fassade. Das wurde dann umgemodelt. Es ist ein gutes Ergebnis geworden“, sagt Pfarrer Christoph Baisch. Er kann es kaum fassen, dass schon zehn Jahre vorbei sind seit der Einweihung.

Hausintern gab es eine kleine Feier zum Zehnjährigen. Der Alt-Dekan Richard Haug und auch Kirchenrat Georg Eberhardt kamen. Beide waren in die Neuplanung des Brenzhauses involviert. „Wo stehen wir, was ist gelaufen?“, sei erfragt worden. Die 50 Mitarbeiter der verschiedenen kirchlichen Organisationen und Büros im Brenzhaus hätten eine positive Bilanz gezogen. „Die Öffnung zur Stadt ist gelungen“, fasst es Baisch zusammen. Das Haus habe nun eine Haupteingangstür nach vorn. Zudem gebe es zum Beispiel mit dem Brenzladen der Diakonie oder der Flüchtlingsberatungen offene Angebote.

„Die Entscheidung, an einem zentralen Ort die Kirche zu repräsentieren, ist gelungen“, meint Birgit Schatz, Leiterin der evangelischen Erwachsenenbildung. Daniel Veit, Referent des Jugendwerks, will es ermöglichen, dass zukünftig noch mehr Teenager, über die regelmäßigen Angebote hinaus, einfach vorbeikommen können. Und auch Schuldekan Kurt Wolfgang Schatz verweist auf ein offenes Angebot: Die religionspädagogische Bibliothek im Brenzhaus sei vor allem für Religionslehrer interessant.

Altes aufgeben

„Das war schon ein Schritt für alte Michaelskirchgänger“, macht Baisch die Dimension deutlich. Die Innenstadtgemeinde hat ihre eigenen Gemeinderäume, im Class-Gebäude am Marktplatz, verloren. Zudem wurde schon Jahre zuvor das Jugendhaus auf dem Klingenberg verkauft. An das alte CVJM-Heim erinnern sich noch viele gern, meint Baisch. Doch das Konzept sah vor, marode Gebäude aufzugeben, Mieten zu sparen und an einer zentralen Stelle auf ein energetisch bestens saniertes Haus zu setzen. Kirchenpflege, Dekanat und Pfarramt ziehen ebenfalls ein. Hinzu kommen Angebote wie die Kantorei und die Vermietung für Feste und vieles mehr.

Durch die Nähe der Organisationen würden neue Ideen, wie das philosophische Café oder die „Weihnachtsgeschenke für Bedürftige“-Aktion überhaupt erst auf den Weg gebracht. Gemeinsam sei es einfacher, namhafte Redner, wie einst Joachim Gauck zu gewinnen. Der Altbundespräsident kam genau in den Tagen ins Brenzhaus, in denen er als Kandidat fürs höchste Amt im Staat gehandelt wurde.

So viel Offenheit berge aber auch Risiken. Am Anfang tauchten häufiger Graffiti an der Außenwand auf. Später fehlte der Beamer. Die Türen stehen ja offen. Doch das sei zu verschmerzen, wenn man dem Diebstahl die Vorteile eines offenen Hauses entgegensetze, sagt Baisch. Der neue Beamer wurde besser befestigt.

Die drei Gesichter des Gebäudes

Schon seit 1899 steht das Brenzhaus als Bildungsstätte und Sitz karitativer Dienste in Schwäbisch Hall. 1970 hatte ein funktionaler Betonbau das Ur-Brenzhaus mit seiner neogotischen Fassade  ersetzt.  Die Büste des Haller Reformators Johannes Brenz zierte im ersten Brenzhaus den Haupteingang, wurde dann aber vergraben, da der Abtransport zu schwer war. Sie wurde bei der Sanierung vor zehn Jahren im Boden entdeckt und aufgestellt. tob

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