Schwäbisch Hall / Jürgen Stegmaier  Uhr
Der Württembergischen Drahtwarenfabrik in Hall drohte zu Jahresbeginn die Zahlungsunfähigkeit. Jetzt hat sich das Unternehmen neu aufgestellt. Alle 50 Arbeitsplätze werden erhalten.

Bei der Württembergischen Drahtwarenfabrik war in den zurückliegenden Monaten voller Einsatz nötig. Weil ein großer Kunde erhebliche Aufträge abgezogen hat, kam das Unternehmen in wirtschaftliche Schieflage. Im September 2018 hatte Geschäftsführer Mathias Funke selbst Antrag auf Gläubigerschutz gestellt.

Württembergerische Drahtwarenfabrik Haller Firma insolvent: „Spannende Angelegenheit“

Die Württembergische Drahtwarenfabrik in Schwäbisch Hall ist in Schieflage geraten. Inhaber und Geschäftsführer Mathias Franke geht davon aus, dass er den Weg aus der Misere findet.

Das Insolvenzgericht räumte dem Betrieb die Gelegenheit ein, das Verfahren eigenverwaltet durchzuführen. Dieser Variante liegt der Gedanke zugrunde, dass der Schuldner Geschäft und Markt besonders gut kennt und verantwortlich handelt. Voraussetzung für eine Eigenverwaltung ist, dass die Schwierigkeiten nicht auf Missmanagement des Unternehmers zurückzuführen sind.

Wieder in stabiler Lage

Das Insolvenzgericht eröffnete das Verfahren im Dezember. Im Januar reichten Unternehmer und Sachwalter den Insolvenzplan ein. Ende Februar wurde darüber abgestimmt. Unternehmen und Gläubiger konnten sich auf einen Vergleich einigen, der den Betrieb von seiner Schuldenlast weitgehend befreit. Damit hatten Geschäftsführung und Sanierungsberater Matthias Kühne von der Kanzlei Nickert in Offenburg die Voraussetzung geschaffen, das Unternehmen in eine wirtschaftlich stabile Lage zurückzuführen.

Neue Produkte sollen hergestellt werden

„Wir haben von Grund auf alle Prozesse hinterfragt. Es bleibt kein Stein auf dem anderen. Wir stellen uns neu auf“, macht Mathias Funke deutlich.

Dazu gehört auch, dass die Drahtwarenfabrik investiert. Mit einem neuen Biegeautomaten lässt sich die Palette der Produkte erweitern, erklärt Mathias Funke. Neu im Portfolio der Produkte sind zum Beispiel spezielle Draht-Waschkörbe für die Industrie. Außerdem soll die seitherige Palette deutlich ausgeweitet werden.

Das Unternehmen fertigt Schutzgitter, beispielsweise für Ventilatoren, sowie Abtropfgestelle, wie sie in der medizinischen und pharmazeutischen Industrie benötigt werden. Das Material wird als Draht und Metall-­Maschengewebe angeliefert. Danach reiht sich die gesamte weitere Lieferkette im Haller Betrieb auf, es werden keine weiteren Abläufe nach außen vergeben. Zu den Kunden gehören Industrieunternehmen, Kliniken, Labore und Großküchen, aber auch Privathaushalte.

Beschäftigte helfen mit, die Insolvenz abzuwenden

Das Unternehmen gehört Cornelia und Mathias Funke, sie führen gemeinsam die Geschäfte. Bei einem Gespräch machen sie deutlich, wie wichtig es war, dass die Beschäftigten in der Phase großer Unsicherheit die Stange gehalten haben. „Wir haben tolle Mitarbeiter. Alle haben vollen Einsatz gezeigt“, erzählt Mathias Funke. Teilweise hätten sich die Mitarbeiter selbst in Schichten eingeteilt, um das Arbeitsaufkommen fristgerecht zu bewältigen. „Dass die Beschäftigten so mitgezogen haben, war ein Schlüsselfaktor“, ergänzt Cornelia Funke.

Der Umsatz mit einigen Bestandskunden habe ausgebaut werden können, neue Kunden kamen dazu, schreiben Unternehmen und die Kanzlei Nickert in einer Mitteilung. „Wir schauen jetzt nach vorn. Das Geschäft floriert noch nicht, doch wir sind auf dem besten Weg“, sagt Mathias Funke.

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Unternehmerinsolvenzen hat es in Baden-Württemberg im Jahr 2018 gegeben. 2017 waren es 118. Der Zuwachs beträgt nahezu 25 Prozent.