Künzelsau / JÜRGEN STEGMAIER  Uhr
“Die Digitalisierung verändert das Unternehmen in der Kern­struktur“, sagte Bernd Herrmann. Er gehört der Würth-Konzernführung an.

Kunden bestellen online, für Verkäufer werden digitale Verkaufshilfen entwickelt, die Informationsbereitstellung innerhalb der rund 400 Gesellschaften des Würth-Konzerns bekommt eine einheitliche Struktur, die eine digitale Basis hat. Bei der Bilanzpressekonferenz in der zurückliegenden Woche in der Haller Kunsthalle rückten die Zahlen des zurückliegenden Jahres in den Hintergrund. Die Fragen drehten sich sehr schnell um das Thema: Was macht die Digitalisierung mit Würth?

Nach den Vorstellungen der Konzernführung kommt dem Netz mit rund 31.000 Außendienstmitarbeitern weiterhin eine tragende Funktion zu. Das lässt sich alleine schon an dem Umstand erkennen, dass Würth in diesem Jahr 1800 weitere Verkäufer anheuert. Auch die 1600 Verkaufsniederlassungen sind eine Stütze für den 11-Milliarden-Umsatz.

Online-Bestellungen, Besuche von Verkäufern, Selbstversorgung in den Niederlassungen – diese Kanäle zu koordinieren ist für Würth eine erhebliche Herausforderung.

“Wir spüren, dass es eine gute Strategie ist, die Kanäle zu verknüpfen“, sagte Robert Friedmann, der Vorsitzende der Konzernführung. Online-Bestellungen werden in der Regel innerhalb von 24 Stunden ausgeliefert. Ein Handwerker, der nahe seiner Baustelle eine Würth-Niederlassung weiß, fährt dort auch gerne vorbei, um sich mit dem Notwendigen zu versorgen.

Um eine gemeinsame Handelsplattform über alle Gesellschaften hinweg zu schaffen, hat sich Würth an dem Stuttgarter Start-up Wucato beteiligt. 10 Millionen Euro ließ man sich das in Künzelsau kosten. Gemessen an der Bedeutung eines cleveren und gut funktionierenden E-Business-Modells erscheint dies als Spottpreis.

Bernd Herrmann, in der Konzernführung für Digitales und Online zuständig, räumt ein, dass Würth bis vor drei Jahren in diesen Bereichen Nachholbedarf hatte. Inzwischen sei man aber gut aufgestellt. 600 IT-Fachleute sind bei Würth in Lohn und Brot.

 525 Millionen – diese Zahl kommt in der Würth-Bilanz für 2015 zweimal vor. So hoch ist erstens das Betriebsergebnis. Zweitens ist das die Höhe der Investitionen. Rund 200 Millionen Euro dürften allein 2015 in den Ausbau der Informations-Technologie geflossen sein. Unter anderem ließ sich Würth ein 120 Kilometer langes Glasfaserkabel legen. Dieses Netz verbindet die Rechenzentren am Konzernsitz in Gaisbach, am Standort Waldenburg und in Niedernhall-Waldzimmern. Dieser so genannte Hohenloher Ring ermögliche die Übertragung von Daten in unglaublicher Geschwindigkeit: 100 Gigabit in der Sekunde. Das ist 10 000-mal schneller als eine herkömmliche Internet-Verbindung. Innerhalb eines Wimpernschlages ließen sich die Daten eines Buches 5000-mal zwischen den Würth-Standorten Waldzimmern und Gaisbach hin- und hersenden. Speichern ließen sich auf den 2000 Servern rund 45 Milliarden E-Mails.