Künzelsau Würth: Keine Investitionen in den USA

Reinhold Würth hebt den Zeigefinger. Dass der US-Präsident den Welthandel einschränken will, passt dem Unternehmer nicht. Foto: dpa
Reinhold Würth hebt den Zeigefinger. Dass der US-Präsident den Welthandel einschränken will, passt dem Unternehmer nicht. Foto: dpa © Foto: dpa
Künzelsau / Jürgen Stegmaier 05.06.2018
Reinhold Würth kündigt an, zunächst nicht weiter in den Vereinigten Staaten investieren zu wollen. In einem Interview wird er im Hinblick auf Trumps Politik mit dem Satz zitiert: „Würth kehrt zurück, wenn er geht.“

Der Unternehmer Reinhold Würth ist für seine Ecken und Kanten bekannt, dafür, dass er sich ein gutes Geschäft nicht gerne entgehen lässt und auch keine Scheu davor hat, ungewöhnliche Entscheidungen zu treffen. Eine davon wurde übers Wochenende bekannt.

In einem Interview mit der Bild am Sonntag kündigte Reinhold Würth an, dass seine Unternehmensgruppe zunächst nicht weiter in den Vereinigten Staaten investieren werde. Dies habe er selbst veranlasst. Als Gründe für die Zurückhaltung nannte der 83-Jährige, der aus kleinen Anfängen in Künzelsau einen Weltkonzern für Montagetechnik entwickelt hat, die unsichere politische Lage auf der anderen Seite des Atlantiks. Würth wolle nicht, dass das Engagement der Unternehmensgruppe in den USA weiter vergrößert wird. Man werde abwarten, ob Donald Trump ein zweites Mal zum Präsidenten gewählt wird. „Würth kehrt zurück, wenn er geht.“ Mit diesen Worten zitiert die Bild am Sonntag den Unternehmer.

US-Präsident Donald Trump steht in der internationalen Kritik, weil er Strafzölle verhängt hat, die seit Anfang des Monats in Kraft sind. Stahl-Importe aus der EU sind mit 25 Prozent belegt, für Aluminium betragen sie 10 Prozent. Umstritten sind diese Strafzölle nicht nur in der EU. Auch ein Berater Trumps schließt nicht aus, dass die Abgaben den USA selbst schaden könnten, weil die Zölle möglicherweise einen Handelskrieg auslösen, der allen Seiten schade. Die EU droht ihrerseits mit Vergeltungszöllen auf Whiskey, Motorräder und andere Waren, die aus den USA nach Europa geliefert werden.

Würth-Führung sieht Geschäftsziele nicht bedroht

Unvorbereitet ist die Würth-Führung auf den aktuellen Handelsstreit nicht. „Die vereinzelten Absichten zur Trendumkehr bei der Globalisierung in einzelnen Ländern beobachten wir mit Sorge, sehen darin aktuell aber keine unmittelbare Bedrohung unserer Geschäftsziele 2018“, schreibt Würth in seinem Risikobericht, der Teil des Geschäftsberichts 2017 ist.

In ihren Prognosen geht die Künzelsauer Konzernführung grundsätzlich davon aus, dass die Steuerreform, die Donald Trump in den USA eingeleitet hat, der US-Wirtschaft weiteren Schub verleiht. Würth rechnet damit, dass die amerikanische Wirtschaft in diesem Jahr um 2,7 Prozent wächst.

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Unternehmen kaufte die Würth-Gruppe zuletzt in den USA ein: die Northern Safety Company, Inc. (2015); die House of Threads, Inc. (2016) sowie die Dakota Premium Hardwoodes LLC und die Weinstock Brothers Corp. (2017).

Maschinenbauer rechnen nicht mit Strafzöllen

Kommt das Einfrieren von Investitionen in den USA auch für Ihr Unternehmen in Frage? Darauf antworteten Hans Bühler, geschäftsführender Gesellschafter der Haller Optima-Unternehmensgruppe und Markus Ströbel, geschäftsführender Gesellschafter beim Ilshofener Maschinenbauer Bausch+Ströbel. Für beide Unternehmen sind die Vereinigten Staaten ein bedeutender Markt. Mit Strafzöllen auf ihre Maschinenimporte in die USA rechnen beide nicht.

„Für uns gibt es keinen Anlass. Unsere Investitionen in den Vereinigten Staaten beziehen sich derzeit fast ausschließlich auf das Personal. Und das ist schwer zu bekommen. Dort, wo wir in den USA aktiv sind, ist der Arbeitsmarkt nahezu leergefegt“, macht der Optima-Chef deutlich. In den USA hat das Unternehmen 2016 den Ausbau einer Niederlassung beschlossen und 2017 umgesetzt. Weitere Sach­investitionen seien derzeit nicht vorgesehen, sagt Hans Bühler. „Ich kann jeden verstehen, der verärgert ist. Es gibt Dinge, die laufen wirklich nicht gut“, bezieht sich der Optima-Eigner auf die Würth-Ankündigung, Investitionen zunächst mal zurückzustellen. Strafzölle seien zum Schaden aller, „ganz klar“, so Hans Bühler.

„Die USA sind für uns ein wichtiger Absatzmarkt – um näher bei unseren Kunden zu sein, sind wir deshalb bereits seit den 80er-Jahren mit einer eigenen Niederlassung an der Ostküste vertreten. Unser Engagement in den USA planen wir langfristig, tagespolitische Entscheidungen spielen für unsere Investitionstätigkeit dort derzeit nur eine untergeordnete Rolle“, macht Markus Ströbel von Bausch+Ströbel deutlich. Die Strafzölle der US-Regierung  auf Stahl und Aluminium betreffen das Unternehmen nicht direkt.  „Doch wir beobachten die weitere Entwicklung in den USA natürlich sehr aufmerksam“, sagt Markus Ströbel. Er verantwortet bei dem Ilshofener Abfüllmaschinenbauer den Vertrieb. just

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