Schwäbisch Hall Würstchen auf dem Pappteller

Der Geschirrwagen der Stadt, als er noch im Einsatz war. Foto: Stadt Hall
Der Geschirrwagen der Stadt, als er noch im Einsatz war. Foto: Stadt Hall
THUMILAN SELVAKUMARAN 14.01.2014
Mal ist es der traditionelle Kartoffelsalat mit Würstchen, mal ein Stückchen vom saftigen Ochs am Spieß, manchmal eine fangfrische Forelle aus dem Fischteich. Wenn Haller Vereine Feste feiern, dann wird häufig groß aufgetischt - das ist auch gut so!

Konsens herrscht darüber, dass dies nicht auf Plastik- oder Papptellern geschehen soll - der Umwelt zuliebe, aber auch, weil es auf echten Tellern eben schöner aussieht. Das Auge isst mit.

Doch was tut der Vereinsvorsitzende, wenn das häusliche Acht-Personen-Service für 350 Gäste nicht reicht? Kaufen lohnt sich für ein Fest im Jahr nicht. Da hat die Stadt - wie viele andere Gemeinden im Umland - eine praktische Lösung, die die meisten Bürger vermutlich gar nicht kennen: Sie verleiht ein Geschirrwagen, ausgestattet mit Tellern, Tassen, Besteck und Spülmaschine. Nur Gläser sind keine dabei.

Der Siedler- und Kleingärtnerbund Hessental nutzt dies seit Jahren, hat vorbildlich im Sommer 2013 für das kommende Gartenfest im Juni den Wagen reserviert. "Unser Wunschtermin war noch frei und wir bekamen eine schriftliche Zusage mit Leihvertrag und Rechnung", schreibt Wolfgang Weidling in einem Leserbrief.

Im Dezember aber wurde der Vertrag storniert, da das Geschirrmobil von der Stadt stillgelegt wurde. Der Verein sei lediglich in einem kurzen zweizeiligen Schreiben informiert worden - ohne weitere Erklärung. "Gültige Verträge sind für die Stadt wohl nicht bindend", macht Wolfgang Weidling seinem Ärger Luft.

Was war passiert? Auf HT-Nachfrage erklärt Robert Gruner, Sprecher der Stadt, der Wagen habe beim Schlachtfest im Freilandmuseum im November seinen letzten Einsatz gehabt, wurde direkt danach aus dem Verkehr gezogen.

"Das Geschirrmobil ist nicht dort kaputt gegangen, sondern sorgte immer wieder für Probleme." Der Anhänger habe 20 Jahre auf dem Buckel. "Nach fast jedem Einsatz musste etwas repariert werden, etwa undichte Schläuche." Außerdem sei die Betreuung aufwändig. "Zunächst hat sich der Hausmeister vom Gymnasium bei St. Michael darum gekümmert, später der Werkhof." Bei Problemen müsste die Stadt an Wochenenden jemand rausschicken. "Trotzdem denken wir darüber nach, einen neuen anzuschaffen." Kosten: 18.000 Euro.

Weidling hilft das für das anstehende Fest nicht mehr. Die Stadt hat ihm empfohlen, bei umliegenden Gemeinden anzufragen. Im Leserbrief klingt er wenig optimistisch: "Da im Sommer erfahrungsgemäß viele Vereinsfeste und andere Veranstaltungen stattfinden, ist die Chance sehr gering, jetzt im Januar noch irgendwo ein Geschirrmobil zu finden." Nun müssen wohl Pappteller reichen.