WORT ZUM BUSS- UND BETTAG: Die Seele pflegen

Werner Freymüller, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Tüngental
Werner Freymüller, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Tüngental
SWP 19.11.2014

Gerechtigkeit erhöht ein Volk, aber die Sünde ist der Leute Verderben." Dieser Satz aus den Gedanken und Sprichwörtern des weisen Königs Salomo ist dem Buß- und Bettag als biblisches Leitwort zugeordnet.

Zwei große Wörter stehen in diesem biblischen Satz zum Buß- und Bettag. Zwei große Wörter geben hier die Lage eines Landes wieder: Gerechtigkeit und Sünde. Beide Wörter haben also miteinander zu tun.

Viele hören es nicht so gern und noch weniger Menschen gebrauchen es, das Wort Sünde. Dagegen hoffen sehr viele Menschen immer und überall auf Gerechtigkeit und pochen darauf. Was ist zum Verhältnis dieser beiden Wörter zu sagen?

Ungerechtigkeit ist Sünde. So kurz ist die Antwort auf die Frage nach dem Verhältnis der beiden Wörter. Jede Ungerechtigkeit ist in den Augen Gottes eine Sünde.

Dabei spielt es keine Rolle, ob ich jemanden beim Bezahlen "übers Ohr haue" oder ob im großen Stil Geldanleger "über den Tisch gezogen werden". Auch staatliche Ungerechtigkeit fällt darunter, wenn Menschen in Armut gehalten werden, obwohl die Mittel da wären, um ihre Lage zu verbessern.

Jede Form von wissentlich begangener Ungerechtigkeit ist Sünde, jeder Betrug, jede Lüge. Gottes Gebot ist da eindeutig. Warum geschieht es dennoch jeden Tag, ungezählte Male in unserem Land, absichtlich oder eher beiläufig? Vielleicht deshalb, weil kaum jemand noch damit rechnet, dass Gott eingreift. Weil viele denken: Das merkt doch sowieso keiner. Oder: Was soll mir schon passieren? Wer glaubt ernsthaft daran, dass Gott auf Sünden reagiert?

Wir sollten das aber in Erwägung ziehen. Hier steht nämlich noch ein Wort, das aufhorchen lässt: das Wort Verderben. Es könnte ja sein, dass Ungerechtigkeiten, kleine und große, auch die Menschen verderben, die sie leichten Herzens begehen. Dass die, die sich an anderen bereichern, immer schamloser werden. Und dass ihre Seele verdirbt. Das könnte ja sein.

Lieber will ich Gott nicht herausfordern, auch wenn er zu schweigen scheint. Lieber will ich meine Seele mit dem pflegen, was Jesus mir empfiehlt: Warum willst du immer mehr und am Ende die ganze Welt gewinnen? Achte lieber darauf, dass deine Seele keinen Schaden nimmt.

Mir jedenfalls hilft ein möglichst gerechtes Leben, der eigenen Seele Gutes zu tun.

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