Förderung Wolpertshausen wird ELR-Gemeinde: Bürger und Rathaus entwickeln Konzept

Behinderte haben bislang keinen Zugang zum Rathaus Wolpertshausen. Über ELR-Mittel will die Gemeinde einen Aufzug anbauen.
Behinderte haben bislang keinen Zugang zum Rathaus Wolpertshausen. Über ELR-Mittel will die Gemeinde einen Aufzug anbauen. © Foto: Ufuk Arslan
Wolpertshausen / SIGRID BAUER 08.10.2015
Das Konzept der Gemeinde Wolpertshausen hat überzeugt: Sie wird fünf Jahre lang im Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR) bevorzugt gefördert. Mit ausschlaggebend war die Bürgerbeteiligung.

Die starke Beteiligung der Bürger hatte Bürgermeister Jürgen Silberzahn von Anfang an im Auge. Deshalb hat er im April zu einer Info-Veranstaltung eingeladen, bei der die Bürger auf roten Zetteln die Schwächen der Gemeinde auflisten sollten und auf grünen die Stärken. Positiv wird von den Bürgern beispielsweise die Kinderbetreuung und die Arbeit der Gemeindeverwaltung wahrgenommen. Auf der Negativliste nannten die Bürger leere, ungenutzte Gebäude, den Mangel an Mietwohnungen, schlechte Busverbindungen zu den Teilorten, die schwierige Erreichbarkeit des Regionalmarkts, aber auch fehlende Angebote für Senioren. Diese Themen sind jetzt Bestandteil des Entwicklungskonzepts.

"Aus der Bürgerschaft haben sich Arbeitsgruppen gebildet, die dazu Ideen ausgearbeitet haben, zum Beispiel welche Möglichkeiten es gibt, den Regionalmarkt zu Fuß besser und sicherer zu erreichen", erläutert Silberzahn. Weitere Vorschläge waren die Gestaltung von Dorfplätzen als Treffpunkt, eine Wohnanlage für Senioren, der Ausbau der Nahwärme, ein Bürgerbus, organisierte Nachmittage für die älteren Bürger, Lesepatenschaften und gemeinsame Unternehmungen von Kindern mit Senioren. Um Natur und Landschaft, besonders die wertvollen Flächen im Bühlertal zu erhalten, könnte die Weidewirtschaft mit Schafen und Ziegen ausgebaut werden. So wurde auch eine ökologische Flurneuordnung in das Entwicklungskonzept mit aufgenommen. Bereits handfeste Projekte gibt es bei der innerörtlichen Entwicklung, einem Schwerpunkt des Entwicklungskonzepts. Da geht es in erster Linie darum, die ungenutzten, ehemals landwirtschaftlichen Gebäude, zu Wohnraum oder für Gewerbe umzubauen. "Es gibt rund 90 leere Gebäude, angefangen vom Hühnerstall bis zur imposanten Scheune", erklärt Martin Wypior, der als Architekt im Auftrag der Gemeinde Wolpertshausener Privatleute berät, wie sie solche Gebäude umbauen können. 30 Prozent Zuschuss dafür bekommen sie aus dem ELR-Programm. Auch für die Sanierung von leerstehenden Wohnhäusern - rund 15 bis 20 hat Wolpertshausen - gibt es Fördergeld. "Trotz der kurzen Frist haben einige Bürger Förderanträge gestellt", freut sich Silberzahn. Für 2016 rechnet er mit einem noch größeren Schwung an Anträgen. Auch Wypior findet die Resonanz der Bürger recht gut: "Da Wolpertshausen ELR-Schwerpunktgemeinde ist, bekommen die Antragssteller höchstwahrscheinlich ihre Förderung. Das ist ein großer Vorteil, weil sonst oft nicht genug Geld für alle Anträge da ist."

Auch die Gemeinde nutzt die Sonderstellung im ELR-Programm. Sie will das Rathaus mit einem Aufzug behindertengerecht gestalten. Außerdem soll Wolpertshausen einen Dorfplatz bekommen. "Dafür ist das Areal zwischen Rathaus, Feuerwehr und Bank vorgesehen. Die Pläne haben wir schon eingereicht und im Haushalt 2016 wollen wir die Mittel einstellen", so Silberzahn. Als ELR-Schwerpunktgemeinde bekommt die Gemeinde Wolpertshausen 50 Prozent Zuschuss. Ausschlaggebend für den Zuschlag war neben der Bürgerbeteiligung ein Konzept, das die Themen flächensparende Entwicklung, Demografie sowie Natur- und Landschaftsschutz berücksichtigt.

Geld vom Land für Dörfer - Am Freitag Bürgerversammlung

Strukturprogramm Das ELR ist das wichtigste Strukturprogramm des Landes Baden-Württemberg. Das Land unterstützt so die Entwicklung in Landgemeinden. 2015 stellt es dafür 60,7 Millionen Euro zur Verfügung. Sobald eine Gemeinde als Schwerpunktgemeinde anerkannt ist, erhält sie vorrangig den Zuschlag und profitiert bei kommunalen Projekten von einem höheren Fördersatz.

Bürgerversammlung Am Freitag, 9. Oktober, um 18.30 Uhr, informiert die Gemeindeverwaltung ihre Bürger im Europa-Saal über das Entwicklungskonzept. Die Arbeitskreise stellen sich und ihre Projektideen vor. Weitere Punkte der Tagesordnung sind die Vorstellung der DSL-Planung für die Gemeinde und die Erweiterung des Nahwärmenetzes.

SWP

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