Wolpertshausen / Claudia Kern-Kalinke  Uhr
Das Gremium beschließt eine Gebührenerhöhung um maximal sieben Euro bei den Spitzentarifen. Im Wolpertshausener Haushaltsplan fehlen 396.000 Euro zur Kostendeckung.

Jedes Jahr zum 1. September sollten die Gebühren für die Kinderbetreuung angepasst werden. Die Gemeinde Wolpertshausen braucht das Geld dringend, denn beim Kindergarten Wolpiwichtel klafft im Haushaltsplan eine Deckungslücke von 396.000 Euro zwischen Ausgaben und Einnahmen.

Kosten nur zu 14 Prozent gedeckt

Doch der Rat – noch in alter Besetzung – wollte dem Vorschlag der Verwaltung nicht folgen und entschied auf eine geringere Gebührenerhöhung. Weil die Kosten nur zu knapp 14 Prozent gedeckt sind, muss die Kommune sie aus anderen Töpfen ausgleichen.

Bürgermeister Jürgen Silberzahn und Kämmerin Katharina Wackler beobachten aufmerksam die Bestrebungen der SPD im Land, die Kindergartengebühren abzuschaffen. „Wenn dann das Land in die Bresche springt, gern, aber wir können auf die Gebühren nicht verzichten“, stellt Bürgermeister Silberzahn klar. Er betonte erneut, wie wichtig es der Gemeinde sei, eine gute Kinderbetreuung zu haben. „Aber das kostet Geld und ohne Kita-­Gebühren geht es nicht.“ In diesem Zusammenhang gab er bekannt, dass die Baugenehmigung für das neue Kindergartengebäude da sei, aber der Förderbescheid noch ausstehe.

Im Kinderhaus Rosengarten gibt es etwas sehr seltenes: einen männlichen Erzieher. Mario Kälble ist bei Kindern und Kolleginnen gleichermaßen beliebt.

Bei den Wolpiwichteln gibt es praktisch keine Regelbetreuung mehr wie in anderen Kindergärten. Viel lieber nutzen die Eltern die verlängerten Öffnungszeiten mit durchgehend sechs Stunden täglich oder geben ihre Kinder in die Ganztagsbetreuung mit bis zu zehn Stunden am Tag. Beide Angebote bestehen für Kinder über und unter drei Jahren. Mittag­essen gibt es auch, es muss aber extra bezahlt werden.

Richtsätze als langfristiges Ziel

Die Berechnung der Elternbeiträge fußt auf den Richtsätzen der Kirchen und kommunalen Landesverbände zur Regelbetreuung von über Dreijährigen. Dabei werden alle im Haushalt lebenden Kinder unter 18 Jahren berücksichtigt. Nun werde für die verlängerte Öffnungszeit ein Zuschlag von bis zu 25 Prozent auf die Regelbetreuungssätze empfohlen. Darauf wies Kämmerin Wackler hin. Die Gemeinde wolle langfristig das Niveau der Richtsätze erreichen.

Das Regierungspräsidium Stuttgart fördert kommunale Projekte mit rund 28,5 Millionen Euro. Gemeinden im Landkreis Hall können sich insgesamt über mehr als 7,9 Milliionen Euro freuen.

Plan B setzt sich durch

Die Tarife richten sich nach den Betreuungszeiten und nach der Zahl der Kinder (unter 18) in der Familie. Erhöhungen zwischen vier und neun Euro hatte die Verwaltung vorgesehen. Das erschien vielen Gemeinderäten zu viel und „die Neun zu nah an der Zehn“. Kämmerin Wackler legte deshalb einen Plan B vor, der eine Erhöhung um maximal sieben Euro bei den Spitzentarifen vorsieht. Damit erreichte sie die einhellige Zustimmung des Gremiums.

Bei einem Kind steigen die Gebühren für die verlängerte Öffnungszeit von 130 auf 136 Euro. Leben drei Kinder und mehr im Haushalt, steigen die Gebühren von 66 auf 70 Euro. Das gleiche Angebot liegt bei einem Kind unter drei Jahren bei 217 Euro statt bisher 210 Euro. Für die Fünf-­Tage-Woche mit insgesamt 50 Betreuungsstunden müssen die Eltern für ihr unter dreijähriges Kind 284 Euro entrichten, bisher waren es 279 Euro.

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