Bühlertann Wolfgang Fuchs berichtet in Bühlertann über den Bau der Kochertalbrücke

Bühlertann / SIGRID BAUER 14.04.2016
Die erste Baustelle des Bauzeichners Wolfgang Fuchs war die Kochertalbrücke. Er arbeitete in schwindelerregender Höhe. Den Besuchern seines Vortrags verspricht er einzigartige Fotos und einen packenden Bericht.

Gerade fertig mit der ersten Ausbildung bewarb sich der 20-Jährige Anfang 1977 als Vermessungsgehilfe bei der Firma Wayss und Freytag. "Brücken und hohe Türme haben mich schon immer interessiert, auch heute noch", stellt der jetzige Inhaber der Bühlertanner Gerüstbaufirma, die in ganz Süddeutschland tätig ist, fest.

Die 1128 Meter lange und 185 Meter hohe Brücke ist nicht nur die höchste Talbrücke Deutschlands, sondern auch die höchste Balkenbrücke weltweit. Ursprünglich war eine Schrägseilbrücke übers Kochertal vorgesehen. Ihr Pluspunkt: keine Pfeiler im Hangbereich. "Man hatte angenommen, dass der Muschelkalkuntergrund für Brückenpfeiler nicht geeignet sei", erklärt Fuchs. Als Bodenuntersuchungen das Gegenteil bewiesen, entschied sich der Bund als Bauträger für die kostengünstigere Balkenbrücke mit acht Pfeilern.

Im Februar 1977 begann der Bau von beiden Seiten des Tals her gleichzeitig. "Als Vermesser hatte ich den Riesenvorteil, jeden Tag an jeder einzelnen Pfeilerbaustelle zu sein", berichtet er. Im Hangbereich mussten die Bauarbeiter unglaubliche 45 Meter tief graben, um eine feste Muschelkalkschicht zu erreichen. Dann ging es in die Höhe: Parallel auf der Seite Richtung Heilbronn und Nürnberg wuchsen immer zwei Pfeiler im Zweitages-Takt um genau 4 Meter und 33 Zentimeter in die Höhe. "Wir haben jeden Tag betoniert, auch im Winter", erklärt Fuchs. Das galt vor allem für den Überbau, auf dem die 31 Meter breite Fahrbahn liegt.

Der Überbau besteht aus einem sogenannten Hohlkasten, der im Querschnitt trapezförmig ist. Im Winter 1978/79 bei Temperaturen bis zu minus 20 Grad musste der Hohlraum die ganze Zeit beheizt werden, damit der Beton abbindet - auch am Wochenende. "Das hieß: alle vier Stunden Heizöl in die Öfen nachfüllen. Ich habe mich mit einem Kollegen abgewechselt und bin das ganze Wochenende alle acht Stunden zur Brücke gefahren, um Heizöl nachzufüllen", so Fuchs.

Für die Uni Stuttgart übernahm er auch Messungen, wie sich die Erwärmung durch die Sonne auf die Pfeiler auswirkte. "Dafür habe ich es mir in 178 Metern Höhe mit Liegestuhl, Proviant und Lesestoff auf einem Pfeiler bequem gemacht und stündlich über 24 Stunden gemessen", berichtet der schwindelfreie Bühlertanner Unternehmer.

Immer noch erzählt er begeistert vom Freivorbau: Bei dieser Technik wird der Hohlkasten vom Pfeiler aus mit Hilfe eines Kragarms, der bis zu 65 Meter weit frei herausragt, nach beiden Seiten in Richtung des nächsten Pfeilers betoniert. Dass dabei Richtung und Höhe eingehalten wurden, dafür war der junge Vermesser zuständig. Beim Lückenschluss hoch über dem Kochertal gab es trotzdem einen Höhenunterschied von etwa 15 Zentimetern. Die Lösung war einfach, aber tonnenschwer. Ein Betonteil, das später für den Überbau benötigt wurde, kam auf die Kragarmspitze, bis sie auf der passenden Höhe war. Dann wurde der letzte Meter geschlossen. "Es war eine tolle Zeit, in der ich sehr viel gelernt habe", erinnert sich der Gerüstbauexperte, der die gesamte Bauzeit mit seiner Kamera festgehalten hat. Urlaub habe er damals keinen gewollt. "Ich hätte mich sonst geärgert, wenn ich irgendetwas Wichtiges nicht miterlebt hätte."
 

Vortrag am Freitag, 15. April

Vortrag Am Freitag, 15. April, um 19.30 im Gemeindehaus Bühlertann (neben der katholischen Kirche)

Kochertalbrücke Die Kochertalbrücke ist Teil der A6, der Ost-West-Verbindung zwischen Paris und Prag. Täglich befahren sie rund 50.000 Fahrzeuge, darunter viele LKW. Die Brücke wurde in 30 Monaten zwischen 1977 und 1979 für rund 71 Millionen DM errichtet und kürzlich für 22,4 Millionen Euro saniert.

Zur Person Wolfgang Fuchs ist Jahrgang 1957. Als Bauzeichner, Bautechniker und Stuckateur ist er 1981 in den Gerüstbaubetrieb seines Großvaters Theodor Fuchs eingetreten. Geschäftsführer wurde er 1995; 2006 alleiniger Gesellschafter. Die Firma mit rund 45 Mitarbeitern hat sich in ganz Süddeutschland mit Spezialgerüsten an alten Bauwerken einen Namen gemacht.

SIBA

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