Thomas Kiene und Jürgen Endress bringen Holz in Form. Ihr Unternehmen Holz&Form GmbH und Co. KG gründeten die Schreinermeister im Jahr 2000. Spezialisiert hatten sie sich zunächst auf private Aufträge für Möbel sowie auf Objekteinrichtungen – wie zum Beispiel Ladeneinrichtungen und Altenpflegeheime oder die neue Haller Touristinformation am Hafenmarkt.

Aufwand und Know-how

In den zurückliegenden Jahren hat sich ihr Geschäftsfeld aber sehr gewandelt. Angefangen hatte die Veränderung damit, dass sich Thomas Kiene für sein Pick-up-Fahrzeug eine Aufsetzkabine gebaut hat, um das Auto als Wohnmobil nutzen zu können. In diese Arbeiten steckte er erheblichen Aufwand und sammelte Know-how. Die Frage stellte sich Kiene und Endress irgendwann ganz alleine: Warum aus dem gelungenen Prototypen keine Angebote für den Markt entwickeln? Im Mai 2016 stellten sie ihr Konzept erstmals auf einer Touristikmesse vor. Daraus ergaben sich einige Aufträge. Mit der Herstellung der Kabinen begannen Thomas Kiene und Jürgen Endress in ihrer Werkstatt im Aschenhausweg im März des zurückliegenden Jahres.

Entwickelt wurde aus der Idee ein Standardmodell für verschieden große Pick-ups. Dieses kostet in guter Ausstattung rund 37.000 Euro. Ausgestattet sind die Kabinen mit zwei bis drei Schlafplätzen, einer Kochgelegenheit sowie Bad, Dusche und WC. Es wurde aber auch schon eine Aufsetzkabine für 47.000 Euro verkauft. „Die Optionen sind nahezu grenzenlos“, sagt Thomas Kiene.

Gebaut sind die Wohnkabinen aus 30 Millimeter starken GFK-Sandwichplatten. Der Innenausbau erfolgt in  Sperrholz mit hochwertiger Beschichtung in Leichtbauweise. Die Kabine ist rund 720 Kilogramm schwer, 4,20 Meter lang, 2 Meter breit und 2 Meter hoch. Die Innenraumhöhe beträgt 1,96 Meter.

Sieben Monate Wartezeit

Kunden, die heute eine Kabine bei Holz&Form ordern, müssen etwa sieben Monate auf die Auslieferung warten. In Konkurrenz steht das Haller Unternehmen, das zehn Mitarbeiter beschäftigt, mit zwei großen und mehreren kleinen Herstellern. Von den Zahlen des Marktführers, der 200 Kabinen im Jahr verkauft, sind die Haller ein ganzes Stück entfernt. Sie haben bisher 22 Kabinen abgesetzt. Kiene und Endress gehen davon aus, dass sie in diesem Jahr sieben Aufsetzkabinen auf die Straße bringen werden.

Gerne würden die beiden geschäftsführenden Gesellschafter die Zahl ihrer Fertigungen erhöhen – 25 im Jahr sind auf mittlere Frist geplant –, doch es fehlt ihnen dazu das nötige Personal. Dabei haben sie nicht einmal den Anspruch, ausgebildete Handwerker zu beschäftigen. Menschen mit handwerklichem Geschick hätten in dem Betrieb in der Haller Stadtheide eine Chance auf einen interessanten Job.

Was sind die Vorteile eines Pick-ups, der mit einer Aufsetzkabine versehen ist, gegenüber einem Wohnmobil oder Wohnwagen? Kiene und Endress zählen sie auf: Die Fahrzeuge haben keine Geschwindigkeitsbegrenzung, sie benötigen keine speziellen Zulassungen, die Kabine gilt als Ladung und ist über das Auto mitversichert und – die Wohneinheit lässt sich am Zielort absetzen, sodass dort ein Auto zur Verfügung steht. Die beiden Unternehmen gehen davon aus, dass ihre Kabinen eine Nutzungsdauer von 30 Jahren haben. Mit geringem Umrüstaufwand ließen sie sich auf andere Pick-ups aufsetzen. Auch könnten die Kosten von Fahrzeug und Kabine entkoppelt werden – wenn sich der Kunde zunächst ein günstigeres Gebrauchtfahrzeug mit Kabine anschafft und später dann ein neues Auto.

Ausgleichende Geschäfte

Inzwischen haben die beiden Inhaber das Geschäft mit Möbeln und Objekteinrichtungen zurückgefahren. Es macht noch etwa 25 Prozent ihrer Aufträge aus, der Rest entfällt auf die Aufsetzkabinen. Insgesamt macht das Unternehmen im Jahr rund 800.000 Euro Umsatz. Dieser Wert schwankte in den zurückliegenden Jahren erheblich. Sollte sich der Verkauf der Aufsetzkabinen zum verlässlichen Seriengeschäft entwickeln, könnten sich die Aufträge gleichmäßig verteilen, sie wären damit kalkulierbarer, so die Hoffnung. Die unproduktiven Zeiten könnten sich dadurch verringern.

80


Tausend Euro kostet ein neuer Pick-up inklusive einer neuen Aufsetzkabine – so die Faustformel. Die Kosten für Fahrzeug und Wohnkabine teilen sich etwa zur Hälfte.

Tische für die königliche Uhrmacherwerkstatt


Beim Besuch in der Werkstatt von Holz&Form in der Haller Stadtheide fallen fein gearbeitete Tische auf. „Wir fertigen im Jahr auch rund 100 Uhrmacher- und Goldschmiedewerktische“, erklärt Thomas Kiene. Ein Goldschmiedewerktisch wurde schon an den Hof nach Doha im Emirat Katar geliefert. Ein Tisch ging an die königliche Uhrmacherwerkstatt in den Buckingham-Palast nach England. just