Schwäbisch Hall Trotz großen Schadens: Woha öffnet wieder

Schwäbisch Hall / Tobias Würth 16.05.2018
Ursachenforschung am Tag nach dem Starkregen: Rückgestautes Wasser ist aus dem Schacht an der Weilertunnelbaustelle geschossen. Juristen klären die Haftungsfrage.

Wir schaffen wie verrückt“, sagt Ilse ­Drexel, Geschäftsführerin des Kaufhauses Woha. Am Montag stand das Wasser circa 20 Zentimeter hoch in ihrem Geschäft an der Henkersbrücke. Ein Gewitterregen verwandelte die Heimbacher Gasse in einen Fluss und einen Bereich der Johanniterstraße am Scharfen Eck in einen See.

Am Dienstag werden schon die ersten Kunden wieder bedient. Doch der Schaden am historischen Gebäude, das dem Woha gehört, sei immens. „Der ganze Bodenbelag ist kaputt, wohl auch der Estrich“, sagt Drexel. Möglicherweise sei auch die Heizung im Keller beschädigt worden. Die Wände  müssten neu gestrichen werden, da dort die Wasserstandsmarke in Form eines dreckigen Abdrucks zu sehen ist. Drexel: „Alle Möbel sind kaputt, da sie aufquellen.“ Es wird wohl einen Sonderverkauf von Waren geben.

Keiner will zahlen

Die Kanalisation habe ihren Dienst versagt, daher hat sich ­Drexel an die Stadtverwaltung Hall gewandt. Doch die fühle sich nicht zuständig und verweise auf das Land. „Das Regierungspräsidium hat uns wiederum mitgeteilt, dass die Sache an ihre Juristen weitergegeben wurde“, sagt Drexel. Wer bezahlt nun den Schaden, der sicherlich mehrere Zehntausend Euro beträgt?

„Der über eine provisorische Wasserhaltung geführte Heimbach wurde derart rück- und überstaut, dass das Wasser aus einem auf der Baustelle gelegenen Schacht herausströmte“, schreibt das Regierungspräsidium. Diese Behörde ist für die Weilertunnelbaustelle zuständig. Dort wird die Verdolung erneuert. Im Klartext: Die Wassermassen haben die von den Ingenieuren vorgesehenen Wege verlassen und dadurch den Schaden verursacht. Durch die Wassermassen seien Teile der geschotterten Baustraße ausgeschwemmt worden. Die Steine verstopften die Kanäle.

Die Sonne knallt am Dienstag vom Himmel und beleuchtet das Schadensszenario des Regengusses. Eine Mitarbeiterin des Orthopädiebetriebs Dierolf trocknet Fußmatten in der Sonne. Vor dem Elektrogeschäft Augsten liegen Sandsäcke. Die Pächter des Tabak- und Zeitschriftenladens im Ritter-Gebäude wischen die Fliesen ab. Pfützen stehen in der ehemaligen Brückenapotheke, die seit Jahren leer steht. Lukas Swoboda vom Reinigungsunternehmen Quass fährt auf einer kleinen Putzmaschine durchs Kaufhaus Woha.

Doch warum verwandeln sich in Hall Straßen in Flüsse? Auch der Wettbach trat über die Ufer und ein Keller in der Unterlimpurger Straße  wurde geflutet, berichtet die Polizei.

Kanäle im Bau

Reiche der provisorische Kanal im Baustellenbereich für Wassermassen nicht aus, könne das Wasser in die Baugrube abfließen, teilt das Regierungspräsidium mit. „Diese Art der Wasserhaltung besteht seit Ende Mai 2017 und war bis gestern ausreichend“, steht in der Antwort. Der Gewitterregen vorgestern sei außergewöhnlich gewesen.

„Nachdem die Arbeiten abgeschlossen sind, kann das gefasste Wasser wieder frei in den Kocher abfließen. Für die Verdolung selbst wurden im Zusammenhang mit der Planung Berechnungen durchgeführt, die zu einer ausreichenden Dimensionierung der Heimbachverdolung führen“, ist sich das Regierungspräsidium sicher.

Becken überflutet

Einst zeigte der damalige Baubürgermeister Bernd Stadel voller Stolz das neue, riesige Regenüberlaufbecken unter der Stuttgarter Straße dem Pressevertreter. „Bei Regen soll das Becken den Zufluss im stromabwärts gelegenen Mischwasserkanal begrenzen und das Schmutzwasser, das nicht abgeleitet wird, speichern“, teilt die Stadtverwaltung am Dienstag auf Nachfrage mit. „Ist das Becken voll, läuft das Wasser in den Heimbach über. Beim Regenereignis am Montag füllte sich das Becken wie vorgesehen.“ Es war eben nur zu klein.

Wie werden die Bürger geschützt: „Die Problematik an Bachläufen wie am Wettbach ist bekannt. Hier wird durch den Einbau von Rechen versucht, das vom Bach mitgeführte Material wie Steine und Äste von den Verdolungen fernzuhalten. Zum anderen ist die Stadt ständig bemüht, Flächen zu entsiegeln sowie eine entsprechende Regenrückhaltung durch den Bau von Becken zu schaffen.“

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