Schwäbisch Hall Unwetter in Hall: „Braunsbach in klein“

Schwäbisch Hall / Tobias Würth 15.05.2018
Der Starkregen spülte am Montag um 15.15 Uhr Material aus der Weilertunnelbaustelle - die Kanalisation wurde verstopft.

„Das ist Braunsbach in Klein“, sagt der Polizist Alexander Feindt. Die Heimbacher Gasse hat sich in einen reißenden Fluss verwandelt. Ein ähnlicher Effekt wie der am 20. Mai 2016 in Braunsbach sei am Montag in Hall eingetreten. „Das Wasser kommt von den Bergen herab, hat den Bereich der Weilertunnelbaustelle ausgespült“, erläutert Feindt den Dominoeffekt. Das Schwemmgut bildet einen kleinen Damm auf Höhe der alten Wildbadquelle am Scharfen Eck. Ein Wasserschwall fließt über den Bereich der Bushaltestellen  auf der Verkehrsinsel. Die Kanalisation wird verstopft. Das Wasser rauscht die Straße herab. „Ein Feuerwehrmann wollte auf dem Weg zum Einsatz durch das Wasser fahren und blieb im Splitt hängen“, erläutert Feindt.

Koffer treiben im Wasser

„Gerade läuft der Keller voll“, sagt Ilse Drexel. Die Geschäftsführerin des Traditionskaufhauses an der Henkersbrücke wirkt erstaunlich gefasst. Sie  macht  eine Tür auf, die das Treppenhaus von den Verkaufsräumen trennt. Ein Sturzbach ergießt sich die Stufen hinab. Gelbe Säcke schwimmen im Kellerraum.

„Tür zu“, ruft ein Feuerwehrmann. Mit fünf Pumpen sind die Einsatzkräfte am Werk, um das Wasser aus dem Erdgeschoss zu saugen. „Es ist extrem viel Wasser in kurzer Zeit gefallen. Der Werkhof ist immer bemüht, die Kanäle unermüdlich zu reinigen. Aber gegen solche Mengen kommt man da  nicht an“, sagt Stadtbrandmeister Peter Schneider. „Wir bringen jetzt möglichst  viel Wasser raus“, erläutert er. „Das  schaffen die Eigentümer nicht allein.“ Das Auspumpen sei ein kostenpflichtiger Einsatz. Schneider: „Wenn die Eigentümerin Glück hat, bezahlt das die Versicherung.“

„Das hatten wir noch nie“, sagt Ilse Drexel. Am liebsten würde sie das Geschäft gar nicht schließen und sofort für ihre Kunden wieder da sein. „Die ganzen Möbel werden das Wasser aufsaugen“, ahnt sie das Unheil voraus. Verzweifelt hat die Chefin selbst versucht, die Kanaldeckel von Steinen und Holz freizuräumen, die sich im Boden vor dem Eingang befinden. Bis zur Henkersbrücke steht kurzzeitig das Wasser. Zwecklos. Die braune Brühe läuft vor allem durch den Eingang, der zur Henkersbrücke führt, ins Kaufhaus hinein. Das Wasser steht etwa knöchelhoch. Koffer schwimmen unter den Verkaufstischen der Socken hindurch.

Vyackeslav Mamaev hat die Flut kommen sehen. „Es ging alles sehr schnell. So ein bis zwei Minuten“, erläutert der Inhaber des Tabakwarengeschäfts im Ritter-Areal. „So hoch stand das Wasser im Gebäude“, sagt er und deutet mit einer Bewegung eine etwa vier Finger hohe Mauer an. „Und so hoch in der Straße“, sagt er und deutet mit den Händen rund 40 Zentimeter an. „Meine Frau und ich, wir haben versucht, das Wasser aus den Fluren zu kehren“, berichtet er. Der Einsatz scheint sich gelohnt zu haben. Die Flut dringt nur wenige Meter in das Rittergebäude ein.

Salinenstraße überflutet

„Fast alle Geschäfte an der nördlichen Seite der Heimbacher Gasse sind betroffen“, erläutert der Polizist Feindt.  Ein Bagger räumt den aufgeschütteten Damm am Scharfen Eck weg. Die Stuttgarter Straße ist stundenlang gesperrt. Es gibt viele Staus in Hall.

An einer weiteren Stelle überfluten die Wassermassen eine Straße. Im Wettbach hängt ein Baum, der  wohl ebenfalls die Fluten aufstaut. Das Wasser schießt über die Heilbronner  Straße bis in die Salinenstraße. Die Straßen dort sind kurzzeitig gesperrt, das Wasser läuft aber schnell ab.

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