Was bei Bekleidungsgeschäften oder Elektronikmärkten gang und gäbe ist, wird nun auch für alle anderen zur Realität: Ab 2020 wird der gedruckte Kassenbon zur Pflicht – egal, ob der Kunde danach fragt oder nicht. Für kleinere Geschäfte oder Verkäufer auf dem Wochenmarkt bedeutet das eine große Umstellung, wenn sie eine elektronische Kasse verwenden. Denn neben der Kassenbonpflicht müssen diese ab kommendem Jahr über eine zertifizierte technische Sicherheitseinrichtung verfügen. Das soll Manipulationen verhindern.

Zu große Investition

Beim Blick hinter die Verkaufsstände auf dem Crailsheimer Wochenmarkt wird jedoch deutlich: Ein elektronisches Kassensystem haben die wenigsten. Dazu zählt auch Verkäufer Karl Bach aus Wilburgstetten. „Solange es keine konkrete Vorschrift gibt, die danach verlangt, werden wir uns keine Kasse anschaffen“, berichtet er. Als Begründung nennt er die extrem hohen Kosten, die er sich als kleiner Verkäufer, der nur auf den Märkten in Crailsheim und Dinkelsbühl verkauft, nicht leisten kann. Da er eine offene Ladenkasse betreibt, also eine Bar- Kasse, die keine technische Ausstattung hat, ist er von der Pflicht, einen Kassenbon auszugeben, auch in Zukunft befreit. Dennoch hat er eine klare Meinung dazu: „Das ist reine Papierverschwendung.

Auch Elke Fromm, Obst- und Gemüsehändlerin aus Pfedelbach, findet deutliche Worte: „Es ist bescheuert. Für uns ist es ein viel zu großer Aufwand und zu hohe Kosten, die wir kaum tragen können.“ Sie selbst hat ein elektrisches Kassensystem im Einsatz. Deswegen muss sie die neuen Vorschriften beachten. Vor allem gehe mit der neuen Verordnung ein Stück Freiheit verloren, bemängelt Fromm. „Auf dem Markt wird oft abgerundet und nicht centgenau abkassiert. Das ist mit dem neuen System hinfällig“, sagt die Händlerin, die jede Woche mit ihrem Stand auf den Märkten in Schwäbisch Hall und Crailsheim zu finden ist. „Die großen Bauern werden unterstützt, und die kleinen Marktleute bekommen immer mehr Vorschriften vorgesetzt – das ist traurig und mühselig“, resümiert Fromm.

Neue Kassen geben Sicherheit für die Kunden

Doch es gibt auch andere Ansichten. Joseph Huber-Kraus von den Honhardter Demeterhöfen findet die Verordnung nicht schlimm. „Für uns ändert sich nichts. Wir haben seit Jahren ein elektronisches Kassensystem und geben auch jedem Kunden einen Kassenzettel aus.“ Es sei eine Sicherheit für ihn und für den Kunden. Dennoch kann er die Situation seiner Kollegen verstehen: „Es ist natürlich eine große Papierverschwendung.“

Neben dem Wochenmarkt sind auch handwerkliche Berufe betroffen. „In unserem Fachverband wird das Thema schon seit Jahren diskutiert“, erzählt Sabine Hammel, Obermeisterin der Friseurinnung im Landkreis Schwäbisch Hall. „Für uns ist das nichts Neues. Wir selbst haben eine offene Ladenkasse. Für uns ändert sich also nichts. Auch für meine Kollegen mit elektronischen Kassensystemen ändert sich nicht viel“, erklärt sie.

Ausnahmeregel gefordert

Die Handwerkskammer Heilbronn-Franken hingegen sieht das Thema nicht so entspannt: „Mit dieser Verordnung führt die Bundesregierung das erst kürzlich auf den Weg gebrachte Gesetz zum Bürokratieabbau direkt wieder ad absurdum. Auf der einen Seite wird der ,gelbe Schein’, also die Krankmeldung im Papierformat, abgeschafft. Auf der anderen Seite sollen dann Bäcker für jedes verkaufte Brötchen einen Bon ausgeben. Das widerspricht sich“, erklärt Hauptgeschäftsführer Ralf Schnörr. Eine solche Vorgabe sei auch sicher nicht im Sinne des Kunden und der Nachhaltigkeit. Auch deshalb fordert er, dass „Betriebe mit Kassen, die den gesetzlichen Anforderungen entsprechen, von der Belegpflicht ausgenommen werden“.

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Milliarden Kassenbons pro Jahr – damit rechnet der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks allein für sein Gewerk. Das entspreche dem 25-fachen Erdumfang in Papier.