Wolpertshausen Wissen geht in Ruhestand

Vielerorts fehlen Fachkräfte. Unternehmen müssen genau hinschauen: Wann geht wer in den Ruhestand - und welches Wissen nimmt er mit? Symbolfoto: dpa
Vielerorts fehlen Fachkräfte. Unternehmen müssen genau hinschauen: Wann geht wer in den Ruhestand - und welches Wissen nimmt er mit? Symbolfoto: dpa
Wolpertshausen / JÜRGEN STEGMAIER 29.11.2014
"Es ist nicht das Ende von Regiobiz", betont Projektleiterin Melanie Schlebach am Mittwoch, "nur die Förderung läuft aus." Am Donnerstag ging es darum, wie Unternehmen das richtige Personal finden.

Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises verfolgt mit dem Projekt Regiobiz vorrangig zwei Ziele: Einerseits sollen heimische Unternehmen dabei unterstützt werden, die richtigen Fachkräfte zu finden. Andererseits sollen Betriebe darauf vorbereitet werden, dass ein zunehmendes Älterwerden der Gesellschaft zu ganz besonderen Herausforderungen führt. Regiobiz wurde sechs Jahre lang mit insgesamt 266.000 Euro gefördert.

Ab 2020 gehen die geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand. So scheiden hunderttausende Menschen aus dem Berufsleben aus - und mit ihnen geht nicht nur Arbeits- und Schaffenskraft, sondern auch Wissen. "Nur Unternehmen, denen bekannt ist, welche Mitarbeiter wann mit welchem Wissen ausscheiden, können angemessen reagieren", sagte Melanie Schlebach.

"Wir versuchen mit Regiobiz Impulse und Ratschläge zu geben", so die Projektleiterin im Europasaal. In vier Komplexen informierten Fachleute bei einem Aktionstag zu den Themen: Talente suchen, neue Wege der Mitarbeitersuche, Stressmanagement sowie Organisation von Wissenssicherung.

Zu Gast in Wolpertshausen war auch Guido Rebstock. Der ehemalige Chef der Haller Agentur für Arbeit ist inzwischen Ministerialdirektor im Finanz- und Wirtschaftsministerium des Landes. Der Fachkräftemangel werde seines Erachtens insbesondere im Pflegebereich gravierend. Von den ohnehin schon wenigen jungen Menschen entscheiden sich nicht viele für einen Pflegeberuf. Dabei gebe es immer mehr Ältere, die auf Hilfe angewiesen sind. "Es gibt keine Patentlösungen und keine Einzelmaßnahmen", machte Rebstock deutlich.

Gastvortrag: Mythos Fachkräftemangel

Klischees Als Höhepunkt des Projekttages war ein Vortrag von Martin Gaedt gedacht. Der Berliner Unternehmer stellte zahlreiche Fragen, lieferte aber nur wenige griffige Fakten. Gaedt bediente Klischees. Bei vielen Beispielen, die er in seinem Gastvortrag nannte, waren Realität und Fiktion nicht zu unterscheiden. Er zitierte einen IHK-Präsidenten, der sich lieber die Hand abhacken würde, als einen Bewerber weiterzuempfehlen. In einem anderen Fall sprach er über Softwareentwickler, von denen lediglich 15 Prozent dazu bereit seien, Mitarbeiter einzustellen, die ausschließlich Englisch sprechen. Er belegte seine Beispiele nicht. Interessant war sein Vorschlag, einem Wunschkandidaten ein Smartphone zu senden, auf dem eine Nachricht abgespeichert ist: "Rufen Sie uns an. Wir sind Ihr neuer Arbeitgeber." Die Botschaft von Martin Gaedt: Der Fachkräftemangel sei ein Mythos. Unternehmen müssten nur einfallsreich sein, um die passenden Mitarbeiter - von denen es mehr als genug gebe - zu finden. Den Fachkräftemangel bezeichnete Gaedt lautstark als ein "absurdes Theater."

JUST

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