Geburtstag Wissbegier bleibt der Antrieb

Vor genau 90 Jahren ist Walter Hampele in Westheim geboren worden.
Vor genau 90 Jahren ist Walter Hampele in Westheim geboren worden. © Foto: Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / Bettina Lober 23.06.2018

Ruhig ist es bei Walter Hampele auf dem Friedensberg. Von hier aus lassen sich die Dinge des Lebens mit etwas Distanz betrachten. Und all diese Dinge verfolgt er mit seinen nun 90 Jahren genau. Die Haller erlebt er als „sehr traditionsbewusst, aber auch sehr kritisch“. Es nehmen mehr Menschen an den Diskussionen teil als anderswo, „das muss eine Demokratie aushalten“. Allerdings lässt Hampele durchblicken, dass er mitunter einen gewissen Respekt vermisse und den Umgangston zuweilen als zu rau empfinde.

Den Alltag zu bewältigen, fällt ihm nicht mehr so leicht wie noch vor einigen Jahren. Aber der 90-Jährige begegnet diesen Einschränkungen des Alters stets mit Haltung. Alt zu werden ist nicht einfach – daraus macht Hampele keinen Hehl. Doch bei aller damit verbundenen Beschwerlichkeit strahlt er eine solide Zufriedenheit und tiefe Dankbarkeit aus. Denn dass aus ihm einmal ein Literaturwissenschaftler und Leiter des Haller Gymnasiums bei St. Michael werden würde, war ihm nicht in die Wiege gelegt.

Als jüngstes von vier Kindern auf einem Bauernhof in Westheim geboren, wuchs er in eher ärmlichen Verhältnissen auf. Vom sechs Jahre älteren Bruder habe er viel gelernt, „der hat mich sehr geprägt“, erzählt Hampele. Als der Bruder die Verse für die Konfirmation lernte, begegnete Walter Hampele der Hochsprache. Im christlich geprägten Elternhaus gab es drei Bücher: die Bibel, das Gesang- und das Gebetbuch. Doch da gab es auch diese Wissbegier des kleinen Walter. Trotz schmalen Geldbeutels haben die Eltern eine 40-bändige Literaturauswahl angeschafft, die der Sohn  geradezu verschlang – „obwohl ich längst nicht alles verstand“.

Er wurde aufs Gymnasium geschickt. Später entschied er sich für ein Studium der Germanistik, Anglistik, Philosophie und Geschichte in Tübingen. Von 1966 bis 1990 hat Walter Hampele das Gymnasium bei St. Michael geleitet, die Schule also, die er einst besucht hat. Ob Gemeinderat, Kirche, oder Freilichtspiele – das Engagement Hampeles in Schwäbisch Hall hat viele Gesichter.

Und dann ist da ja auch noch der Autor und Lyriker Hampele und seine Liebe zur Hohenloher Mundart, „der Sprache des Herzens“. Aber Hohenlohisch verschwinde, „es ist ein zu kleines Sprachgebiet, das Stuttgarter Schwäbisch ist im Hoch“, bedauert er. Einige seiner Gedichtbände sind im Hohenloher Druck- und Verlagshaus erschienen. Altverleger Rolf Wankmüller ist von Hampeles Reimen bis heute beeindruckt

Hohenloher Gewächs aus Westheim

Walter Hampele wird am 20. Juni 1928 in Westheim geboren. Nach dem Abitur am Haller Gymnasium bei St. Michael studiert er in Tübingen Germanistik, Geschichte, Anglistik und Philosophie. Zunächst ist er Gymnasiallehrer in Ulm, dann in Stuttgart, von 1955 bis 1966 in Bad Mergentheim, und von 1966 bis 1990 leitet er das Gymnasium bei St. Michael in Hall. Von 1968 bis 1994 ist er Mitglied der CDU-Fraktion im Haller Gemeinderat. Überdies engagiert er sich als Kirchengemeinderat, ist Mitglied im Kuratorium der Freilichtspiele, im Historischen Verein für Württembergisch Franken, Gründungsmitglied des Fördervereins mittelalterliche Kirche in Hall, Ehrenvorsitzender des Freundeskreises alter Haller Pennäler und vieles mehr. 1988 erhält er das Bundesverdienstkreuz am Band, 1993 die Goldene Rathausmedaille der Stadt Hall sowie die Landesmedaille für besondere Verdienste um die Heimat Baden-Württemberg. Außerdem ist Hampele Autor und Lyriker – er hat Gedichtbände in Hohenloher Mundart veröffentlicht. Walter Hampele und seine Frau Rose, die Tochter des in Hall geborenen Schriftstellers Paul Wanner, haben drei erwachsene Kinder, die heute in Heidelberg und in Sindelfingen leben. blo

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