Serie zur Bühler Bühler’sche Familiengeschichte: Wirte, Bauern und ein Ritter

Rudolf Bühler am Stammsitz der aus der Region Hohenlohe stammenden Bühler-Familien. Er sitzt auf den Steinen einer ehemaligen Burgruine. Diese liegt oberhalb von Hopfach. Dort lebte  1378 Ritter Eberhard von Bühler. Zu der Burg gehörte auch eine „Schenke und Hofgut an der Straße nach Hall“ – der heutige Sonnenhof.
Rudolf Bühler am Stammsitz der aus der Region Hohenlohe stammenden Bühler-Familien. Er sitzt auf den Steinen einer ehemaligen Burgruine. Diese liegt oberhalb von Hopfach. Dort lebte  1378 Ritter Eberhard von Bühler. Zu der Burg gehörte auch eine „Schenke und Hofgut an der Straße nach Hall“ – der heutige Sonnenhof. © Foto: Elisabeth Schweikert
Wolpertshausen / Elisabeth Schweikert 14.09.2018
Rudolf Bühler erzählt, wie es ihn prägt, dass seine Familie seit mehr als 700 Jahren in Wolpertshausen lebt. Der erste Vorfahre benannte sich nach dem Fluss.

Ich war schon ewig nicht mehr hier“, sagt Rudolf Bühler, als er auf den Wald zugeht, der am Ende der Hohenloher Ebene zur Abbruchkante ins Bühlertal steht. Von Wolpertshausen aus war er über kleine Wege zu dem Bergsporn gefahren, der oberhalb von Hopfach liegt. An wenigen Stellen ist die Hangkante nicht bewaldet und ein spektakulärer Blick über das Bühlertal möglich.  Am Ende des Wegs führt er durch den Wald auf einen  tiefer liegenden Bergvorsprung. Je weiter es in den Wald geht, umso deutlicher fallen die Spuren der früheren Bebauung ins Auge: Rechts ein tief eingeschnittener Graben. Mit Moos überzogene Steinquader liegen auf einer großen, ebenen Fläche. Ganz offensichtlich stand dort einmal ein großes Gebäude. „Hier“, zeigt Rudolf Bühler zwischen zwei Felsblöcke. Darunter scheint ein Raum zu liegen. Ein Cousin habe vor Jahrzehnten auf dem Gelände gegraben, das Landesdenkmalamt hatte jedoch einen Stopp verfügt.

Die Steinquader stammen von einer früheren Burg. 1378 wohnte dort ein Ritter Eberhard von Bühler.  Dieser hatte neben der  Burg auch noch eine „Schenke  und Hofgut an der Straße nach Hall“, berichtet Rudolf Bühler. „Den Sonnenhof.“

Freier Bauer, nicht adelig

Sind die Bühlers also blaublütig, von adeligem Geschlecht und ritterlicher Art? Rudolf Bühler lacht laut und sagt dann: „Nein. Wir stehen auf der anderen Seite. Wir waren stets freie Bauern im Gebiet der Stadt Schwäbisch Hall. Die engen Beziehungen nach Hall sind uns wichtiger. Und, dass wir immer frei waren.“ Nur eine Generation, der Ritter Eberhard, sei Lehensadel gewesen. Andere Nachkommen des Ritters Eberhard, der Backnanger Ast, sei später geadelt worden. Nachfahren dieses Familienzweigs  waren als Geheimräte am Hof der Zaren in Russland tätig und beim Wiener Kongress dabei.

Die Burg wurde im 30-jährigen Krieg geschleift, die Familie Bühler zog nach Hall und lebte dort als Bäcker und Kornmesser. Der Sonnenhof  wurde in dieser Zeit von Simon Kraft verwaltet. Nach dem Ende des 30-jährigen Krieges zog Georg Bühler II  im Jahr 1649 zurück auf den Hof der Familie. Über Georg Bühler II heißt es in örtlichen Aufzeichnungen, dass er als Bauer, Wirt und Schulheiß gearbeitet hatte, und „angesehen und wohlgebildet“ gewesen sei. Rudolf  Bühler: „Das war sicherlich dessen Jugendjahren in Hall geschuldet“.  Georg Bühlers  Frau, Euphrosine Blinzig, stammt aus der Familie des Stättmeisters Georg Seiferheld, sie war dessen Nichte, fügt Bühler an.

Die Familie ist Kraftquelle

Was bedeutet es für Bühler, dass er auf eine so lange Familiengeschichte zurückblicken kann? „Da schöpfe ich schon Kraft daraus“, sagt der 60-Jährige und entgegnet: „Aber eigentlich ist diese Zeit für uns nicht so weit weg.“  Was meint er damit? „Uns gibt es hier seit dem Mittelalter.“  – Die Regierenden kommen und gehen, die Bühlers bleiben, bedeutet es das? „Genau“, antwortet Bühler und lacht, „Genau das verbinde ich damit.“ Sicher müsse man sich in gewissem Maße arrangieren, aber die Werte der Familie stünden über allem. „Wir haben einen Familienspruch. ,Tue recht und scheue niemanden.’ Den hat mir mein Vater eingebläut. Und meine Oma hat über die Zeit des Dritten Reichs mit Stolz gesagt: ,Wir waren nicht in der Partei’ – was damals sicher nicht einfach war.“

Rudolf Bühler kommt ins Plaudern und führt durch seine Wohnung, die früher Tanz- und Festsaal der Gaststätte „Sonne“ war. Ganz Wolpertshausen habe sich dort getroffen, erzählt er, bis 1962 die Herolthalle der neue Treffpunkt wurde.  Man kann sich gut vorstellen, wie in dem Festsaal einige Hundert Menschen an den Tischen saßen. Wie bei großen Bauernhochzeiten dampfende Suppenterrinen aufgetragen wurden. Wie Partei- und Dorfversammlungen dort abgehalten wurden. Der Saal war der Treffpunkt im Dorf. Heute ist das so beim Hoffest der Bühlers im August. 5000 Menschen feierten dieses Jahr dort  und im Regionalmarkt – so viele, wie beim Backofenfest in Wackershofen an zwei Tagen.

Hofübergabe im Jahr 1984

„Und das hier ist mein Kraftort“, sagt Bühler und zeigt auf sein Büro.  „Hier war seit 1892 über 39 Jahr lang die Bank, hier wurde 1896 die Molkereigenossenschaft gegründet.“

Seit  1984 ist der Sonnenhof das Refugium von Rudolf Bühler. Damals übernahm der Agraringenieur, der sechs Jahre lang in der Entwicklungshilfe tätig war, den Hof von seinen Eltern Heinrich und Johanna Bühler. „Sie waren die letzten Sonnenwirte. Danach wurden die Räume zu meinem Büro für Ländliche Regionalentwicklung. Damit auch zur Gründungsstätte für die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft und der Projekte in Indien, Afrika und Osteuropa.“

Vor drei Jahren haben die Bühlers die „Betriebsgemeinschaft Sonnenhof“ mit ihren Söhnen Sebastian und Christian gegründet. Damit ist der Übergang in die 15. Generation nach Georg Bühler II eingeleitet.

Drei Höfe im Eigentum der Familie

Über die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft und diverse Nebenprojekte sind gut 800 Menschen beschäftigt, berichtet Rudolf Bühler. Die BESH hat aktuell 1456 Mitgliedsbetriebe.  Der Sonnenhof ist rund 50 Hektar groß. Zum Familienbesitz gehören auch eine Gewürzmanufaktur, zudem ein Biohof in der Vojvodina (Serbien) und der Biohof von Bühlers Ehefrau Christina an der Donau­ in Südrumänien. sel

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