Adel Wirbel um Prinz Charles und seinen Besuch auf Schloss Langenburg

Langenburg / HANS GEORG FRANK 24.05.2013
Ein privater Besuch des britischen Thronfolgers beschert dem kleinen Langenburg nationale Beachtung. Prinz Charles kommt am 27. Mai zu einer Tagung ins fürstliche Schloss seines Neffen Philipp.

Wolfgang Claas (49), seit 2002 Bürgermeister von Langenburg, steht die herausragendste Begegnung seiner Amtszeit bevor. Am Montag wird er Prinz Charles (64) im Schloss des Fürsten Philipp zu Hohenlohe-Langenburg (43) treffen. Wenn irgend möglich, bringt der Bürgermeister das Goldene Buch des Residenzstädtchens im Kreis Schwäbisch Hall mit. Zuletzt hat sich dort der als "Kommissar Bienzle" bekannt gewordene Schauspieler Dietz Werner Steck eingetragen. Auf jeden Fall aber wird Claas dem Prince of Wales einen Korb mit Langenburger Delikatessen überreichen: Birnenschaumwein, Holundersekt, Schafskäse, Ziegenwurst und das Lokalgebäck Wibele.

Prinz Charles ist der prominenteste Teilnehmer des "Langenburg Forum", das sich nach der Premiere 2011 in zweiter Auflage mit nachhaltiger regionaler Agrarproduktion befasst. Gastgeber ist der Fürst, mit im Boot ist die "International Sustainability Unit" (ISU) des ewigen Thronfolgers, mit dem der Adlige aus Hohenlohe verwandt ist. Philipps Großmutter Margarita und Charles" Vater Philip waren Geschwister.

Charles hat sich einen guten Namen gemacht als "Bio-Prinz", setzt er sich doch ein für die Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft, aber auch in der Fischerei, selbst der Schutz des Regenwalds liegt dem Schirmherrn vieler Stiftungen am Herzen. Das Land Baden-Württemberg hat den ältesten Sohn von Elizabeth II. im Juli 2010 mit dem "Eckart-Witzigmann-Preis" für seine Verdienste geehrt.

Zum Festakt in Stuttgarts Neuem Schloss hatte der ökologisch wirtschaftende Großgrundbesitzer "aus Termingründen" nicht erscheinen können. Ersatzweise bedankte er sich mit einer Videobotschaft und erwies sich dabei als profunder Kenner des südwestdeutschen Genießerlandes, besonders Hohenlohe scheint für ihn eine "Modellregion für gesunde Landwirtschaft" zu sein. Damit liegen Onkel und Neffe aus Langenburg auf einer Linie. Fürst Philipp lässt nichts unversucht, die Attraktivität seines prächtigen Schlosses mit den Vorzügen der erholsamen Gourmet-Gegend zu kombinieren. Dazu passt diese Tagung über "nachhaltige regionale Nahrungssysteme", bei der Erzeuger, Händler, Verbraucher, Politiker, Umweltschützer und Experten für Ernährungssicherheit zusammenkommen. Dabei soll es vor allem um eine Verbesserung der Vermarktung durch die Wiederbelebung lokaler Lieferketten und faire Preise gehen. Etwa 100 Persönlichkeiten aus Europa und Kanada werden im Schloss erwartet.

Darunter Landesminister Alexander Bonde und der Retter des Schwäbisch-Hällischen Landschweins, Rudolf Bühler, ebenso Kinderkostproduzent Claus Hipp, Nudelhersteller Guido Barilla, die deutsche Slowfood-Präsidentin Ursula Hudson, der für Ernährung und Landwirtschaft zuständige UN-Vizegeneraldirektor Alexander Müller. Eine wichtige Rolle spielt Joschka Fischer, der in Langenburg aufgewachsene Metzgerssohn und Ex-Außenminister, dessen Beratungsfirma das Forum mit organisiert.

Geplant sind drei Gesprächsrunden, bei der letzten wird auch "Seine Königliche Hoheit" das Wort ergreifen. Wie nah Zuschauer dem Prinzen kommen können, lässt sich nicht absehen. Von einem "Bad in der Menge" weiß Bürgermeister Claas nichts. Vielleicht aber ein Spaziergang durch den malerischen Ort hoch über der Jagst? "Ich kann nichts sagen", wehrt der Schultes ab und fügt doch noch hinzu: "Er wird sich schon mal sehen lassen."

Zwar sind Fürst Philipp und seine Frau Saskia regelmäßig bei der Verwandtschaft um "Tante Lizzy" zu Gast, auch zur Hochzeit von William und Kate waren sie eingeladen. Aber Charles Philipp Arthur George Mountbatten-Windsor war zuletzt vor einem halben Jahrhundert in Hohenlohe.

Für Langenburg sei der Besuch "etwas ganz Besonderes", sagte Claas, es lasse sich "ein riesiges Medienereignis" erahnen: "Langenburg ist positiv in aller Munde." Das sei für die Kommune "eine unglaubliche Werbung". Im Rathaus rufen nicht nur Reporter an, dort gehen auch kuriose Anfragen ein. Weil der Bürgermeister doch so gute Verbindungen zum britischen Königshaus habe, bat ein Bayer um die private Adresse von Charles und Camilla. "Er wollte sie zum Geburtstag einladen", staunte Claas.

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