Michelfeld Windpark Rote Steige seit gestern komplett

Michelfeld / Gottfried Mahling 09.11.2018
Mitarbeiter von Vestas errichten das letzte der sechs Windräder zwischen Michelfeld und Bubenorbis. Am 19. November soll die Anlage in Betrieb gehen.

Leichter Nieselregen, aber Hauptsache relativ windstill: Die Bedingungen für die Montage der Flügel waren gestern gut. Wenn es zu windig wäre, könnten die Flügel gegen den Windradturm schlagen und beschädigt werden, wenn sie vom Kran angehoben werden, erklären gestern Vestas-Mitarbeiter auf der Baustelle. Permanent verfolgen die Windrad-Monteure Wetterdaten von nahegelegenen Stationen und passen entsprechend die Bauarbeiten an. Nach der Montage der Flügel soll in der kommenden Woche der Innenausbau folgen. Läuft alles nach Plan, soll die 217 Meter hohe Anlage am 19. November in Betrieb gehen. Sie befindet sich nahe des Abzweigs von der B14 nach Witzmannsweiler, etwa 300 Meter westlich des Tierheims.

Die Komponenten waren im Laufe der vergangenen Woche mit mehreren Schwertransporten angeliefert worden. Nach Mitternacht fuhren sie von der Autobahnabfahrt Kupferzell an Wackershofen und Gottwollshausen vorbei bis zur Kreuzung zur B14, von dort nach rechts Richtung Michelfeld und schließlich die Rote Steige hinauf. Dem Fahrer des letzten Schwertransports passierte beim Abbiegen Richtung Witzmannsweiler ein kleines Missgeschick: Er streifte einen Randstein, wodurch einer der Flügel beschädigt wurde, berichtet Gebhard Gentner, Geschäftsführer der Haller Stadtwerke. Ansonsten seien die Arbeiten bislang reibungslos verlaufen. Die Stadtwerke betreiben die drei Windräder, die sich von Michelfeld aus gesehen rechts befinden, die drei Anlagen links bilden den Windpark Mainhardt und werden von der Ellwanger Firma Uhl betrieben. Gentner zufolge kostet die Stadtwerke allein der Bau des letzten Windrades 3,3 Millionen Euro.

Die Baustelle ist seit der Anlieferung der Komponenten abgesperrt und wird von einem Sicherheitsdienst bewacht. Der für die Montage nötige Kran wurde bereits mehrere Wochen zuvor auf die Rote Steige gefahren und zieht vor allem an Wochenenden viele neugierige Besucher an. Der LG 1750 der Firma Liebherr besitzt eine Tragfähigkeit von bis zu 750 Tonnen. Er hat mit einer Hakenhöhe von 194 Metern den zurzeit höchsten Gittermast an einem straßenfahrbaren Autokran.

Mit mehr als 100 Grundstückseigentümern habe die Gemeinde sprechen müssen, um den Windpark Rote Steige letztlich verwirklichen zu können, erinnert Michelfelds Bürgermeister Wolfgang Binnig bei der gestrigen Baustellenbesichtigung. Der Gemeinderat habe das Projekt mit breiter Mehrheit mitgetragen. Wohl auch deshalb seien die Windräder auf der Roten Steige in der Bevölkerung besser akzeptiert als jene an der Kohlenstraße, so Binnig.

36 Millionen Euro Gesamtkosten

In den Windparks Rote Steige und Mainhardt werden nach Schätzung der Haller Stadtwerke jährlich 54 Millionen Kilowattstunden Strom produziert. Die Stromerzeugung der sechs Windenergieanlagen entspreche damit einem durchschnittlichen Stromverbrauch von 14 000 Haushalten. Der regenerative Anteil im Versorgungsgebiet der Stadtwerke steige nach der Inbetriebnahme der Windräder auf mehr als 75 Prozent. Dem Ziel, den Strom in der Region eines Tages zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien zu erzeugen, sei man ein gutes Stück näher gekommen. Das Investitionsvolumen von Stadtwerken und Uhl Windkraft betrage insgesamt 36 Millionen Euro. 

Die sechs Windräder vom Typ Vestas V136 leisten jeweils 3,6 Megawatt, besitzen eine Nabenhöhe von 149 Metern, einen Rotordurchmesser von 136 Metern und eine Gesamthöhe von 217 Metern. Die mittlere Windgeschwindigkeit auf Nabenhöhe wird auf 6,7 Meter pro Sekunde geschätzt.

Ursprünglich sollte das letzte der sechs Windräder mehrere Monate früher aufgebaut werden. Doch wegen der Bauarbeiten auf der B14 zwischen Hall und Michelfeld sowie eines Produktionsengpasses bei Vestas verzögerte sich die Anlieferung der Teile. Offiziell eingeweiht wurden die Windparks Rote Steige und Mainhardt bereits im vergangenen Mai bei einem Besuch von Umweltminister Franz Untersteller. Nach Inbetriebnahme des letzten Windrads ist keine weitere Feierlichkeit vorgesehen.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel