Schwäbisch Hall Willy Astor: "Er kommt als tauber Bischof heim"

Schwäbisch Hall / ANDREAS DEHNE 25.11.2014
Willy Astor kalauert sich in Hall durch zahlreiche Welthits. Neben amüsanten Reimen, lustigen Wortspielen und viel Musik gibt es im ausverkauften Neubau-Saal auch tiefsinnige Töne und Erinnerungen.

"Junge Pfarrer ziehn sich gern Rockkonzerte rein. Und kehren frisch befördert dann als tauber Bischof heim". Bei der Nähe zu Tauberbischofsheim ist dies einer der Kalauer, der nicht fehlen darf in der "byzantinischen Altstadt" von Hall. Willy Astor spürt gleich zu Beginn seines fast drei Stunden dauernden Programms "Nachlachende Frohstoffe" ein "unglaublich starkes gemeinsames Happening" in der "Schwäbischen Halle" und ist sofort bereit, sein Hustenbonbon mit den Zuschauern zu teilen. "Wenn es der Letzte probiert hat, bringt er es wieder zurück", bietet der Münchner in seinem ruhigen, ernsten bayrischen Dialekt an.

Er geht vor die Bühne, um die Kleidung der Zuschauer zu begutachten. "Waren Sie schon einmal in einer größeren Stadt?" Dann beginnt er mit dem ersten seiner zahlreichen Medleys: Ein Hit wird kurz angespielt und mit eigenem Text und viel Wortspielerei versehen. So wird aus "Fever" der Fußballsong "Fifa", aus "Sexbomb" wird "Sechsplomb" beim Zahnarzt und aus "SOS" der Rat: "bei Esso ess".

Dazwischen ein Schwabensong und das Sachsenlied "Ich bin sächsistisch", beide in bestem Dialekt vorgetragen. Er stellt das erste islamische Handy vor: "Das Display hat einen Schleier, die Antenne ist beschnitten und wenn man das Netzteil einsteckt, zeigt es: Bin Laden" und eine Herrenunterhose mit der Aufschrift "Rüsselsheim". Aber es gibt auch ruhige Momente in seinem Programm, wenn er über die Zeit spricht, in der "die Telefone noch Schwänze hatten" und sie zuhause so arm waren, dass die Stubenfliegen ihnen sonntags die Kuchenkrümel vom Nachbarn mitgebracht haben.

Abwechselnd an Gitarre, E-Piano oder am fast selbst spielenden Alleinunterhalter-Keyboard weiß man bei dem Multitalent nie, was als Nächstes kommt. Er springt zwischen unsinnig und tiefsinnig zu kindisch, albern, ernst und wieder zurück. Das Publikum im Neubau-Saal singt nicht nur bei "Kaulquappensocken" und "Grilling me softly" begeistert mit - es kauft auch begeistert ein. Schon in der Pause ist der Künstler pausenlos mit dem Signieren seiner Bücher und CDs beschäftigt. Bei der letzten Zugabe überrascht er mit dem fast mystischen Instrumentalstück "Nautilus" seiner CD Reihe "The Sound of Islands". Er kann also auch noch ganz anders.