Im Bühlertal registriert die Polizei seit Anfang April eine Serie von Sachbeschädigungen durch gasbetriebene CO2-Waffen. Vom 11. bis 14. April ist so in und um Obersontheim auf Busse, geparkte Fahrzeuge, Bushaltestellen, Privatgebäude und einen Bauwagen geschossen worden. Zwölf Straftaten sind aus dieser Zeit aktenkundig, doch es werden immer mehr. „Am Donnerstag ist auf den Opel Vivaro eines 55-jährigen Handwerkers geschossen worden“, sagt auf Nachfrage dieser Zeitung Bernd Märkle, Pressesprecher des für den Landkreis Schwäbisch Hall zuständigen Polizeipräsidiums Aalen. Unmittelbar nach dem Waldstück Hasenbühl auf der L 1060 ist die Windschutzscheibe des Fahrzeugs beschädigt worden. Außerdem sei gemeldet worden, dass zwischen dem 9. und 16. April auf eine Scheibe im Erdgeschoss des Gasthofs Bären in Bühlertann geschossen wurde. „Wir haben das erst diese Woche bemerkt“, sagt Bären-Wirtin Beate Engel. Handwerker hätten sie auf den Schaden aufmerksam gemacht. „Die Kugel lag noch da. Wir haben sie der Polizei übergeben“, so die Gastronomin.

Durchaus gefährliche Waffen

Aufgrund der an den Tatorten aufgefundenen Stahlkugeln geht die Polizei mittlerweile davon aus, dass es sich bei der Tatwaffe um ein CO2-Gewehr oder eine CO2-Pistole handelt. Das sind Waffen, die zum Teil frei verkäuflich sind. „Die können auch durchaus schwere Verletzungen verursachen“, ergänzt Märkle.

Besonders perfide sind die Schüsse auf zwei Busse. Ein erster im normalen Linienverkehr ist am 11. April um 14.30 Uhr kurz vor Ummenhofen auf der K 2620 beschossen worden. Dabei ist ein Seitenfenster des mit rund zehn Fahrgästen besetzten Fahrzeugs beschädigt worden. Verletzt wurde niemand. „Die Fahrgäste haben sich aber gehörig erschrocken“, so Märkle. Das sei den ermittelnden Beamten unter anderem vom Busfahrer und Schülern berichtet worden, die im Bus saßen. Ein Ersatzfahrzeug ist danach gegen 14.50 Uhr auf der L 1060 zwischen der Molkerei und dem Kreisverkehr bei Schwäbisch Hall-Hessental beschossen worden. Wegen der Entfernung zwischen den beiden Tatorten und der knappen Zeit zwischen beiden Taten geht die Polizei mittlerweile davon aus, dass der oder die Täter mit einem Auto unterwegs waren.

Die Serie wurde am Abend des 11. April nach 22.30 Uhr fortgeführt. „Bislang bekannte Tatorte befinden sich in der Stegwiesenstraße, Roßhofstraße, Crailsheimer Straße, Gartenstraße, Gaildorfer Straße, Mettelmühle und Hagenbusch“, sagt Märkle. Unter anderem ist auf eine Scheibe im Erdgeschoss des Pfarramts in Untersontheim sowie auf das Gebäude eines gegenüberliegenden Handwerksbetriebs geschossen worden. „Ich bin von meinem Nachbarn auf den Schaden aufmerksam gemacht worden. Den hat es aber noch schlimmer getroffen“, sagt Pfarrer Philipp Haas. Zwei Transporter des Betriebs sowie die Eingangstür des Gebäudes und ein Fenster sind beschädigt worden.

Bislang liegen der Polizei aber kaum Hinweise vor. Da der oder die Täter auch tagsüber aktiv sind, setzt sie bei ihren Ermittlungen vor allem auf Beobachtungen aus der Bevölkerung. „Wir hoffen wirklich, dass es nur ein Täter ist“, so der Polizeisprecher.

Juristisch betrachtet kommen mehrere Straftatbestände in Frage: Auf jeden Fall geht es um gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr und um Sachbeschädigung. Ob es sich auch um einen Verstoß gegen das Waffengesetz handelt, ist noch unklar. „Da stehen wir noch am Anfang der Ermittlungen“, sagt Harald Lustig, Staatsanwalt bei der Zweigstelle Schwäbisch Hall der Staatsanwaltschaft Heilbronn. Es gebe CO2-Waffen, für die keine Waffenbesitzkarte benötigt werde. „Es ist dabei aber auch zu prüfen, ob der Transport und das Führen dieser Waffe in der Öffentlichkeit zulässig ist“, so Lustig. Ob der Schuss auf den besetzten Bus und den Handwerker unter den Straftatbestand der versuchten Körperverletzung oder anderes falle, könne zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gesagt werden. „Für mich klingt das aber schon fast nach einem Kapitalverbrechen“, ergänzt Polizeisprecher Märkle.

Mehr als ärgerlich

„Das ist mehr als ärgerlich“, sagt Obersontheims Bürgermeister Siegfried Trittner. „Ich hoffe, das wird bald aufgeklärt.“ Daher habe die Gemeinde auch eine Belohnung in Höhe von 2000 Euro für Hinweise, die zur Ermittlung des oder der Täter führen, ausgesetzt. Im Rathaus hätten sich aber noch keine Zeugen gemeldet. „Erster Ansprechpartner ist auch die Polizei“, so Trittner. Auch Gemeindeeigentum ist beschädigt worden. Unter anderem die Scheiben von zwei Bushaltestellen – eine an der Sportanlage Hagenbusch und eine an der Gaildorfer Straße beim Gewerbegebiet. „Wir haben schon neue Scheiben bestellt, aber so schnell geht der Austausch nicht“, bedauert Trittner. Die Scheibensplitter sind längst vom Bauhof beseitigt worden.

Insgesamt sind durch die Schüsse bislang rund 21 000 Euro Sachschaden entstanden.

2000 Euro für Hinweise, die zum Täter führen


Die Gemeinde Obersontheim hat für Hinweise, die zur Ermittlung der Täter führen, eine Belohnung in Höhe von 2000 Euro ausgesetzt. Diese Belohnung ist ausschließlich für Privatpersonen und nicht für Amtsträger bestimmt, zu deren Berufspflicht die Verfolgung strafbarer Handlungen gehört und wird unter Ausschluss des Rechtsweges vergeben.

Zeugenhinweise nehmen der Polizeiposten Bühlertann unter Telefon 0 79 73 / 51 37 oder das Polizeirevier Schwäbisch Hall unter Telefon 0 7 91 / 40 00 entgegen.