Sinfonische Blasmusik Wilderer, Pfirsichbäume und ein Kröterich

Schwäbisch Hall / Ralf Snurawa 25.09.2018
Das Kreisverbandsorchester Hohenlohe überzeugt in der Stiftskirche der Haller Großcomburg mit einem anspruchsvollen Programm. Die Leitung hat Florian Schellhaas.

Espritvoll und frisch in der Tongebung, so eröffneten die Musiker des Kreisverbandsorchesters das Konzert mit Fritz Neuböcks „Another Opening“. Gesangliches wurde da über treibender Rhythmik wunderbar ausgebreitet. Brillanz bestimmte das immer schön im Fluss gehaltene Spiel.

Als Kontrast dazu wirkten die eher zurückgenommen erscheinenden Stücke von Percy Graingers „Linconshire Posy“. Warme Holzbläsertöne bestimmten „Harkstow Grange“. Sie erinnerten an Choralgesang, der später ins Hymnische gewendet wurde. „Rufford Park Poachers“ erschien als nur vermeintliches Idyll, geht es in diesem Stück doch um Wilderer. Dirigent Florian Schellhaas, im Hauptberuf Leiter der städtischen Musikschule Schwäbisch Hall, stellte klangliche Besonderheiten wie die Gegenüberstellung der hohen Töne der Piccoloflöte gegen die tiefen der Klarinette besonders heraus – wie später auch die voluminöseren Klangschärfen.

Ein heiterer Seemann

Fröhlich wirkte „The Brisk Young Sailor“, der „zurückkehrt, um seine wahre Liebe zu heiraten“. Die Musiker ließen die betonten Momente federn und rasant schnelle Figurationen wie Ausbrüche überbordender Freude erscheinen. Scherzohaft und ein wenig absonderlich begann das Kriegslied „Lord Melbourne“.

Schwer betonte Blechbläser- waren gegen Holzbläserpassagen gesetzt, wobei das Stück zunehmend kraftvoller klang. Das finale Tanzlied „The Lost Lady Found“ entfaltete mit seiner durch die Stimmen wandernden Melodie eine lustvolle Sogwirkung. Mehr sinfonische Dichtung war danach Johan de Meijs „The Wind In The Willows“, vom Blumenstrauß Graingers also zum Wind in den Weiden. Es blieb idyllisch, wenngleich nun mit literarischem Bezug: Kenneth Grahames gleichnamiger Kindergeschichte.

Schauplatz der Handlung um den Maulwurf, die Ratte, den Kröterich und den Dachs ist ein Fluss. Ihn breiteten die Musiker schön wogend aus. „Ratty and Mole“ brachte leicht geschärfte Scherzotöne, effektreich vorgetragen: vom „Pferdewiehern“ in den Trompeten bis zu rumpelnden Klangmomenten, gefolgt vom weich intonierten, gemächlichen Kontrastteil. Wahwah-Effekte in den Posaunen wurden zur Charakterisierung des Kröterichs in „Mister Toad“ benutzt.

Armenische Volkslieder

Das Stück begann als langsamer Walzer, der sich mehr und mehr in einen Klangfarbenreigen steigerte. Nach der humorvollen, bisweilen leicht bedrohlich wirkenden musikalischen Krötenzeichnung vermittelte „The Return of Ulysses“ Aufbruch, der in majestätische Schlussklänge mündete. Armenische Folklore bildete den Schlusspunkt des Konzerts mit dem Kreisverbandsorchester Hohenlohe. Alfred Reed hat einige der von Komitas Vardapet gesammelten Volksweisen für Blasorchester gesetzt. Das begann mit den geschwungenen Melodien über den Aprikosenbaum und setzte sich mit dem etwas zögerlichen „Lied des Rebhuhns“ mit immer weiterer Beschleunigung bis zum finalen „Gna, Gna“ (Los, los) fort.

Die Musiker spielten mit Hingabe und wunderbar ausgelassen und ernteten dafür begeisterten Beifall der etwa 100 Zuhörer in der Stiftskirche. Dafür bedankten sie sich mit Derek Bourgeois’ leicht hinkender Serenade, einem „Ausmarsch zur Hochzeit“, wie Florian Schellhaas erläuterte.

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