Bauarbeiten Braunsbach: Wiederaufbau als Event

Ein Maulkorb für den Schlossbach: Bürgermeister Frank Harsch (2. von links)  zeigt einer Abordnung der Grünen eine der vier Geröllfanganlagen, die Braunsbach künftig vor der zerstörerischen Gewalt seiner normalerweise friedlichen Bachläufe schützen soll.
Ein Maulkorb für den Schlossbach: Bürgermeister Frank Harsch (2. von links) zeigt einer Abordnung der Grünen eine der vier Geröllfanganlagen, die Braunsbach künftig vor der zerstörerischen Gewalt seiner normalerweise friedlichen Bachläufe schützen soll. © Foto: Beatrice Schnelle
Braunsbach / Beatrice Schnelle 10.05.2017
Ein Jahr nach der Unwetterkatastrophe sind die Planungen für das „neue“ Braunsbach beendet und die Umsetzung läuft auf Hochtouren: Ein Ortsrundgang mit dem Bürgermeister.

Bei Starkregen schaut man schon etwas bedenklicher aus dem Fenster als früher“, räumt Frank Harsch ein. Bei einem Stadtrundgang zeigt der Bürgermeister einer regionalen Abordnung von Bündnis 90/Die Grünen, was sich in Braunsbach seit der Unwetterkatastrophe getan hat, die vor einem Jahr in der Gemeinde eine Zäsur setzte, die dort wohl keiner je vergessen wird. Bis September habe die Katastrophenabwehr gedauert, also das Wegräumen des Schutts und die Schaffung der Infrastruktur für die Sanierungsarbeiten. Jetzt erst seien die Planungen für das „neue“ Braunsbach abgeschlossen, und die Phase der Umsetzung habe begonnen.

Der Weg führt über den Marktplatz, vorbei am sanierten Bankgebäude und dem erst seit ein paar Tagen wiedereröffneten Gasthof Löwen. Die Dorfbäckerei Schwarz hat der Flut ein nagelneues Ladengeschäft und ein erweitertes Café zu verdanken. Was hat’s gekostet? „Viel Geld, aber wir waren gut versichert“, sagt Inhaberin Katja Schwarz.

Leitungen für Heizkraftwerk

Die Orlacher Straße ist noch nicht befahrbar. Hier werden gerade die Leitungen für das kleine Pellet-Heizkraftwerk verlegt, das sich die Gemeinde bei dieser Gelegenheit angeschafft hat, um mehrere öffentliche Gebäude mit Nahwärme zu versorgen. Die Rechnung gehe auf: „Im Kindergarten, in der Schule und der Burgenlandhalle wären ohnehin neue Heizungen fällig gewesen.“

An der Kreuzung Geislinger Straße/Döttingerstraße öffnet sich Richtung Südwesten ein „Durchblick“, den es vorher nicht gab: Drei Wohnhäuser fehlen, zwei davon waren denkmalgeschützt. Pikantes Detail: Mit einem dieser Gebäude, das seit etwa 30 Jahren leer stand, hat die Flut auch einen jahrzehntelangen Erbstreit weggespült. Zwei Neubauten sollen die Lücke in absehbarer Zeit wieder schließen.

„Wir wollen so viel wie möglich erhalten und die neuen Gebäude müssen zum Ort passen“, betont der Bürgermeister. „Wir haben einen Gestaltungsausschuss, da geht jedes Haus durch.“ Bisher zögen alle Eigentümer mit. Wenn es an Geld fehle, finde man gemeinsam eine verträgliche Lösung. Etliche denkmalgeschützte Privathäuser hat die Gemeinde gekauft. Eines davon zum Beispiel für einen Euro: „Da suchen wir jetzt einen Käufer, dem wir es für diesen Euro überlassen, der aber dann eine halbe Million reinstecken muss.“

Wenn sich keiner finde, müsse das alte Häusle eben doch weg. In diesem Fall werde jedoch das zentimeterdicht dahinter gelegene Wohngebäude erheblich aufgewertet, da ein Neubau an dieser Stelle nicht genehmigungsfähig sei: „Es gibt also zwei Möglichkeiten und beide sind gut“, zeigt Harsch erfrischenden Optimismus.

Diese positive Haltung spiegelt sich ebenso in den Plakaten wider, die an vielen Türen hängen: „Faszination Baustelle“ und „Wir haben offen“, liest man da über den Logos aller Unternehmen, die trotz des Ausnahmezustands weitermachen. Statt darüber zu klagen, haben die Braunsbacher ihre Baustellen samt den allgegenwärtigen, lärmenden Baumaschinen einfach zum Event erklärt. Auf 80 bis 100 Millionen Euro schätzt Harsch den Aufwand für die Beseitigung aller Schäden, die den Bürgern und der Gemeinde entstanden sind. Die Rechnung enthalte allerdings umfangreiche Maßnahmen zur Hochwasserabwehr, die zum Teil schon fertiggestellt sind: Der Schlossbach, von dem bei der Unwetterkatastrophe eine besonders zerstörerische Gewalt ausging, wurde vor dem Beginn der Wohnbebauung in drei hohe Steinmauern eingefasst.  Die finanzielle Unterstützung vom Land fließe bislang zufriedenstellend, lobt Harsch.

Themen in diesem Artikel