Theater Wie Wagner – nur mit Humor

Szene aus dem „Fliegenden Holländer“, der am Samstag in Ilshofen Premiere feierte.
Szene aus dem „Fliegenden Holländer“, der am Samstag in Ilshofen Premiere feierte. © Foto: Württembergische Landesbühne Esslingen
Ilshofen / Claudia Kern-Kalinke 07.02.2017
„Der Fliegende Holländer“ der Württembergischen Landesbühne kommt beim Ilshofener Publikum gut an.

„Das war Wagner im Schnelldurchgang“, fand eine Zuschauerin am Samstagabend beim Verlassen der Stadthalle, wohl froh, dass doch keine Oper in epischer Breite geboten war. Dem „Fliegenden Holländer“ gelang in der Auslegung von Andreas Marber eine sehenswerte Punktlandung in Ilshofen.

Für die Uraufführung der Württembergischen Landesbühne Esslingen hat der Autor Elemente der Wagner-Oper und der „Geschichte vom Gespensterschiff“ von Wilhelm Hauff aus dem Jahr 1826 verknüpft. Wildes Abenteuer, dramatische Musik, Emotionen und Komik machen den Stoff unter der Regie und mit dem Bühnenbild von Marcel Keller zu einem kurzweiligen Theatererlebnis.

Manche vermuteten schon eine Persiflage auf Richard Wagner hinter dem frechen Zusammenschnitt von Opernklängen und trockenem Humor. Doch Kathryn Magestro singt und spielt die Rolle der Senta einfühlsam und mit professioneller Ernsthaftigkeit. Sie kann gesanglich und schauspielerisch gleichermaßen überzeugen. Und wenn dazu die beiden Akkordeonspieler Ulrich Schlumberger und Viktor Janzer gleich ein ganzes Orchester ersetzen, klingt das ganz und gar nicht nach Schifferklavier.

Eindrucksvoll vermittelt das alte Segelschiff die Illusion einer gefährlichen Fahrt auf stürmischer See. Die knarrenden Planken trotzen den hohen Wellen, um dann aber in Windeseile unter den geschickten Handgriffen der Bühnentechniker einer Spinnstube mit Delfter Kacheln und Kuckucksuhr zu weichen. „Das Schiff ist in Ordnung, ich bin das Wrack“, knurrt der Holländer. Schauspieler Ralph Hönicke stellt den verwegenen Seefahrer dar, der mit einem Fluch belegt für immer die Weltmeere besegeln muss, wenn ihn nicht die Treue einer Frau erlöst. Kein hinterlistiger Mephisto, sondern ein keckes Teufelchen begleitet sein Tun. Martin Frolowitz wuselt mit zwei lustigen Hörnchen auf der Stirn durch die Szenen. Auch Florian Stamm in der Rolle von Sentas glücklosem Verlobten Erik ist eher dem komischen Fach zuzuordnen. Stephanie Biesolt und Sofie Miller, die erst als Schiffbrüchige und später als übermütige Teenager auf das Geisterschiff gelangen, stören sich jedes Mal an der unzulänglichen Besatzung: „Alle kalt, alle tot.“

Dalant (Reinhard Froboess) bietet in einem wortkargen Gespräch unter Seefahrern dem Holländer seine Tochter Senta zur Heirat an: „Sie ist nicht vollkommen unhübsch.“ Er freut sich, als Gegenleistung Goldschmuck und Juwelen aus dem Besitz des seltsamen Fremden zu erhalten. Mit der Hochzeit bekommt die turbulente Aufführung ein Happy End und reichlich Applaus vom Publikum.