Schwäbisch Hall Wie tief ist unten? HFM zeigt Ausstellung zum Thema Armut mit Kunst von Joseph Beuys

ANDREAS DEHNE 05.05.2015
Die Wanderausstellung "Kunst trotz(t) Armut" war seit 2007 in mehr als 35 Städten zu sehen. Zahlreiche Künstler setzen sich mit Armut und Ausgrenzung auseinander. Teile der Schau sind jetzt in Hall zu sehen.

Die Ausstellung wurde im Jahr 2007 von der Evangelischen Obdachlosenhilfe initiiert. Sie umfasst mehr als 140 Exponate von mehr als 35 Künstlern, die sich mit den Themen Armut, Obdachlosigkeit und soziale Ausgrenzung auseinandersetzen. Darunter Joseph Beuys, in Hall mit zwei Exponaten und drei Plakaten vertreten, und Klaus Staeck. In Hall ist mit mehr als 100 Exponaten ein Großteil der Schau zu sehen.

Zur Vernissage philosophiert der eigentlich für das musikalische Rahmenprogramm engagierte "Zupfgeigenhansel" Erich Schmeckenbecher vor etwa 90 Besuchern im Hällisch-Fränkischen Museum (HFM). "Wie hoch ist oben und unten wie tief?", lautet der Refrain seines ersten Liedes, bevor er mit dem Titel "Ein stolzes Schiff" an die Zeiten erinnert, in denen die Deutschen in Massen nach Amerika geflohen sind. "Jetzt kommen die Schiffe zurück - über das Mittelmeer."

Halls Oberbürgermeister Hermann-Joseph Pelgrim geht bei seiner Eröffnungsrede in eine vergleichbare Richtung. "Armut gibt es auch bei uns, und die Auseinandersetzung mit diesem Thema ist gar nicht einfach." Ob es die Bettler im Stadtbild seien, die das Thema in einem öffentlichen Rahmen repräsentieren oder die zahlreichen Klagen bei seinen Bürgersprechstunden über zu wenig bezahlbaren Wohnraum. Er freue sich über das hohe Maß an Verständnis für die geplante Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge hier vor Ort.

Wolfgang Sartorius von der Erlacher Höhe findet es außergewöhnlich, wenn Menschen, die in Wohnungsnot sind, sich trotzdem mit Kunst beschäftigen. Denn auch das zeigt die Ausstellung. Es sind auch einige Arbeiten von Betroffenen zu sehen. "Beschränkt sich das Dasein aufs da sein" ist auf einem dieser Werke zu lesen.

Zur Eröffnung führt Kurator Andreas Pitz, der die Schau einst zusammengestellt hat, durch die Ausstellung. Diese wurde von einer Gruppe von Initiativen nach Hall geholt. Wohlfahrtsverbände, die Stadt Hall und das HFM gehören dazu. Einer der ausstellenden Künstler ist am Eröffnungsabend anwesend: Harald Birck aus Berlin, der seine markanten, aufgerissenen und rauen, in Ton gearbeiteten Büsten von Obdachlosen dominant auf den Sockel stellt, um sie dem Betrachter "Auge in Auge" gegenüberzustellen.

Die Exponate der facettenreichen Annäherung an das bedrückende Thema Armut sprechen für sich. "Neue Wege zu beschreiten", war das Ziel der Evangelischen Obdachlosenhilfe, als sie die Aktion ins Leben gerufen hat. Sie hat mehr geschafft als das, aber noch lange nicht genug. Denn die Armut hat viele Facetten. Auch hier.