Wolpertshausen Staatssekretärin Gurr-Hirsch besucht BESH

Christoph Zimmer, Leiter der Stabsstelle Forschung, Entwicklung und Bildung der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft  (rechts), stellt das Programm der Akademie Schloss Kirchberg vor. Mit dabei sind (von links) Arnulf von Eyb, Cristina und Rudolf Bühler, Friedlinde Gurr-Hirsch und Nadine Bühler.
Christoph Zimmer, Leiter der Stabsstelle Forschung, Entwicklung und Bildung der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft (rechts), stellt das Programm der Akademie Schloss Kirchberg vor. Mit dabei sind (von links) Arnulf von Eyb, Cristina und Rudolf Bühler, Friedlinde Gurr-Hirsch und Nadine Bühler. © Foto: Christoph Zimmer, Leiter der Stabsstelle Forschung, Entwicklung und Bildung der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft (rechts), stellt das Programm der Akademie Schloss Kirchberg vor. Mit dabei sind (von links) Arnulf von Eyb, Cristina und Rudolf Bühler, Friedlinde Gurr-Hirsch und Nadine Bühler. Foto: BESH
Wolpertshausen / Jochen Korte 29.08.2018
Hohenloher Landwirte tauschen ihre Meinungen mit Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch aus. Die zeigt in vielen Punkten Verständnis, aber nicht bei der geforderten Bauernrente.

Viereinhalb Stunden hat sich Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch für die Landwirte in Hohenlohe Zeit genommen. „Ich bin sehr beeindruckt von der Akademie Schloss Kirchberg und den Möglichkeiten, wie sie für den Berufsstand genutzt werden“, sagte die Politikerin. Den Hohenloher Bauern attestierte sie in der Mohrenköpfle-Gastronomie im Regionalmarkt Wolpertshausen ein besonders standesbewusstes Auftreten. Das Arbeitsessen hat sich diesen Namen verdient. Da wurden nicht nur Komplimente ausgetauscht. Es ging um Themen, die den Bauern auf den Nägeln brennen. Nicht immer war man einer Meinung.

Nun ist das Thema Ferkelkastration nicht unbedingt etwas für den Mittagstisch. Dennoch kam es aufs Tapet. Hintergrund ist, dass die betäubungslose Ferkelkastration ab dem 1. Januar 2019 verboten ist. „Wir kastrieren Pferde, Rinder, Lämmer, Katzen und Hunde. Warum sollen wir aufhören, Ferkel zu kastrieren“, meinte Rudolf Bühler, Vorstandsvorsitzender der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (BESH). Die Ebermast lehne die BESH ab. Die Kunden würden kein Eberfleisch kaufen. Die chemische Kastration mit Hormonen komme ebenfalls nicht in Betracht. Bühlers Vorschlag: Ein verpflichtender Sachkundenachweis für diejenigen, die den Eingriff nur in den ersten sechs Tagen im Leben des Ferkels bei örtlicher Betäubung vornehmen würden. „Diese Kombination ist richtig. Das praktizieren wir schon seit Jahren“, meinte Bühler. Zumindest brauche man eine dreijährige Verlängerung der bestehenden Praxis.

„Kampferprobte“ Politikerin

Gurr-Hirsch zeigte sich „kampferprobt“, ist sie doch auf einem Schweinemastbetrieb aufgewachsen. Sie teile Bühlers Position. Am 3. September werde im Bundesratsausschuss ein Antrag für einen „vierten Weg“, wie ihn Österreich und Dänemark befürworten, eingebracht. Inhalt: eine „Kastration unter schmerzarmen Bedingungen“. Ob Baden-Württemberg dem Antrag beitrete, müsse der Minister entscheiden. „Auch eine Kastration unter Vollnarkose birgt Risiken. Schlafende Ferkel könnten totgetrampelt werden“, so die Staatssekretärin.

Ein Landwirtspaar aus Jungholzhausen schilderte seine Schwierigkeiten, eine Genehmigung für einen neuen Stall für mehr als 1000 Tiere zur Schweinemast zu erhalten. Das sei keine Massentierhaltung, wie von Gegnern behauptet werde. Dabei sollten die Schweine Auslauf haben und mit zwei Quadratmetern mehr Platz als im konventionellen Bereich vorgeschrieben erhalten. Für Ställe mit Stroheinstreu und Auslauf seien Genehmigungen schwerer als für konventionelle Ställe zu erhalten, meinten Rudolf Bühler und Agraringenieur Fritz Wolf vom landwirtschaftlichen Beratungsdienst übereinstimmend. Dabei entstünden Auslaufställe für mehr Tierwohl und gesundes Fleisch. Ein Bio-Landwirt aus Boxberg berichtete von Aktenbergen, unendlichen Genehmigungsverfahren und ständig neuen Gutachten.

Froh über tiergerechte Ställe

„Ich bin froh über jeden, der einen tiergerechten Stall baut. Dafür gibt es eine Agrarinvestitionsförderung bis zu 40 Prozent bis maximal 1,5 Millionen Euro“, so Gurr-Hirsch. In ihrem Haus sei so ein Fall wie geschildert nicht aufgelaufen. Konkrete Aussagen könne sie nicht machen. Sie werde den beschriebenen Fällen aber nachgehen. Im Übrigen seien die Vorschriften der technischen Anleitung Luft nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz einzuhalten. Auch deshalb sei es schwieriger, Standorte für Ställe zu finden. Die Verfahren könnten schon sehr zermürbend sein. Rudolf Bühler versprach, im Fall Jungholzhausen die Gegner zu einem Infoabend einzuladen und über das Projekt zu informieren.

Auch die Altersversorgung der Landwirte, zu der die BESH eine Petition beim Bund laufen hat,  wurde angesprochen. 466 Euro nach 42 Beitragsjahren reichten nicht aus, so Bühler. Das sei ein Skandal. Er forderte, die Bauernrente aus Steuermitteln aufzustocken. Gurr-Hirsch zeigte Verständnis für die Petition. Gleichzeitig seien die Bauern aber auch Unternehmer. Im Landtag habe sich gezeigt, dass alle Fraktionen an der jetzigen Lösung mit niedrigen Beiträgen und der Versorgungsleistung festhalten wollten. „Wir werden weiterkämpfen“, konterte Bühler.

Biomusterregion: Zweiter Anlauf

Eine ausdrückliche Ermutigung für einen zweiten Anlauf zur Anerkennung Hohenlohes als Biomusterregion gab es von Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch bei ihrem gestrigen Besuch. „Wenn nicht hier, wo dann?“, meinte sie zu der Ankündigung von Rudolf Bühler, einen zweiten Antrag stellen zu wollen. Allerdings sei die Entscheidung, Hohenlohe nicht anzuerkennen, keine willkürliche gewesen. Heidenheim habe mit dem vorgelegten Gewässerschutzkonzept überzeugt. „Regional ist die beste Variante, ob bio oder konventionell“, so Gurr-Hirsch. Die Wertschöpfung bleibe dann in der Region. kor

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