Schicksal Wie sich Familie Fink durchs Leben kämpft - und das Lachen nicht verlier

Raphael, Leonie, Janine und Dirk Fink sind eine fröhliche Familie. Nur die Krankheit von Leonie und die finanziellen Sorgen machen ihnen zu schaffen.
Raphael, Leonie, Janine und Dirk Fink sind eine fröhliche Familie. Nur die Krankheit von Leonie und die finanziellen Sorgen machen ihnen zu schaffen. © Foto: Ufuk Arslan
Michelbach / SONJA ALEXA SCHMITZ 16.04.2015
Leonie ist sieben Jahre alt und körperlich behindert. Sie kann nicht ohne Hilfsmittel gehen, nicht lange sitzen, im Rollstuhl sackt der Oberkörper zur Seite. Trotz der Sorgen verliert Familie Fink nicht die Hoffnung.

Es ist Montagnachmittag. Leonie war bei der Krankengymnastik. Jetzt sitzt sie über ihren Deutsch-Hausaufgaben. Sie muss aus vorgegebenen Anfangsbuchstaben Wörter machen. U wie ungeduldig, schreibt sie. Sie schreibt langsam mit großen, krakeligen Buchstaben. Sie geht in die zweite Klasse der Rollhof-Grundschule. Weil dort die Räume ebenerdig sind. Sie musste vor der Einschulung einen Test machen, ob sie auch schultauglich sei. "Total einfach", sei der gewesen, findet sie. Ihre Augen leuchten keck. "Mir ist ganz heiß vom vielen Nachdenken", sagt sie und zupft übertrieben an ihrem T-Shirt. Sie ist so ein Kind, bei dem jeder Satz überrascht.

Der Geist des Mädchens ist topfit, der Körper nicht

"Sie hat schon mit zehn Monaten gesprochen", erzählt Papa Dirk Fink (35), "und mit anderthalb hat sie schon gute Argumente gehabt, keinen Mittagsschlaf machen zu müssen."

Der Geist des schwarzgelockten Mädchens ist topfit. Der Körper nicht. Eine Gehirnlähmung hat Nervenbahnen im Hirn nicht zusammenwachsen lassen. Warum? Das versuchen die Eltern sich nicht mehr zu fragen. Ob es an der Problemschwangerschaft lag, in der Blutungen ab dem dritten Monat einsetzten, der Geburt, die zehn Wochen zu früh stattfand, oder den Tagen darauf im Brutkasten, wo sie möglicherweise nicht korrekt beatmet wurde?

"Sie haben ein gesundes Kind", hieß es nach der Geburt. Erst Tage später bemerkte man, dass es nicht so ist. Zwei Hüftoperationen hat die Kleine hinter sich. Und es wird besser. Mutter und Oma recherchieren permanent nach neuen Behandlungsmethoden. "Und das, obwohl ich früher immer die war, die gegen Computer und Internet war", gibt Janine Fink (30) zu.

Sie haben eine Klinik in der Ukraine besucht, gehen zur Hippotherapie und probieren seit neuestem Biofeedback. Der Vater zeigt davon ein Video. Leonie verkabelt an Kopf und Beinen. Sie soll gehen. Das Bein heben alleine erfordert all ihre Konzentration. Ihr Mund steht offen, der Blick fixiert einen Monitor. Darauf zwei Linien. Wenn die eine bestimmte Marke überschreiten, dann kommt ein Geräusch. Dann hat sie es gut gemacht.

Die junge Familie aus Gschlachtenbretzingen musste um vieles kämpfen. Hilfsmittel, die die Krankenkasse nicht bezahlen wollte, den Behinderten-Parkausweis, auf dem das Amt lediglich 30 Prozent zugestand. Das Geld ist ein Problem und es musste ein neues Auto her. Eines, in das Eltern und drei Kinder plus Rollstuhl hineinpassten. Für 25.000 Euro haben sie einen Opel Vivaro angeschafft. Monatlich müssen sie 500 Euro zurückzahlen. Dirk Fink arbeitet als Verkäufer bei einem Elektronik-Fachgeschäft. Seine Frau ist auch Verkäuferin, kann aber wegen der Kinder und der Pflege von Leonie nicht arbeiten.

Meistens lacht Leonie. Nur bei einem Thema nicht

Leonie schnappt sich ihr Handy. Seit kurzem besitzt sie es erst. Sie schreibt an die Oma. Und an ihre Freundinnen. Hinter jeder Nachricht steht ein Smiley. Meistens lacht er. So wie Leonie. Sie merkt nicht, wie ihr immer wieder die Füße von den Fußstützen rutschen und der Oberkörper zur Seite kippt. Erinnert man sie an ihre Krankheit, hört sie auf zu lächeln. Leise sagt sie: "Das macht keinen Spaß."

Aber Spaß macht ihr Handballspielen. Beim TSG in Hall war es möglich, dass sie in einer Mannschaft mit nicht Behinderten mitmachen kann. Gerne singt sie und möchte einmal bei "The Voice Kids" auftreten. In der Schule hat sie gute Noten. Sie will lauter Einsen, damit sie aufs Gymnasium gehen kann. Denn sie möchte einmal Kinderärztin werden.

Spendenkonto

Hilfe Wegen ihrer finanziellen Sorgen hat sich Familie Fink aus Michelbach an das Kinderhilfswerk ICH (Inter-National Children Help) gewendet. Ein Spendenkonto wurde eingerichtet:

Sparkasse Schaumburg,

IBAN: DE39 2555 1480 0470 051988, SWIFT-BIC: NOLADE21SHG

SWP