Schwäbisch Hall Wie schön sind diese Schweine?

Umstritten: Der geplante Schriftzug auf einem Putzfeld im Fachwerk des Clausnizerhauses. Fotomontage: pv
Umstritten: Der geplante Schriftzug auf einem Putzfeld im Fachwerk des Clausnizerhauses. Fotomontage: pv
Schwäbisch Hall / HOLGER STRÖBEL 01.02.2013
Dürfen zwei Schweine vom Clausnizerhaus aus auf den Marktplatz schauen? Rudolf Bühler findets gut. Im Stadtrat wird heftig gestritten.

Als Rudolf Bühler das Clausnizerhaus endlich kaufen durfte, war er den Tränen nahe. Das stattliche Fachwerkhaus am Marktplatz will der Chef der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft zum "Haus der Bauern" machen. Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim und große Teile des Gemeinderats hielten das zunächst für keine gute Idee und wollten das Vorhaben über ein städtisches Vorkaufsrecht stoppen. Am Ende fand man einen Kompromiss, kurz vor Weihnachten strahlten Bühler und Pelgrim gemeinsam in die Kameras.

Gut einen Monat später scheint der Friede zwischen bäuerlichen und städtischen Interessenvertretern aber schon wieder Geschichte zu sein. Am Montag präsentierte die Verwaltung im Bau- und Planungsausschuss, wie Rudolf Bühler auf das "Haus der Bauern" hinzuweisen gedenkt. Die Begeisterung im Ratssaal hielt sich in engen Grenzen. "Wenn ich das anguck, bekomme ich körperliche Schmerzen", klagt Hartmut Baumann beim Blick auf die zwei schwäbisch-hällischen Rüsseltiere, über die in Frakturschrift "Haus der Bauern" geschrieben steht. "Egal welches Gesetz da gilt", kündigt der FWV-Fraktionschef an, "auf keinen Fall stimme ich zu". Auch Hans Georg Reber lehnt die Gestaltung ab ("Wir wollten das von Anfang an so nicht"). Womöglich geht es aber auch gar nicht nur um Geschmacksfragen: "Das machen Kerle, die haben noch nie selbst einen Stall ausgeputzt", echauffiert sich der CDU-Stadtrat, der selbst Bauer mit Leib und Seele ist. Ruth Striebel (FDP) stört die Platzierung ("das ist so plakativ und zentral"), Nikolaos Sakellariou (SPD) findet den Bühler-Vorschlag ebenfalls nicht schön ("das hat irgendjemand lieblos am PC hingeklatscht"), kann aber prinzipiell "nichts Anstößiges" an der Idee finden. Keine Probleme hat Martin Lindner (CDU): "Der Berufsstand der Bauern braucht sich nicht verstecken, auch auf dem Marktplatz nicht." Und auch Thomas Pfisterer (SPD) denkt liberal: "Das mag dem einen oder anderen nicht gefallen, aber dafür sind wir nicht zuständig."

Eine interessante Frage, denn im Kaufvertrag steht ein Passus, wonach jede Außenwerbung und Beschriftung mit der Stadt Hall abzustimmen sei. Nach Rechtsaufsicht der Verwaltung entspricht der umstrittene Schriftzug allerdings allen Normen und Vorschriften. Auf Anregung von Hartmut Baumann soll jetzt das Landesdenkmalamt eine Stellungnahme abgeben.

Was Rudolf Bühler von der Diskussion hält, war gestern nicht zu erfahren - der Chef der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft befindet sich auf Geschäftsreise in Indien.