Literatur Wie man aus fünf Dingen eine Kneipe macht

Laura Ettle 16.09.2017

Es soll sein großer Coup werden, sein Meisterstück, ihm endlich den kommerziellen Erfolg bringen, den ihm all die
fluoreszierenden Meerschweinchen, Äffchen und Mäuse bislang versagt haben: ein Miniatur-Elefant, der, anders als die vorangegangenen Kreaturen, nicht nur im Dunkeln leuchtet, sondern auch tagsüber in sattem Rosa erstrahlt. Vermarkten möchte Roux sein neuestes Produkt, den gentechnisch modifizierten Elefanten, als Spielzeug für Kinder von reichen Leuten.

„Die Idee kam mir schon vor über zehn Jahren“, sagt Martin Suter. Der Schweizer Bestseller-Autor las im Carmen-Würth-Forum in Gaisbach aus seinem jüngsten Roman „Elefant“, erschienen im Januar im Diogenes Verlag.

Idee stammt von Kongress

Düstere Hauptfigur ist neben dem niedlichen Namensgeber des Buches der skrupellose Wissenschaftler Paul Roux. Und ein Wissenschaftler war es auch, der Suter zu der Geschichte inspiriert hat. „Auf einem Tübinger Kongress hat mir einer gesagt, dass es schon heute technisch kein Problem sei, einen rosa Elefanten zu machen. Diese Idee hat mich nie losgelassen“, so der Schweizer.

Die Geschichte beginnt damit, dass ein betrunkener Obdachloser nachts in einer Höhle, die er sich als Schlafplatz ausgesucht hat, den leuchtenden rosa Elefanten sieht – und an sich selbst zweifelt. Es beginnt ein Kampf um die Deutungshoheit über das kleine Wesen als Tier, Gottheit oder Produkt. Die märchenhafte Gut-Böse-Dialektik – hier der gierige Wissenschaftler, da die Koalition aus Obdachlosen, Philanthropen und Tierliebhabern – wird durch Suters realistisch-humorvollen Erzählstil aufgebrochen.

500 Zuhörer

Ein Geheimnis seines schriftstellerischen Erfolgs sind die Bilder, die Suter stets zu evozieren, nie zu malen sucht: „Wenn ich über eine Kneipe schreibe, weiß ich, welche fünf Dinge ich nennen muss, und was ich weglassen kann“, erklärt Suter den mehr als 500 Zuhörern. Und er führt aus: „Ich versuche eher, vorhandene Bilder bei den Lesern abzurufen als zu beschreiben. Vielleicht auch, weil ich das nicht so gut kann“, fügt er hinzu – und hat die Lacher auf seiner Seite.

Martin Suters Roman überzeugt durch humorvollen, lebensnahen Stil, mit dem er die etwas absurde Geschichte konterkariert.