Am Samstag um kurz nach 9 Uhr klatscht Julia Junker in die von Arbeitshandschuhen bedeckten Hände und sagt: "Ich bin hochmotiviert." Sekunden später steht sie mit einer Schaufel auf Platz sechs und schabt moosbewachsenes Ziegelmehl, also roten Sand, von der Oberfläche. Außer Junker schuften an diesem frühen Samstagvormittag zehn andere Mitglieder auf der Anlage des Ski- und Tennisclubs (STC) Schwäbisch Hall in der Schenkenseestraße.

Die Plätze für die neue Saison herzurichten sei mehr Verpflichtung als Vergnügen, aber diese Arbeit "gehört auch zum Vereinsleben dazu", sagt STC-Mitglied Günther Schäfer (67). "Das geht ins Kreuz", sagt Heiner Hadaschik (66), während er mit Schaufel und per Hand Moos vom Platz kratzt.

Vier bis fünf Stunden sind die STC-Mitglieder bei diesen ersten Arbeitsstunden der Saison am Werk. "Wir machen heute die grobe Vorarbeit", sagt Frank Hertenberger. Er ist für die komplette STC-Anlage verantwortlich, also für Plätze und Wasserversorgung im Freien, für Halle und Teppichpflege unter dem Dach. Hertenberger macht das ehrenamtlich, zwei 400-Euro-Kräfte unterstützen ihn dabei.

Nach der Vorarbeit durch die Mitglieder rücken in dieser Woche Mitarbeiter einer Firma an. Die Profis machen die Hauptarbeit: Sie wälzen die Plätze vor, um sie vorzuverdichten und die Linien wieder nach unten zu drücken. Die Firmenmitarbeiter tragen die oberste Schicht Ziegelmehl ab und neues Mehl auf. "Dann kommt sofort Wasser drauf, um eine Verbindung zum vorverdichteten Material, also zum Untergrund, herzustellen. Das ist mit der Wirkung eines Klebstoffs vergleichbar", erklärt Hertenberger. Nach dem Abzug der Profis "walzen wir nochmal nach", so der Technische Leiter des STC. "Extrem wichtig" für den Zustand eines Platzes sei "walzen, walzen, walzen".

Die Netze würden erst spät gespannt, "damit niemand auf den noch nicht freigegebenen Plätzen spielt", sagt Hertenberger. Von Anfang Mai an, so der Plan, sollen auf der STC-Anlage wieder Bälle geschlagen werden können.

Soweit ist es an diesem Samstagvormittag noch nicht. Nach den ersten beiden Arbeitsstunden sind viele Schubkarren voller Sand von den Plätzen gefahren und in einen Container gekippt worden. Zeit, eine Pause zu machen: Im Jugendraum liegen Butterbrezeln und Fleischkäse bereit, an der Tür steht ein Bierkasten. Später trinken und essen die Helfer nochmal zusammen. Tennis im Verein bedeutet eben nicht nur Arbeit, sondern auch Geselligkeit.

"Es fehlen die Idealisten"

Kritik Der Ski- und Tennisclub (STC) Schwäbisch Hall hat etwa 570 Mitglieder, davon etwa 400 Aktive. Am Samstagvormittag kamen zunächst elf Mitglieder, um die Plätze für die neue Saison herzurichten. Am Ende waren es einige Mitglieder mehr - für STC-Mitglied Thomas Hettiger insgesamt aber immer noch deutlich zu wenige. Viele Mitglieder würden ihre Leistung ausschließlich darüber definieren, ihren Beitrag zu zahlen, wie im kommerziellen Bereich üblich. Ein Verein aber sei mehr als beispielsweise ein Fitnessstudio, betont der Anwalt. "Oft sind es die Gleichen", die zu den Arbeitsstunden auf die Anlage kämen: "Es fehlen ein bisschen die Idealisten." In kleineren Vereinen sei das noch anders, "da leisten noch mehr Mitglieder ehrenamtliche Arbeit", sagt Hettiger.

Pensum Beim Ski- und Tennisclub muss jeder Mannschaftsspieler, Jahrgang 2001 oder älter, mindestens fünf Arbeitsstunden pro Jahr leisten. Ansonsten sind zehn Euro für jede nicht geleistete Arbeitsstunde zahlen. Es kann das Pensum beispielsweise durch Arbeiten auf der Tennisanlage erfüllen. Anerkannt wird etwa auch die Betreuung einer Jugendmannschaft bei einem Verbandsspiel, die Leitung von Trainingsstunden für Kinder oder das Bereitstellen von Übernachtungsmöglichkeiten für ausländische Spieler an Verbandsspielwochenenden.

WD