Lebensqualität Kirchweihmarkt in Bühlertann

Bühlertann / Rainer Richter 15.10.2018
Die Bühlertanner Bürger erleben einen Kirchweihmarkt mit Blasmusik, einem breiten Kaufangebot, Unterhaltung und Kulinarik. Das Wetter hätte schöner nicht sein können.

„What a wonderful world“, Klaus Rappl stimmt die Bühlertanner mit seinem Trompetensolo am Samstag um 9.30 Uhr auf den Kirchweihmarkt ein. Schon seit fünf Jahren ertönt sein musikalischer Weckruf. Ein Blick aus dem Fenster, das Wetter spielt mit. Strahlend blauer Himmel und angenehme Temperaturen locken die Bühlertanner auf den Markt.

So wie Anton Köder geht es vielen:  „Das Wetter passt heute und Zeit hat man auch, da geht man natürlich her.“ Die meisten richten es sich jedoch so ein, dass sie zum Platzkonzert um 11 Uhr auf dem Markt sind. Dieses Jahr spielt der Musikverein Bühlertann unter der Leitung von Richard Beißer.

Überall haben sich kleine Grüppchen zusammengefunden. Die Bühlertanner lieben Blasmusik und sind aufmerksame Zuhörer. Die „Südböhmische Polka“ ist natürlich auch bestens geeignet, die Herzen der Blasmusikfans anzuregen. Beim „Böhmischen Traum“ klatschen die Leute sogar rhythmisch mit.

Neuigkeiten werden auch ausgetauscht. Reinhold Kurz schwärmt noch von seinem Besuch in der Allianz-Arena. Für 30 Jahre Mitgliedschaft beim FC Bayern war er mit seinem Musikverein Fronrot zum Vorspielen eingeladen worden. „Es war ein Erlebnis“, sagt er. „Das Stadion war rappelvoll, eine Gänsehautkulisse. Leider haben wir mit unserem  Defiliermarsch die Profifußballer des FC Bayern nicht beflügelt.“ Der FC hat im Topspiel gegen Gladbach verloren.

Der Markt als Nachrichtenbörse

„Ein Spaßvogel hat mich angerufen“, lächelt Reinhold Kurz „und hat mir gesagt, er würde mir eine Jahreskarte für den VfB Stuttgart kaufen.“ Und warum das?  „Offensichtlich brächte ich den Bayern kein Glück. Wenn ich dann beim Spiel VfB gegen den FC im Neckarstadion wäre,  würde Bayern auch gegen den VfB verlieren.“

Der 31. Kirchweihmarkt präsentiert sich wieder von seiner besten Seite. Wer sich von der Gangolfs-Kapelle dem Markt näherte, erblickte zunächst ein Hochzeitsauto. Ein hübsches Blumengesteck vom Blumenlädle Bahle, das auch sonst mit buntem herbstlichem Blumenschmuck aufwartete, auf einem Mitsubishi. Auch die weitere Autoparade von Klotzbücher überraschte. Die neuesten Modelle des Autohauses präsentierten sich gefällig. Die Abgaskrise sorgte für genügend Gesprächsstoff rund um Diesel und Co.

Schon von weitem fiel Stefino auf. Stefan Barth, auf sehr hohen Stelzen, thronte über dem Marktgeschehen und beeindruckte die kleinen Marktbesucher mit seiner Luftballonkunst. Im Handumdrehen zauberte er in luftiger Höhe die lustigsten Ballontiere, beugte sich dann so weit herunter, dass er sie dem staunenden Nachwuchs freundlich lächelnd überreichen konnte. Die Erwachsenen staunten eher, dass er dabei nicht vornüber kippte. Der Kirchweihmarkt hat seine Stammkunden und seine traditionellen Marktbeschicker. Wolf Giesbert lobt die Bühlertanner: „Alles ordentliche Leute. Und sie kaufen auch.“

Händler hat noch nie gefehlt

Giesbert ist mit seinen Trikotwaren ein gern gesehener Anbieter. Seit 35 Jahren kommt er in die Gemeinde und zurückdenkend meint er: „Ich kann mich nicht erinnern, ein einziges Mal gefehlt zu haben.“ Schon als es noch drei Halbtagesmärkte waren, kam er hierher. Er ist stolz auf sein Angebot: „Alles Ware von deutschen Herstellern von der Schwäbischen Alb.“ Sein Wahlspruch: „Qualität ist, wenn der Kunde zurückkommt – und nicht die Ware.“ Am Vorwerkstand geht es heute nicht nur um Staubsauger. Hannelore Lautenbach strahlt über ihren Erfolg bei der Tombola: „Heute habe ich gewonnen. Sechs Lose und nur drei Nieten.“
Auch der Weinstand des TTC Kottspiel ist umlagert. Siegfried Abt steht im T-Shirt hinter dem Tresen. „Das habe ich noch nie gemacht. Wir haben manchmal sogar schon geheizt um diese Jahreszeit.“ Er schenkt den Rebensaft in kleinen Probiergläschen aus. Für das Glas muss, anders als sonst oft, kein Pfand bezahlt werden. Darüber wundert sich ein Kunde: „Gehen da nicht viele verloren?“ Abt lächelt: „Ein bisschen Schwund ist immer. Die meisten bringen die Gläser zurück. Aber bloß weil die Form so blöd ist, dass man damit gar nichts anderes machen kann.“

Burger mit Fisch und Wild

Egbert Seitz, der Vorsitzende des Fischereivereins, lobt das kulinarische Angebot, das der Verein zum ersten Mal auf dem Mark anbietet. Neben den Fischburgern und Wildburgern gibt es auch geräucherte Forelle zum Mitnehmen. Überhaupt spielen Essen und Trinken eine große Rolle. Das Gasthaus „Stern“ punktet mit einer zweiseitigen Kirchweihspeisekarte. Für die Vereine ist der Mark eine gute Gelegenheit, die Finanzen aufzubessern.

Der Heimatverein etwa verzeichnet mit seinem kulinarischen Angebot regen Zulauf. Da die Feuerwehrhauptübung auf den Vorschlag von Bürgermeister Michael Dambacher um zwei Stunden nach hinten auf 16 Uhr verlegt wurde, kann man sich beim Mittagessen Zeit lassen. Das wird von vielen Besuchern gerne angenommen. Es ist proppenvoll um die Mittagszeit und alle sind gemütlich und gut aufgelegt unterwegs. Nachher geht’s zur Schreinerei Markl. Denn die Feuerwehrhauptübung ist die zweite Attraktion des Tages, die von vielen Bühlertannern traditionell besucht wird.

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