Künzelsau Volksbank Hohenlohe: Wert, Anker und Auftrag

Vorstand Harald Braun, die Präsidentin des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken Marija Kolak, Vorstandsvorsitzender Dieter Karle und Aufsichtsratsvorsitzender Thomas Blumenstock (von links) ordneten das Jubiläum der Volksbank Hohenlohe beim Pressegespräch vor dem Festakt im Carmen-Würth-Forum in der Hauptstelle in Künzelsau historisch ein.
Vorstand Harald Braun, die Präsidentin des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken Marija Kolak, Vorstandsvorsitzender Dieter Karle und Aufsichtsratsvorsitzender Thomas Blumenstock (von links) ordneten das Jubiläum der Volksbank Hohenlohe beim Pressegespräch vor dem Festakt im Carmen-Würth-Forum in der Hauptstelle in Künzelsau historisch ein. © Foto: Heribert Lohr
Künzelsau / Heribert Lohr 30.08.2018
Die Volksbank Hohenlohe feiert ihr 175-jähriges Bestehen. Die älteste Kreditgenossenschaft der Welt ist von der Zukunftsfähigkeit ihres Geschäftsmodells überzeugt.

Banker nehmen es verständlicherweise bisweilen sehr genau. Und so eröffnete der Vorstandsvorsitzende Dieter Karle das Pressegespräch in Künzelsau pünktlich um 15 Uhr. Auf die Stunde genau vor 175 Jahren hatten am 27. August 1843 etwa 50 Bürger, darunter Amtsleute, Pfarrer, Lehrer und einige Handwerker, im Gasthof „Zum Römischen Kaiser“ die „Oehringer Privatspar- und Leihkasse“ aus der Taufe gehoben. Das Bankhaus ist damit die älteste selbstständige Volks- und Raiffeisenbank auf diesem Globus.

Der Erfolg der Bank – sie hatte nach zwei Jahren schon 500 Mitglieder – animierte zum Nachahmen. In Gerabronn wurde 1869 und in Künzelsau 1870 jeweils eine „Landwirtschafts- und Gewerbebank“ gegründet. Die Volksbank Hohenlohe war übrigens bereits 1847 mit einer Agentur in Schrozberg vertreten.

Die Bank hat die genossenschaftlichen Prinzipien bei ihrer Gründung nicht nur befolgt – sie nahm sie sogar vorweg. Das ist umso bemerkenswerter, weil die bekannten Gründerväter des deutschen Genossenschaftswesens, Friedrich Wilhelm Raiffeisen und Hermann Schulze-Delitzsch, zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht aktiv waren.

„Hilfe zur Selbsthilfe war einer der bestimmenden Gedanken“, blickt Dieter Karle zurück. Die Historie belegt, dass der genossenschaftliche Gedanke nichts an Wert eingebüßt hat. Roland Schorr, Verbandsdirektor des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbands, unterstreicht diese Aussage mit Zahlen: „In Baden-Württemberg sind etwas mehr als 3,9 Millionen Menschen Mitglied in einer Genossenschaft, davon 3,7 Millionen in einer Volks- und Raiffeisenbank.“ Die Volksbank Hohenlohe trägt dazu ihr Scherflein bei. Die Bank zählt derzeit etwas mehr als 85 000 Kunden, davon sind 45.000 Mitglieder. Dieter Karle: „Es ist dieses einzigartige Verhältnis, das die Genossenschaftsbank so besonders macht.“ Die Volksbank in ihrer heutigen Ausprägung entstand durch mehrere Fusionen in den 1990er-Jahren; sie wies im letzten Geschäftsjahr eine Bilanzsumme von knapp 1,7 Milliarden Euro aus und beschäftigte dort rund 270 Mitarbeiter. „Hohenlohe ist unsere Heimat, da gehören wir hin“, sagt Dieter Karle. Eine Heimat, die sich auch in den 47 Bankstellen (drei Hauptstellen und 44 Filialen) im Geschäftsgebiet widerspiegelt. Doch Nähe zum Markt, hebt sein Vorstandskollege Harald Braun hervor, lässt sich nicht mehr über stationäre Anlaufstellen definieren: „Wir bieten heute den Kunden den Zugang, den sie wollen, je nach Wunsch über Telefon, Internet, Bankstelle oder als regionale Besonderheit als fahrbare Bankstelle in zwölf kleineren Ortschaften.“ Darüber, welches Angebot dauerhaft aufrechterhalten bleibt, so Dieter Karle, entscheiden letztlich die Mitglieder: „Solange sie es nutzen und es wirtschaftlich vertretbar ist, bieten wir jede Form an.“ Die Digitalisierung ist für den Vorstandsvorsitzenden deshalb auch „mehr Chance denn Herausforderung“.

„Eine Agrarkrise, eine Hyperinflation, zwei Weltkriege, zuletzt eine Finanz- und Schuldenkrise sind nur ein paar der Katastrophen, die unser Geschäftsmodell aushalten musste“, ordnet Marija Kolak die Gegebenheiten. Die Präsidentin des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) machte in ihrer kurzen Rede beim feierlichen Festakt im Carmen-Würth-Forum deutlich, dass das genossenschaftliche Verständnis von den drei Grundpositionen Wert, Anker und Auftrag getragen wird: „Die Menschen verbinden mit uns, dass wir krisenfest sind, dass wir für sie da sind und dass wir ihnen die modernste Bank bieten, die es gibt.“ Marija Kolak ist deshalb auch sicher: „Wir werden auch die Herausforderungen durch die Niedrigzinsphase überstehen.“

Eine starke dritte Säule

Systemisch Im dreigliedrigen Bankenwesen in Deutschland (Sparkassen, Kreditgenossenschaften und Privatbanken) spielen die genossenschaftlichen Banken wirtschaftlich eine gewichtige Rolle.

Zusammenschlüsse Trotz eines gewissen Fusionsdrucks gibt es in Deutschland derzeit noch 915 selbstständige Genossenschaftsbanken mit 146.400 Mitarbeitern in über 11.000 Bankstellen.

Zuwächse Bis Ende 2017 steigerten die VR-Banken ihre Einlagen im Vergleich zum Vorjahr um 4 Prozent auf 662 Milliarden Euro. Ihre Kredite erhöhten sich um 5,8 Prozent auf 558 Milliarden Euro.

Trend Mehr als 18,5 Millionen Menschen, Unternehmen, Kommunen und Vereine sind Mitglied in einer Genossenschaft. Zuletzt stieg die Zahl der Genossenschaften vor allem im Energiesektor deutlich an.

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