Kreis Hall Werben um Migranten

Ob im Service, in der Küche oder am Empfang: Personal in der Gastronomie wird händeringend gesucht. Die Arbeitsagentur möchte dem Mangel mit Fachkräften aus dem Ausland entgegenwirken.
Ob im Service, in der Küche oder am Empfang: Personal in der Gastronomie wird händeringend gesucht. Die Arbeitsagentur möchte dem Mangel mit Fachkräften aus dem Ausland entgegenwirken. © Foto: NGG
Kreis Hall / Beatrice Schnelle 12.10.2018
Ein Vorstoß der Haller Agentur für Arbeit soll dafür sorgen, dass mehr Fachkräfte aus dem Ausland ins regionale Gastgewerbe gehen.

Unattraktive Arbeitszeiten, Stress und dafür selten mehr als Mindestlohn: Immer weniger deutsche Berufseinsteiger haben Lust auf eine Laufbahn in der Gastronomie. „Früher waren wir das Auffangbecken für junge Leute, die in ihrem Wunschberuf keinen Ausbildungsplatz fanden“, sagt Daniel Ohl, Sprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Baden-Württemberg. „Früher“, das war vor dem demografischen Wandel, als die Zahl der Schulabgänger noch deutlich höher lag.

Wie prekär sich die Situation im Gastgewerbe der Region nach Einschätzung der Agentur für Arbeit Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim darstellt, zeigt eine neue Initiative: Um Fachkräfte aus dem Ausland in den Kreis zu locken, hat sich die Behörde mit dem Dehoga, der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) Baden-Württemberg, dem Welcome-Center Heilbronn, der IHK Heilbronn-Franken, dem Goethe-Institut und der Stadt Hall zusammengetan. Beim ersten Treffen der neuen Partner beschreibt Bianka Ganzert von der ZAV, was das Werben um die Ausländer so schwierig macht.

Nach Spanien, Portugal, Italien und Polen streckt die ZAV ihre Fühler aus. Andere Länder, wie etwa Rumänien, hätten die Abwerbung bereits unterbunden: „Weil dort inzwischen ebenso Personalmangel herrscht.“ Bewerber aus der EU könnten bei Eignung unverzüglich nach Deutschland einreisen. Anders als solche vom West-Balkan. Diese müssten selbst bei bester Qualifikation viele Monate auf die erforderlichen Unterlagen warten.

Bei der Suche stehe die ZAV in Konkurrenz mit Österreich, der Schweiz, England, Dänemark und Schweden. Vor allem die deutschsprachigen Nachbarländer schnappen sich die Kräfte weg: „Dort ist die Bezahlung erheblich besser.“ Zudem werde für Unterbringung gesorgt. So verliere man oft sogar im Nachhinein Mitarbeiter, die bereits erfolgreich nach Deutschland geholt worden seien.

Deutschkenntnis von Nöten

Ein weiteres Hemmnis: „Die Gastronomiebetriebe verlangen von den Bewerbern, dass sie Deutsch sprechen können.“ Englischkenntnisse genügten nicht. Auch das sähen die konkurrierenden Länder erheblich entspannter. „Mitarbeiter, die mit den Gästen Kontakt haben, müssen Deutsch sprechen“, bestätigt Armin Meiser, Vorsitzender des Haller
Dehoga-Kreisverbandes. Um für dieses Problem eine Lösung zu finden, sitzt Svenja Hecklau-Brümmer vom Haller Goethe-Institut mit in der Runde. Berufsbezogene Deutschkurse könnten rasche Ergebnisse bringen, hoffen die Beteiligten. „Die Module dafür sind da“, erklärt sie.

Wo und wann die Kurse stattfinden können, um für alle Gastrobetriebe im Einzugsgebiet der Arbeitsagentur erreichbar zu sein, stellt sich aber als zentrale Frage heraus. „Wenn wir in die Stellenanzeigen reinschreiben können ‚Es werden Deutschkurse angeboten’, ist das für manche Bewerber wichtiger als die Höhe der Bezahlung“, sagt Ganzert.

Im Wald- und Schlosshotel Friedrichsruhe in Zweiflingen sind geflüchtete Menschen beschäftigt, die gemeinsam mit deutschen Kollegen zum Beispiel in der Küche arbeiten. Das berichtet Direktionsassistentin Daniela Kampen. Allen stünden Unterkünfte in einem hoteleigenen Mitarbeiterhaus zur Verfügung. Einziger Wermutstropfen: „Wir wissen nicht, ob uns diese Kräfte durch Abschiebung wieder weggenommen werden.“

Ohne Ausländer geht es nicht

Laut einer Studie des Kölner Instituts für Wirtschaft aus dem Jahr 2017 ist das Gastgewerbe mit rund 310 000 Migranten aus 150 Nationen schon längst die am stärksten international geprägte Branche der Bundesrepublik. Die zugewanderten Fach- und Hilfskräfte in der Gastronomie stellen branchenübergreifend 30 Prozent aller sozialversicherungspflichtig beschäftigten Menschen aus dem Ausland. Dazu kommen noch die Unternehmer: Tausende Hotel- und Gaststättenbetreiber in Deutschland haben einen Migrationshintergrund. cito

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