Viele Sparkassenkunden hatten vor kurzem Post ihres Geldinstituts im elektronischen Briefkasten: Es geht um den Online-Bezahldienst Paydirekt, zu dem die Sparkasse ihre eigenen Kunden gerne anmelden will. „Wir bieten Ihnen hiermit als Änderung Ihres Girokontovertrags die Nutzung von Paydirekt an“, heißt es in dem Schreiben. Etwa zwei bis drei Prozent der Kunden hätten dieses Angebot erhalten, bestätigt die Sparkasse Schwäbisch Hall-Crailsheim auf Anfrage der Redaktion.

Bei Paydirekt handelt es sich um ein Onlinebezahlsystem der deutschen Kreditwirtschaft. Neben den Sparkassen und Volksbanken sind auch die Hypovereinsbank, die Postbank, die Consorsbank und die Commerzbank beteiligt. Wie das große Vorbild Paypal aus den USA möchte der Dienst sich als Größe bei Onlinetransaktionen etablieren und wirbt für sich vor allem mit dem Stichwort Datenschutz – dieser sei „made in Germany“. Allerdings kooperieren zum Beispiel die beiden größten Onlineplattformen, Amazon und Ebay, bislang gar nicht mit dem Dienst.

Sicherheit als Schwerpunkt

Bei der Sparkasse Schwäbisch Hall-Crailsheim klingt das so: „Paydirekt ist ein für den Kunden kostenloses, internetbasiertes Bezahlverfahren, bei dem Kunden Online-Zahlungen gegenüber Händlern auf deren Internetseiten vornehmen können, ohne dass die Händler die Kontodaten der Kunden erfahren. Die Händler erhalten lediglich eine Bestätigung über die Zahlung. Grundsätzlich ist Paydirekt eine Unterfunktion des Girokontos“, diese Erklärung ging schriftlich auf Redaktionsanfrage ein. Auch hier wird die Sicherheit betont: „Paydirekt bietet besonders hohe Sicherheitsstandards, da bei diesem Verfahren das Bankgeheimnis und der deutsche Datenschutz sehr ernst genommen werden.“

Was einige Empfänger des Rundbriefs jedoch auf die Palme bringt, ist die Art und Weise, mit der die Sparkasse Paydirekt an die Kunden bringen will: „Ihre Zustimmung zum Änderungsangebot gilt als erteilt, wenn Sie uns nicht vor dem vorgeschlagenen Zeitpunkt des Wirksamwerdens Ihre Ablehnung angezeigt haben.“ Zu deutsch: Wer nicht bis Freitag, 3. November, explizit „Nein“ gesagt hat, ist danach automatisch Paydirekt-Kunde. Die Sparkasse Schwäbisch Hall-Crailsheim bezeichnet dieses Verfahren als „Komfortregistrierung“ – das Geldinstitut möchte seinen Kunden „den Weg zu Paydirekt möglichst komfortabel gestalten“. Immerhin: „Selbstverständlich werden unsere Kunden zum Online-Bezahlverfahren Paydirekt von unseren Mitarbeitern gerne beraten.“ Dazu müssen die Kunden natürlich erst nachfragen.

Integrierte Zusatzfunktionen

Komfortabel ist die Kundenakquise auch für den Bezahldienst selbst: Von allen angeschriebenen Sparkassenkunden erhält Paydirekt automatisch die Nutzerdaten derjenigen, die nicht widersprechen, um einen Account zu erstellen. „Das Girokonto muss in Zukunft mit zusätzlichen Funktionen aufgewertet werden“, verteidigt Tilman Naundorf, Gruppenleiter Neue Medien der Sparkasse Schwäbisch Hall-Crailsheim, die Zusammenarbeit mit Paydirekt. Es gebe viele Kunden, die regional online einkaufen möchten, aber die internationalen Plattformen nicht nutzten. „Paydirekt wird sich etablieren“, ist Naundorf von dem System überzeugt.

Branchenexperten gehen davon aus, dass Paydirekt möglichst viele registrierte Kunden beschafft werden sollen, um Paypal die Stirn bieten zu können – nur so ließe sich der Dienst auch bei den großen Internetplattformen etablieren. Die Frage, ob dies den Tatsachen entspräche, beantwortete die Sparkasse Schwäbisch Hall-Crailsheim nicht. Insider munkeln zudem, dass bei den Volks- und Raiffeisenbanken eine ähnliche Kundengewinnungsmaßnahme für Paydirekt in den Startlöchern stünde.