Fachschule Wenn Kinder Medien nutzen

Schwäbisch Hall / swp 24.01.2018

Kinder wachsen mit dem Smartphone auf. Souverän bedienen sie Spiele-Apps, schauen Filme, verschicken Nachrichten an die Großeltern. Medien würden eine zentrale Rolle spielen und oft den Alltag prägen, teilt die Fachschule für Sozialpädagogik in Schwäbisch Hall in einem Pressetext mit. Dass Kinder ohne Berührungsängste mit Medien umgehen, findet Medienpädagoge Manfred Zülch gut. Allerdings reiche das Bedienenkönnen nicht aus. Zülch unterrichtet seit 25 Jahren an der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik Schwäbisch Hall angehende Erzieher. Als studierter Erziehungswissenschaftler ist es sein Ziel, die künftigen pädagogischen Fachkräfte zur Selbstreflexion anzuregen.

An die Zielgruppe denken

Während der Ausbildung lernen angehende Erzieher, wie sie Kinder und Jugendliche bei der Mediennutzung begleiten und vor Missbrauch schützen können, teilt die Fachschule mit. Dabei gehören die Auszubildenden selbst zu den „digital natives“ – sie sind bereits mit den digitalen Möglichkeiten aufgewachsen. „Als Erzieherin und Erzieher müssen sie allerdings lernen, für ihre Zielgruppe zu denken“, sagt Zülch. „Sie sind Vorbilder für Kinder und Jugendliche. Dazu ist es wichtig, dass sie eine gewisse Offenheit zeigen, sich für die Medienvorlieben von Kindern und Jugendlichen interessieren, gleichzeitig aber auch Medieninhalte und das eigene Medienverhalten kritisch in den Blick nehmen.“

Grundfragen bleiben gleich

Im Medienpädagogik-Unterricht geht es darum, auf die Mediengesellschaft vorzubereiten. Pädagogische Fachkräfte erarbeiten unter anderem, wie sie die anvertrauten Kinder und Jugendlichen üner Cyber-Mobbing, Datenklau, Suchtgefahr und gefälschten Nachrichten aufklären und schützen können.

„Vor 25 Jahren war das große Thema, ob Fernsehen die Kinder dumm macht. Dann kam die Digitalisierung und das Internet hat das Medien- und Kommunikationsverhalten verändert“, sagt Zülch. Durch neue Möglichkeiten werden auch immer wieder neue Diskussionen entstehen. Und doch seien die Grundfragen dieselben geblieben, meint Medien­experte Zülch. Grundfragen wie: Ab welchem Alter sollen welche Medien genutzt werden? Welche Auswirkungen haben die Medien auf unsere Beziehungen? „Darauf müssen wir immer wieder gemeinsame Antworten finden, und zwar nicht durch Besserwisserei von Einzelnen, sondern im Austausch miteinander“, ist die Überzeugung von Zülch. Deshalb sollte auch ein intensiver Austausch mit Eltern zu Fragen der Mediennutzung bereits in der Kita stattfinden. An der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik hat Medienpädagogik einen besonderen Stellenwert und kann als Wahlpflichtfach zusätzlich belegt werden – wie Erlebnis- und Theaterpädagogik. Dieser Fachunterricht ist als Werkstatt angelegt. „Wir beschäftigen uns kreativ und handlungsorientiert mit Medien. Wir stellen selbst Materialien her und probieren ganz praktisch aus, wie ein Videofilm, eine Homepage oder ein Trickfilm entsteht“, so Zülch. Durch diese praktische Medienpädagogik können vielfältige, kreative Kompetenzen erworben und Medien „durchschaubarer“ gemacht werden.

Schwerpunkt in der Ausbildung

„Besonders Leitungskräfte brauchen hier zusätzliches Know-how“, erklärt Manfred Zülch. Das kann man über ein Studium in Frühpädagogik oder Sozialmanagement erreichen oder berufsbegleitend durch eine Fortbildung zum Fachwirt für Sozialwesen an der Evangelischen Fachschule für Organisation und Führung (EFOF) absolvieren. „Für engagierte Fachkräfte ist das eine ideale Möglichkeit, sich beruflich weiterzuentwickeln und sich für eine Leitungsaufgabe zu qualifizieren“, so Zülch. Auch Studieren ohne Abitur ist über diesen Weg offen – für Fachkräfte aus dem Erziehungsbereich und der Pflege.

Wenn Dozent Manfred Zülch gefragt wird, für wen sich die Ausbildung zur Erzieherin und zum Erzieher in heutiger Zeit eignet, sagt er, dass sich das in all den Jahren nicht geändert habe. „Man braucht eine positive Einstellung zu Kindern und sollte gerne mit Menschen zusammenarbeiten – ohne die soziale Arbeit zu idealisieren. Auch sollte man ein gewisses Maß an Offenheit für neue Entwicklungen mitbringen und sich selber kritisch hinterfragen, warum man gerade diesen Beruf gewählt hat. Wichtig ist auch die Bereitschaft, sich auf Widersprüchliches, ja vielleicht sogar Widerspenstiges einzulassen. Und man sollte in der Lage sein, auf eine gute Art zu kommunizieren.“

Info Ein Buchtipp von Manfred Zülch: Silvia Gartinger und Rolf Janssen (Hrsg.) (2014): Professionelles Handeln im sozialpädagogischen Berufsfeld, Reihe „Erzieherinnen + Erzieher – Band 1“, Cornelsen Verlag.