Sammelleidenschaft Oldtimersammler in Bühlertann

Diesen VW Scirocco GTI würde Wolfgang Fuchs wohl nie verkaufen. Das treue Gefährt hat ihn schon klaglos zum Nordcap kutschiert. Es hat mehr als 200 000 Kilometer auf dem Buckel und sieht immer noch aus, wie aus dem Ei gepellt.
Diesen VW Scirocco GTI würde Wolfgang Fuchs wohl nie verkaufen. Das treue Gefährt hat ihn schon klaglos zum Nordcap kutschiert. Es hat mehr als 200 000 Kilometer auf dem Buckel und sieht immer noch aus, wie aus dem Ei gepellt. © Foto: Rainer Richter
Bühlertann / Rainer Richter 14.09.2018
Wolfgang Fuchs aus Bühlertann gewährt einen Einblick in seine Oldtimer. Alle Fahrzeuge, die er je hatte, nennt er noch heute sein Eigen.

Wenn er einmal ein paar Stunden Zeit hat, dann putzt Wolfgang Fuchs eines seiner Motorräder oder er macht „technischen Dienst“ an seinen Oldtimern. „Alle funktionieren einwandfrei und springen sofort  an“, sagt er stolz. Für ihn sind die Fahrzeuge faszinierende Errungenschaften der Technik. Die Wertsteigerung, die manche Fahrzeuge erfahren, interessiert ihn nicht. „Ich würde nie eines verkaufen“, sagt der Bühlertanner. Alle Fahrzeuge, die er je besessen hat, seien es Autos, Motorräder oder Mopeds, sogar Fahrräder, hat er behalten. „Warum sollte ich sie verkaufen?“, fragt er. „Mit meinem ersten Auto, das ich 1978 gekauft habe, bin ich über 200 000 Kilometer gefahren.

Mit dem Scirocco zum Nordcap

Es war ein VW Scirocco GTI, den er bei der Firma Klotzbücher neu für 19.450 DM gekauft hat. „Mit ihm bin ich bis zum Nordkap gefahren. Er lief immer einwandfrei. Wenn ich ihn mit 200.000 Kilometern verkauft hätte, hätte ich kaum noch etwas dafür bekommen.“ Wer glaubt einem schon, dass so ein Fahrzeug mit diesem Kilometerstand keine Mängel aufweist, fragt er rhetorisch.

Seine Frau unterstützt sein Hobby. Das ist für ihn wichtig: „Wenn die Frau nicht mitmacht, können Sie jedes Hobby vergessen.“ Sein Lehrer im Internat fuhr einen alten Mercedes. Sein Zimmerkollege war Hermann Layher – der heutige Präsident des Auto- und Technikmuseums Sinsheim und Speyer. „Sein Vater hat mir 1979 einen Mercedes 170 V Baujahr 1949 aus dem Oldtimermuseum geschenkt. Er wurde mein Hochzeitsauto. Ich bin gefahren, meine Frau saß hinten drin.“

Alles ist dokumentiert

Im Grunde wurde seine Autoleidenschaft von seinem Lehrer inspiriert. Nach dem VW Scirocco hat er drei Mercedes gefahren. In seinem Fotobuch, in dem er während des Gesprächs ab und zu blättert, sind alle Fahrzeuge mit Bild und Daten dokumentiert. Er hat sogar Großaufnahmen von den Tachos drin, damit man die Kilometerzahl sieht.

„Alle drei habe ich über 500.000 Kilometer gefahren. Sie sind technisch noch einwandfrei“, erklärt er. „Eine Frau, die mit 90 ihren Führerschein abgegeben hat, hat mir ihr Auto geschenkt. Sie wollte es nicht verkaufen. Es sollte in gute Hände kommen, war ihr einziger Wunsch. Als sie mich später einmal besuchte und sie das Auto sah, sind ihr die Tränen gekommen“, erinnert sich der 61-Jährige.

„Ich habe auch meine Mopeds behalten. Dort steht zum Beispiel meine Kreidler Florett.“ Ah ja, stimmt, fällt dem Schreiber dieser Zeilen ein. Auch ich hatte eine, aber mit Fußschaltung. „Richtig, aber Sie haben sie nicht mehr, das ist der Unterschied“, sagt Fuchs lächelnd.

Ist Wolfgang Fuchs Gründungsmitglied des Motorsportvereins Bühlertann? „Ja, als wir 1975 den MSV gegründet haben, war für die meisten das Wort Oldtimer noch ein Fremdwort.“ Er schmunzelt, wenn er erzählt, wie es zur Gründung der Oldtimerabteilung kam. „Ich hatte mit ein paar Freunden eine Ausfahrt unternommen. Danach saßen wir noch zusammen und beschlossen, das nächstes Jahr zu wiederholen. Als es einmal regnete, kamen wir auf die Idee, die Ausfahrt einfach fallen zu lassen und nur zusammenzusitzen. Damit war das jährliche Oldtimertreffen geboren.“

Mittlerweile ist das Treffen des MSV weit über Bühlertann hinaus bekannt. Heuer kamen rund 800 Fahrzeughalter mit ihren Schnauferln und ein Vielfaches an Besuchern. Jeder kann teilnehmen, es kostet keine Gebühren. „Ich stelle dafür mein Betriebsgelände zur Verfügung“, führt der Inhaber des Gerüstbauunternehmens in Bühlertann aus.

Ausfahrten gibt es nicht mehr

„Früher hatten wir beim Treffen noch Ausfahrten angeboten“, erinnert sich Fuchs. „Doch weil manche Besucher erst um 12.30 Uhr kamen, haben sie niemand mehr gesehen und sind wieder gegangen. Da haben wir diesen Programmpunkt fallen gelassen. Die Benzingespräche sind die eine Attraktion des Treffens. Und: Man sieht Fahrzeuge, die sonst nur im Museum stehen.“

Viele Kompressor-Mercedes und andere seltene Rennwagen haben schon bewundernde Blicke auf sich gezogen. „Der Sound dieser Fahrzeuge ist überwältigend“, schwärmt er. Toni Mang, der fünffache Motorradweltmeister, war dieses Jahr zu Gast. Wolfgang Fuchs hat eines seiner Motorräder  von Mang signieren lassen. Dann hat er die Unterschrift mit Lack fixiert und versiegelt. Ein anderer Gast war Roland Diepold, der mit 15 nationalen Titeln der erfolgreichste deutsche Motocross-Pilot aller Zeiten war. Das waren die Stargäste.

Passionierter Sammler

Wolfgang Fuchs sammelt auch Möbel, Schreibmaschinen, Märk­lin-Eisenbahnen, Geschirr, Puppen und alles, was früher in den Haushalten gebraucht wurde. Eine Straßenwalze hat er auch in seinem Fuhrpark, einen Porsche-Traktor, sein Bonanza-Fahrrad und das Klapprad seiner Frau, das sie zur Konfirmation bekommen hatte.

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