Handwerk Wenn die Schüler selbst anpacken

In vier Tagen haben die Schüler der Kopernikus-Realschule eine komplette Grillecke geschaffen.  Alle Projektbeteiligten freuen sich, wie engagiert die Schüler bei der Sache waren.
In vier Tagen haben die Schüler der Kopernikus-Realschule eine komplette Grillecke geschaffen. Alle Projektbeteiligten freuen sich, wie engagiert die Schüler bei der Sache waren. © Foto: Bärbel Schneider
Von Frank Lutz 15.09.2018

Eine komplette Grillecke aus zwei hölzernen Sitzgruppen mit betonierten Seitenteilen, einem Brennholzlager und frischer Pflasterung – das haben 14 Neuntklässler der Bad Mergentheimer Kopernikus-Realschule Ende Juli auf dem Schulgelände eingerichtet. „Die Schüler waren sehr motiviert und haben toll mitgemacht“, freut sich ihre Technik-Lehrerin Bärbel Schneider über den Verlauf des viertägigen Bauprojekts im Rahmen der von der Handwerkskammer (HWK) Heilbronn-Franken koordinierten  „Lernwerkstatt Bau-Hand-Werk“. Besonders lobt Schneider die Zusammenarbeit mit den Projektpartnern aus der Baubranche: „Die beteiligten Betriebe waren sehr kooperativ, haben personell und vom Material- und Maschinenbedarf alles super vorbereitet und sich ganz toll verhalten im Umgang mit den Schülern.“

Die Kooperation mit örtlichen Handwerksbetrieben ist einer der Grundpfeiler der Lernwerkstatt: Die Schüler sollen Bauberufe praktisch erleben und gleichzeitig Ansprechpartner bei den Betrieben kennenlernen. Einer der beteiligten Betriebe ist Leonhard Weiss (LW). „Wir haben der Projektklasse unsere Niederlassung in Bad Mergentheim mit einer anschließenden Baustellenbesichtigung gezeigt, um ihnen das Bauhandwerk nahezubringen und die damit verbundenen umfangreichen Aufgaben und Berufe“, berichtet Werner Bucher, Leiter der Ausbildung beim Bauunternehmen, das in Satteldorf einen seiner Hauptstandorte unterhält. Außerdem unterstützte LW das Bauprojekt an der Schule mit Personal, Material und den nötigen Maschinen. „Wir wollen jungen Menschen das Bauhandwerk und die beruflichen Möglichkeiten und die Vielfalt nahebringen“, begründet Bucher das Engagement.

„Im Großen und Ganzen“ sei das Projekt gut gelaufen: „Alle aus der Projektklasse haben gut mitgemacht, sogar über die normale Schulzeit hinaus.“ Angesichts des gravierenden Fachkräftemangels in der Baubranche hofft Bucher auf einen positiven Langzeiteffekt – auch für das Unternehmen: „Wir erhoffen uns durch die Teilnahme an weiteren Projekten, das Bauhandwerk für die Jugendlichen attraktiv zu halten, beziehungsweise wieder attraktiv zu machen und dadurch natürlich auch mehr Bewerber für die Ausbildungsplätze gewinnen zu können.“ Auch in diesem Schuljahr unterstützt LW die Lernwerkstatt.

Die drei bisher beteiligten Schulen – Kopernikus-Realschule, Gemeinschaftsschule Wertheim und Schulzentrum am Wört in Tauberbischofsheim – nehmen ebenfalls weiter teil. Ab dem nächsten Schuljahr steigen auch drei allgemeinbildende und eine berufliche Schule aus dem Stadt- und Landkreis Heilbronn ein, berichtet Kerstin Lüchtenborg, Abteilungsleiterin Berufsbildung und Ansprechpartnerin für die Lernwerkstatt bei der HWK Heilbronn-Franken. Auch auf die übrigen Landkreise des Kammerbezirks soll die Lernwerkstatt künftig ausgeweitet werden – „sofern die Partner mitmachen und die Finanzierung erfolgt“.

Lüchtenborg bezeichnet die Lernwerkstatt als „ein wichtiges, aber eher langfristiges Mittel zur Steigerung des Nachwuchses in der Baubranche“. Sie hoffe auch, durch die Projekte die Berufsschulen in der Region erhalten zu können. Denn diese engagieren sich ebenfalls: Bautechnik-Lehrer Heiko Reinhart von der Gewerblichen Schule Tauberbischofsheim bildet mit dem Techniklehrer der teilnehmenden Schulen für jeweils drei Monate ein Tandem und ein Teil des Unterrichts findet an der Gewerblichen Schule statt.

Neuer Jahrgang gestartet

Nur eine Schwierigkeit gebe es: „Die dauerhafte Finanzierung ist nicht gesichert – hier besteht Handlungsbedarf in Richtung Kultusministerium Baden-Württemberg.“ Der Unterricht durch die Berufsschullehrer wird nämlich – vorerst bis Ende 2021 – über das Programm des Ministeriums „Kooperative Berufsorientierung an Ganztagesschulen“ (Koobo) finanziert, das vom Europäischen Sozialfonds gefördert wird.

An den beteiligten Schulen scheint sich die „Lernwerkstatt“ zu etablieren. So ist an der Kopernikus-Realschule bereits der nächste Jahrgang gestartet. Lehrerin Bärbel Schneider: „Es ist gut angelaufen und sie sind schon gespannt, was alles kommt.“

3

Monate dauert ein Projekt im Rahmen der Lernwerkstatt. Es besteht aus vier Modulen: einer kulturhistorischen Einführung, dem Experimentieren mit verschiedenen Bauweisen, der Ausschreibung eines Bauauftrags für die Schule, wobei die Schüler Bauvorhaben entwerfen, planen und kalkulieren, sowie einer Praxiswoche.

Entwicklung, Umsetzung und weitere Projektpartner

Die Lernwerkstatt wurde von der Bremer Architekturschule „Baukasten“ im Auftrag der Handwerkskammer (HWK) Heilbronn-Franken entwickelt. Die HWK begleitet die Umsetzung und trägt die Hauptkosten, etwa für Konzeptentwicklung und Lehrerschulungen.

Weitere Projektpartner sind die Bauinnung Main-Tauber-Kreis/Künzelsau mit acht beteiligten Betrieben, die Stadt Wertheim, die Bürgerstiftung Tauberbischofsheim, das Landratsamt Main-Tauber-Kreis und das Kultusministerium des Landes.

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