Ellwangen hatte im Jahr 1611 etwa 1600 Einwohner. Mehr als 300 von ihnen wurden innerhalb von drei Jahren als Hexen verbrannt - Frauen und Männer. Kann man sich das vorstellen? Was war das für ein Zusammenleben in einer Gesellschaft, in der man jederzeit vom Nachbarn oder von der eigenen Schwester des Teufelspakts bezichtigt werden konnte? In der man niemandem trauen konnte?

Fragen, die sich jederzeit wieder stellen können. "leichtSPIELfrei" aktualisiert das Drama "Hexenjagd" von Arthur Miller, indem in einem Einschub aufgezählt wird, wie viele Menschen heutzutage unschuldig zum Tode verurteilt werden.

Bei Miller geht es um eine Gruppe von Mädchen, die vom Pfarrer bei okkulten Tänzen im Wald erwischt wird. Um selbst der Bestrafung zu entgehen, täuschen sie Krankheit und Wahnsinn vor und bezichtigen andere des Pakts mit dem Teufel. Die elf jugendlichen Darsteller gehen ganz in dem bedrückenden Stoff auf. Sie zeigen zum Teil beachtliche Schauspielkunst. Manche treten in mehreren Rollen auf, andere stellen die Brüche innerhalb einer Persönlichkeit dar.

So zum Beispiel Luisa Heinold, die als Anna wild kreischend Wahnsinnsattacken vortäuscht. Schon durch seine sonore Stimme, aber auch mit seiner deutlichen Sprache und seinem ruhigen Auftreten ist Felix Speer eine hervorragende Besetzung für den auf Hexerei spezialisierten Priester Silvio Sano. Auch Lauren Breuninger als Ortspfarrer Michel ist sowohl akustisch gut verständlich als auch sehr glaubhaft in seinem Zweifel an den Aussagen seiner Mitbürger.

Eine weitere tragende Rolle füllt Nico Nitschke als Bauer Tom Peters aus, der die List der Mädchen durchschaut, sich aber nur schwer wehren kann, weil er als Ehebrecher selbst Schuld auf sich geladen hat.

Elif Can versucht eindrucksvoll als verzweifelte Edith Peters, ihren Mann zu überreden, dass er sich öffentlich gegen die allgemeine Stimmungsmache wendet. In ihrer anderen Rolle als Susan ist sie zur Passivität verdammt, heuchelt Susan doch eine schwere Krankheit. Kheira Gali spielt die alte Tabita, die mit den Mädchen okkulte Zeremonien vollzieht, und den Eric Keil, der sich vom Ehrenmann zum verbissenen Hexen-Jäger wandelt. Mona Weihbrecht gibt die selbstbewusste, fast freche Magd der Peters. In weiteren Rollen treten Hanna Lehnardt, Anni Schubring, Anna-Carina Pilzecker und Bastian Münster auf. Neben den Einzelleistungen beeindrucken die Massenszenen, in denen das Volk hysterisch durcheinander schreit.

120 Besucher applaudieren

Die Regie von Andreas Entner zeigt eine gute Führung der Personen. Entner hat auch das schlichte Bühnenbild geschaffen, das von einem großen Kreuz und einem Mehrzweck-Tisch dominiert wird. Die Kostüme von Anne Brüssel lassen alte Zeiten aufleben. Die etwa 120 Besucher in der vollbesetzten Haalhalle applaudieren kräftig.

Info Mit "Hetzjagd" eröffnet das Ensemble "leichtSPIELfrei" am Ostermontag, 6. April, das 6. Internationale Jugendtheaterfestival in Hall. Eine weitere Vorstellung ist am Mittwoch, 15. April. Beginn ist jeweils um 20 Uhr in der Haalhalle.