Landkreis Hall Waldbrandgefahr im Kreis ist gering

Ein Waldstück bei Mainhardt. Der Landkreis Schwäbisch Hall befindet sich zurzeit auf den Stufen 4 und 5 des Waldbrandgefahrindexes des Deutschen Wetterdienstes.
Ein Waldstück bei Mainhardt. Der Landkreis Schwäbisch Hall befindet sich zurzeit auf den Stufen 4 und 5 des Waldbrandgefahrindexes des Deutschen Wetterdienstes. © Foto: Ufuk Arslan
Landkreis Hall / Norbert Acker 27.07.2018
Experten sind sich einig: Zu Waldbränden wie in Griechenland oder Schweden wird es im Landkreis nicht kommen. Vorsicht ist trotzdem geboten.

Am Donnerstagabend bewertet der Waldbrandindex des Deutschen Wetterdienstes auf dessen Website die Gefahr für den Landkreis Schwäbisch Hall zwischen Stufe 4  (hohe Gefahr) und der höchsten Stufe 5 (sehr hohe Gefahr). Im Landratsamt nimmt man dies gelassen, auch wenn es in der Region keine Brandbeobachtungsposten wie in anderen Teilen Deutschlands gibt. So etwas sei nicht nötig, sagt der Erste Landesbeamte Michael Knaus auf Nachfrage: „Jeder aufmerksame Waldbesucher, aber auch die Anwohner, Landwirte, die Jäger und vor allem natürlich die Waldbesitzer und Förster haben bei uns ein Auge auf den Wald.“

Im Zuge des Klimawandels werde auch die Gefahr von schweren, großflächigen Waldbränden in Deutschland immer mehr ansteigen. Das hat der Feuerökologe Prof. Johann Goldammer von der Universität Freiburg noch am Mittwoch in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung gesagt. Zur Bekämpfung solcher Ereignisse fehle es allerdings an „Logistik, Technik und Strategien für große Landschaftsfeuer“. Das sieht der Erste Landesbeamte nicht so dramatisch. Die Feuerwehren im Kreis hätten dafür sowohl die nötige Ausrüstung als auch die Ausbildung. „Außerdem sind die Anfahrtswege für die Feuerwehren aufgrund der Besiedlung nicht so lang“, so Knaus. Je nach Größe des Ereignisses würden auch mehrere Feuerwehren zur Brandbekämpfung zusammengezogen. Das sei auch Bestandteil von Übungen.

THW und Bundeswehr

Im Notfall könnte man auch auf Hubschrauber der Bundeswehr zurückgreifen. „Ich bin der Meinung, wir sind für den Fall der Fälle gut vorbereitet“, so Knaus. Neben der Bundeswehr würde es auch Hilfe vom Technischen Hilfswerk geben, das im Brandfall Schneisen als Brandmauern schlagen würde. Er sagt aber auch: „Wenn Sie mich vor vier Jahren gefragt hätten, ob so etwas wie die Sturzflut in Braunsbach bei uns möglich wäre, hätte ich abgewunken.“ Die Natur sei nun mal unberechenbar und Veränderungen durch den Klimawandel seien nicht zu leugnen.

Die Forstverwaltung im Landkreis hat einen Blick auf die Kulturen in den hiesigen Wäldern. „Es wird schon seit den schweren Stürmen der 80er-Jahren bei der Bepflanzung darauf geachtet, von Monokulturen wegzukommen und Mischwälder zu bekommen“, sagt Dr. Andreas Wickel, Leiter des Forstamts im Landkreis Schwäbisch Hall. Das verringere auch das Risiko für Waldbrände. Außerdem lasse man viel Unterwuchs zu. Auf beides legten auch die privaten Waldbesitzer in der Region Wert, ist seine Erfahrung. „Schauen Sie sich unsere Wälder an: Wenn es grün ist, vor allem im Unterholz mit seinen Kräutern und kleineren, verholzten Bäumen, dann ist die Brandgefahr geringer“, so der Forstexperte. Im Osten Deutschlands, wo er einige Zeit gearbeitet habe, sehe es anders aus, das Unterholz sei graubraun und ausgetrocknet. „Da reicht schon ein Funke und es brennt“, so Wickel. Zustände wie zurzeit in Griechenland oder Schweden seien im Landkreis Hall aber nicht zu erwarten.

Die Walddichte im Landkreis sei auch nicht so hoch, ergänzt der Erste Landesbeamte. „Es gibt immer wieder Lücken und Lichtungen, die bei der Brandbekämpfung hilfreich sind“, so Knaus. Das sieht Wickel ein wenig anders. „Denken Sie nur an die Kohlenstraße, das sind schon größere Waldgebiete“, so der Forstamtsleiter. Die Wälder in der Region hätten durch ihre zahlreichen Forstwege aber einen Vorteil: „Die Feuerwehr kommt da eigentlich überall schnell hin.“

Waldbauern sehen reale Gefahr

Der Landkreis verfügt bei einer Gesamtfläche von 148 400 Hektar über eine Waldfläche von rund 47 000 Hektar. Davon entfallen rund 14 000 Hektar auf den Staatswald und etwa 7000 Hektar auf Gemeinde- und Körperschaftswälder. 26 000 Hektar sind in Privatbesitz. Der Waldbauverein Schwäbisch Hall vertritt hier rund 700 Mitglieder mit einer Waldfläche von etwa 3500 Hektar. Für den Vereinsvorsitzenden Georg Kiesel aus Bühlerzell ist die Waldbrandgefahr zurzeit durchaus real. „Das macht mir Bauchschmerzen. Hier ist alles knochentrocken“, so Kiesel. Ihm grause es vor allem vor weggeworfenen Zigarettenkippen sowie Glasflaschen oder -scherben. „Wenn ich so was sehe, nehme ich die sofort mit.“ Theoretisch seien die Feuerwehren sicher gut vorbereitet, „aber haben Sie die schon mal im Wald üben gesehen?“, gibt er zu bedenken.

Zur Erinnerung: Erst Anfang Juli ist es an der A 6 auf Gemarkung Ilshofen zu einem Flächenbrand auf einem Getreideacker gekommen. Kurz vor einem angrenzenden kleinen Waldstück hat die Feuerwehr das Feuer löschen können. „Wenn das auf die Bäume übergegriffen hätte, hätte der Wald in Flammen gestanden“, sagte damals ein Polizist, der die Löscharbeiten beobachtet hat.

Info Der Deutsche Wetterdienst informiert unter www.wettergefahren.de über die Waldbrandgefahr in Deutschland.

Auf eine präzise Ortsbeschreibung kommt es an

Im Landkreis Schwäbisch Hall herrscht flächendeckend Waldbrandgefahr. „Hintergründe sind die aktuelle Trockenheit und die hohen Temperaturen in den vergangenen Monaten“, erklärt Kreisbrandmeister Werner Vogel. Er weist ausdrücklich darauf hin, dass im Wald – auch im Bereich von ausgewiesenen Grillstellen kein Feuer gemacht werden darf. „Rauchen ist im Wald grundsätzlich nicht gestattet“, so Vogel.

Gefahr geht ebenfalls von liegengelassenen Flaschen und Glasscherben, aber auch entlang von Straßen durch achtlos aus dem Fenster geworfenen Zigarettenkippen aus. „Wir bitten alle Bürger, die Zufahrtswege in die Wälder nicht mit Fahrzeugen zu blockieren“, sagt der Kreisbrandmeister. Pkws dürften nur auf ausgewiesenen Parkplätzen abgestellt werden. Die Fahrzeuge sollten nicht über trockenem Bodenbewuchs stehen.

Wer einen Waldbrand bemerkt, wird gebeten, unverzüglich die Feuerwehr unter der Notrufnummer 112 zu informieren. „Dabei kommt es auch auf eine präzise Ortsbeschreibung an, um die Feuerwehr gezielt zum Einsatzort zu führen“, schreibt das Landratsamt in einer Pressemitteilung. Rettungspunkte, allgemein bekannte Parkplätze oder ähnliche Punkte, sollten dabei zur Beschreibung genutzt werden. noa

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