Freizeit Wenn der Alfa röhrt, schlägt das Herz höher

Werner Daiss mit seinen beiden Alfa-Romeo-Schmuckstücken: Im Hintergrund der rote Spider mit aufgeklappter Motorhaube und vorne die 44 Jahre alte Giulia, mit der Daiss allein im vergangenen Jahr 10 000 Kilometer zurücklegte.
Werner Daiss mit seinen beiden Alfa-Romeo-Schmuckstücken: Im Hintergrund der rote Spider mit aufgeklappter Motorhaube und vorne die 44 Jahre alte Giulia, mit der Daiss allein im vergangenen Jahr 10 000 Kilometer zurücklegte. © Foto: Bettina Lober
Rosengarten / Bettina Lober 08.09.2018
Werner Daiss aus Westheim geht am Sonntag gemeinsam mit Partnerin Kerstin Faßnacht und seiner „Giulia“ an den Start.

Die Giulia in der Garage, die Giulia auf einem limitieren Kunstdruck an der Wohnzimmerwand und die Giulia auf der Armbanduhr: Man kann Werner Daiss durchaus als ein bisschen Giulia-verrückt bezeichnen. Seine Lebensgefährtin Kerstin Faßnacht scheint dies gelassen zu nehmen. Schließlich handelt es sich bei Giulia um ein Auto – ein besonders schönes freilich: ein Alfa Romeo Giulia Super 1,6, Baujahr 1974. Zudem leistet ihr ein Alfa Romeo Spider Gesellschaft, mit dem Kerstin Faßnacht häufiger durch die Gegend fährt.

„Soll ich mal starten?“, fragt Werner Daiss. Gerne. Der Westheimer setzt sich in der Giulia hinters Steuer, steckt den Schlüssel ins Zündschloss, und da kommt er: dieser satte und kraftvolle Motorensound, der die Herzen der Oldtimer-Freunde höher schlagen lässt.

„Bin ein schlechter Beifahrer“

Wenn morgen, Sonntag, knapp 120 schicke Oldtimer-Raritäten auf der ADAC-Burgen-und Schlösserfahrt durch die Region rollen, ist das Paar aus Westheim mit der 140 PS starken Giulia am Start: Daiss am Steuer, Faßnacht als Co-Pilotin – „ich bin ein schlechter Beifahrer“, räumt der 68-Jährige augenzwinkernd ein.

Zum zweiten Mal nimmt er nun an der Ausfahrt teil. Ach nein, ein ausgesprochener Oldtimerrallye-Fan sei er eigentlich nicht. Für die anstehenden Zeitprüfungen und Aufgaben auf der Strecke habe er auch nicht extra trainiert. Ihm geht es mehr um den Spaß, um das Erlebnis, um die Begegnung mit anderen Oldtimer-Freunden. Und womöglich werde er auf der Route wieder ganz neue Eindrücke von der Landschaft, den Dörfern und Städtchen bekommen. Ein Highlight werde sicherlich nachmittags die Zieleinfahrt in Hall sein – zwischen Adelshof und St. Michael: „Wenn ich mit der Giulia dann auf den Haller Marktplatz fahre, ist das Gänsehaut pur.“

Dabei kennt sich der pensionierte Service-Techniker in der Gegend ziemlich gut aus. Was daran liegt, dass er auch ein passionierter Radfahrer ist: „Im Sommer Rennrad, im Winter eher Mountainbike.“ Eine normale Tour sollte schon länger als 100 Kilometer sein, meint er. An einem Tag 290 Kilometer zum Bodensee – „hab’ ich auch schon gemacht“. So kommt er im Jahr locker auf 8000 Radkilometer.

Zwar hat Werner Daiss für den normalen Alltag auch noch einen modernen Audi. Dennoch ist der Alfa für ihn viel mehr als ein Schönwetter-Fahrzeug für kleine Ausflüge: „Mit der Giulia bin ich auch mal im Winter bei trockenem Wetter unterwegs, wenn kein Salz auf der Straße liegt.“ Und in den geräumigen Kofferraum passen drei Wasserkisten. Im vergangenen Jahr hat Daiss mit der Giulia immerhin 10 000 Kilometer zurückgelegt.

Aber wie hat das mit dem Faible für Alfa Romeo eigentlich angefangen? „Schon ganz früh“, antwortet der gebürtige Steinbacher. Anfangs habe er sich für NSU TT-Sportwagen begeistert. Dann entwickelte sich die Alfa-Passion: „1973 hatte ich als erstes einen Bertone, danach eine Alfetta.“ Diese Vorliebe setzte sich zunächst fort, flaute zwischenzeitlich aber auch etwas ab. „Als ich vor einigen Jahren wieder vor einer Giulia stand, da hat es irgendwie gekribbelt“, erzählt Daiss lächelnd. An die dunkelgrüne Blech-Schönheit, die nun in der Garage steht, ist er übers Internet gekommen. „Ich habe sie vor fünf Jahren in Hannover gefunden – und bin Gott sei Dank mit ihr auch bis hierher gekommen“, scherzt er.

Bei der Ausstattung kein Purist

Allerhand Zeit und Geld hat er in den Wagen gesteckt. Ihn faszinieren Technik und Design – „das ist noch ein richtiges Auto“. Eine authentische Ausstattung ist Daiss zwar wichtig, aber da sei er kein Purist. „Sicherheit geht vor“, sagt er. Deshalb legt er bei seinen beiden Alfas auch Wert auf Nackenstützen und Sicherheitsgurte.

Der Westheimer ist gerne mit der Giulia unterwegs, die halt eben kein gewöhnliches Auto ist. Oftmals erlebt es, dass die Menschen am Straßenrand ihm mit erhobenem Daumen zulächeln. „Das ist schon klasse.“ Übrigens: Auf ein Autoradio für seine Giulia kann Werner Daiss leicht verzichten: „Wer diesen Motorensound im Ohr hat, der braucht kein Radio“.

14. Hohenloher ADAC-Burgen-und Schlösserfahrt

115 Oldtimer sind zur Fahrt am Sonntag angemeldet. Um 8.45 Uhr werden die Teilnehmer bei Auto Koch in Hessental begrüßt. Von dort geht es kurz nach 9 Uhr auf die Strecke. Geschicklichkeitsprüfungen sind im Städtle in Vellberg, im Schloss Obersontheim und eine Gleichmäßigkeitsprüfung im Rötenbachtal geplant. Besondere Fahrkunst ist auch beim Schloss Hohenstadt sowie bei der Burghardsmühle gefragt. Um 12.35 Uhr werden die Fahrzeuge vor der Sparkasse in Stimpfach vorgestellt. Gegen 14 Uhr treffen die ersten Oldtimer im Ziel auf dem Haller Marktplatz ein. Die Siegerehrung ist um 17.30 Uhr.

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