Wahl Weniger wäre mehr im Wahlkampf

PIA LUFFLER ANNE PFEIFER 26.08.2013
Auch im Kreis Schwäbisch Hall ist der Wahlkampf zur Bundestagswahl 2013 angekommen. Fast alle Befragten sind von den vielen Plakaten genervt. Die Wahlprogramme kennen sie ungefähr.

Im Zuge der anstehenden Wahlen haben wir aus der Vielfalt der Wahlkampfmaßnahmen einige Plakate herausgesucht und Jugendliche zu den Kandidaten, den Programmen der Parteien und ihrer Meinung dazu befragt.

Vollbärtig und mit langen dunklen Haaren blickt <strong>Alexander Brandt</strong> vom Wahlplakat der Piratenpartei. Hannah Burkhardt (17) aus Bibersfeld könnte ihn nicht beim Namen benennen, weiß aber, dass er der Kandidat der Piratenpartei ist und findet, dass er mit einem weißen T-Shirt freundlicher aussähe. "Die Piraten klauen ihr Wahlprogramm doch bei den Linken." Folglich bleibt bei ihr auch nicht viel von den Zielen der Partei hängen.

Ähnlich geht es auch Meike Lederer (18) aus Untermünkheim: "Alexander Brandt war bei uns in der Schule bei einer Podiumsdiskussion. Ich hatte nicht den Eindruck, dass er sich mit seinem eigenen Wahlprogramm auskennt." Vom Wahlkampf hat sie den Eindruck, dass SPD, CDU und Piraten überdurchschnittlich stark vertreten sind, Plakate der Grünen vermisst sie. Außerdem findet Meike, dass die Kandidaten in Deutschland nicht ihre eigene Meinung übermitteln, sondern ausschließlich die Parteimeinung.

Weniger wäre mehr im Wahlkampf

Eric Glasbrenner (19) aus Ilshofen schätzt <strong>Stephen Brauer</strong> von der FDP so ein, dass er kompetent genug ist, um die Parteiziele umsetzen zu können. Vom Wahlprogramm hat Eric unter anderem mitbekommen, dass die FDP die Kinderbetreuung ausbauen will.

Vom Plakat der Linken lächelt Kandidat <strong>Florian Vollert</strong>. Obwohl Nico Nitschke (18) aus Schwäbisch Hall den Kandidaten nicht besonders sympathisch findet, weiß er, dass die Linken einen Mindestlohn von zehn Euro fordern. "Anscheinend ist er 100 Prozent sozial", scherzt Nico. "Die vielen Plakate nerven mich, man hat sowieso nur die Wahl zwischen Pest und Cholera."

<strong>Annette Sawade </strong>von der SPD hingegen kommt bei Anja Lienert und Jessica Eisermann (beide 14) aus Hall besser an: "Wir finden, sie lächelt nett, aber die Plakate bringen unserer Meinung nach nicht viel, die werden sowieso schnell verschmiert." Mitbekommen haben die beiden, dass es bei der Wahl dieses Jahr um Betreuungsplätze und die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns geht.

Dass sich <strong>Peter Gansky</strong> von der ÖDP für mehr direkte Demokratie und den Tierschutz einsetzt, weiß Tim Ziegelbauer (20) aus Gründelhardt. Er findet, dass der Kandidat einen netten Eindruck macht. "Gerade wenn es um Umweltschutz geht, finde ich Plakate wenig sinnvoll. Die fliegen nachher überall in der Stadt herum."

"Er macht einen sehr zugeknöpften Eindruck"

Christian von Stetten ist auf seinem Plakat mit Anzug und Krawatte abgebildet. "Er macht einen sehr zugeknöpften Eindruck", findet Anna Hense (18) aus Wallhausen. "Er könnte vielleicht ein bisschen lockerer werden, dann sähe das Plakat menschlicher aus." Vom Wahlprogramm der CDU weiß sie, dass der Energieverbrauch gesenkt und der Euro gesichert werden soll. Dass die Parteien so viele Plakate aufhängen, scheint ihr nicht besonders wirksam, außerdem kommt es ihr so vor, als ob es in den letzten Jahren mehr Wahlkampf geworden wäre.

Mit einem Slogan mit Lokalbezug - "Für mehr NachHALLtigkeit" - präsentieren sich Bündis 90/Die Grünen und Kandidat <strong>Harald Ebner</strong>. Dass die Partei ein Klimaschutzgesetz einführen will, weiß Caroline Wackler (18) aus Steinbach. "Immerhin haben die sich mal Mühe mit ihrer Plakataufschrift gegeben. Auch der grüne Hintergrund macht Sinn."

Entgegen der angeblich herrschenden Politikverdrossenheit der Jugend, haben die Jugendlichen aus dem Landkreis durchaus ihre eigene Meinung zur Politik. Die Wahlprogramme kennen sie nicht bis ins Detail, aber können das alle Erwachsenen von sich behaupten?