Schule Weniger Haupt- und Werkrealschulen und neue Bildungspläne

Im Klassenzimmer der Gemeinschaftsschule Rot am See entscheiden die Fünftklässler selbst, welchen Lernjob sie bearbeiten möchten. Carolin (10) holt sich neues Material, während ihre Mitschüler an ihren Plätzen konzentriert arbeiten. Dieses andere Arbeiten soll auch an den übrigen Schulen ab 2015/2016 eingeführt werden.
Im Klassenzimmer der Gemeinschaftsschule Rot am See entscheiden die Fünftklässler selbst, welchen Lernjob sie bearbeiten möchten. Carolin (10) holt sich neues Material, während ihre Mitschüler an ihren Plätzen konzentriert arbeiten. Dieses andere Arbeiten soll auch an den übrigen Schulen ab 2015/2016 eingeführt werden. © Foto: Gemeinschaftsschule
Crailsheim / ELISABETH SCHWEIKERT 20.11.2013
Wie wird künftig unterrichtet? Wie wirkt sich das auf Unternehmen aus? Diese Fragen sind im Mittelpunkt des jüngsten Treffens des Arbeitskreises Schule-Wirtschaft in der Sparkasse in Crailsheim gestanden.

In wenigen Jahren dürfte gut ein Drittel der Haupt- und Werkrealschulen geschlossen sein. Darauf weisen die aktuellen Anmeldezahlen an den 5. Klassen hin. Welcher Schul-Standort bleibt - ob als Werkrealschule, Realschule oder Gemeinschaftsschule - soll in regionalen Schulentwicklungsverfahren geregelt werden.

Dies ist aber nur ein Part der Veränderung. Auch der Unterricht soll ab dem Schuljahr 2015/16 an Werkreal-, Real- und Gemeinschaftsschulen anders ablaufen als bisher. Basis dazu ist der dann gültige Bildungsplan sowie die Handreichungen für den individualisierten Unterricht. Mit einem Jahr Verzögerung sollen die andere Unterrichtsform, der neue Bildungsplan auch an den Gymnasien umgesetzt werden.

Im Bildungsplan ist festgelegt, was Schüler der einzelnen Schulen jährlich gelernt haben sollen. Durch die Einführung der Gemeinschaftsschule ist ein neuer Bildungsplan nötig, schließlich sollen in einer Klassenstufe die Schüler auf unterschiedlichem Niveau (Hauptschule, Realschule, Gymnasium) unterrichtet werden. Bisher waren die Bildungspläne wenig aufeinander abgestimmt. Jetzt sollen sie so geschrieben sein, dass Schüler leicht von einem Niveau ins andere wechseln können.

Zeugnisse dokumentieren auch den Lernzuwachs

In den Schulen soll die Klasse nicht mehr gesammelt auf einem Niveau unterrichtet werden, sondern jeder Schüler soll entsprechend seinem Stand gefördert werden. Die Kinder und Jugendlichen sind dabei gefordert: Jeder muss eine Einschätzung abgeben, auf welchem Level er in den Fächern steht und mit dem Lehrer die neuen Lernaufgaben absprechen. Es gibt keine Noten (erst in den letzten Klassen, wenns an die Bewerbungen geht). Statt dessen soll dokumentiert werden, auf welchem Niveau der Schüler in den Fächern steht. Sichtbar wird auch, in welchem Zeitraum er was dazugelernt hat.

Im Arbeitskreis Schule-Wirtschaft haben Yvonne Burghardt und Claudia Hartmann-Kurz die Konzepte vorgestellt. Beide arbeiten für das Landesinstitut für Schulentwicklung. Dieses entwickelt im Auftrag des Kultusministeriums die Konzepte. Aufmerksam und teilweise skeptisch verfolgten die Lehrer und Vertreter der Betriebe den Vortrag. Begrüßt wurde, dass Fächerverbünde aufgelöst, andere gebildet werden. Zusätzlich soll es ein Fach Wirtschaft und berufliche Orientierung geben. Dieses soll Schüler befähigen, als Erwachsene souverän im Wirtschaftsgeschehen zu agieren.

Kritische Nachfragen gab es zu der anderen Bewertung der Schülerleistung. So meinte eine Firmenvertreterin, für die Personalauswahl sei schon jetzt ein hoher Aufwand nötig, wenn auf eine Stelle 40 Bewerbungen eingehen. Wenn künftig dann noch statt oder zusätzlich zu den Noten die Portfolios der Schüler zu bewerten sind, sei das unmöglich. Claudia Hartmann-Kurz wies darauf hin, dass durch die sehr differenzierte Dokumentation des Lernens das Leistungsvermögen der Schüler transparenter werde: Man sehe beispielsweise im Fach Mathematik genau, ob jemand im Rechnen stark sei, bei Gleichungen oder in der Geometrie. Das könne für die Auswahl von passenden Auszubildenden wichtig sein.

Jörg Ernstberger vom Verband der Metall- und Elektroindustrie Baden-Württemberg meinte zu den Anforderungen an die Schüler: "Das ist wie im Mitarbeitergespräch: Selbsteinschätzung - Fremdeinschätzung. Kann das ein Schüler mit zwölf Jahren?" "Da ändert sich ja komplett alles", sagte Christel Noller, Unternehmerin aus Oberrot. Sie wollte wissen, ob die andere Lernkultur auch an Berufsschulen und an Universitäten eingeführt wird.

Schule-Wirtschaft
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