Schwäbisch Hall Weniger einfach, weniger schnell

Auszubildende beim Crailsheimer Spezialmaschinenbauer Groninger. Das Unternehmen bemüht sich um Nachwuchs. Firmenfoto
Auszubildende beim Crailsheimer Spezialmaschinenbauer Groninger. Das Unternehmen bemüht sich um Nachwuchs. Firmenfoto
Schwäbisch Hall / JÜRGEN STEGMAIER 04.11.2014
In der Region gibt es mehr Ausbildungsplätze als Bewerber. Rein rechnerisch kommen auf 100 Bewerber 122 Stellen.

Dennoch findet nicht jeder junge Mensch die Lehrstelle, die er gerne hätte.

"Die Betriebe machen uns fast schon mehr Sorgen als die Situation der jungen Menschen", sagte Thekla Schlör gestern bei einem Treffen. Die Leiterin der Agentur für Arbeit Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim hatte ihren Kollegen Jürgen Czupalla (Leiter der Arbeitsagentur Heilbronn) sowie Dietmar Niedziella (IHK Heilbronn-Franken) und Kerstin Lüchtenborg (Handwerkskammer Heilbronn-Franken) zu Gast.

Dass das Angebot an Ausbildungsstellen größter ist als die Nachfrage, hat unterschiedliche Gründe: Die Schulabgänger werden weniger. Verstärkt wird die zurückgehende Nachfrage nach Ausbildungsstellen durch den Trend zu höheren Schulabschlüssen. Viele Abgänger, die mit ihrem Schulabschluss eine Studienberechtigung erwerben, nutzen diese.

Von den Ausbildungsbewerbern haben lediglich sieben Prozent Abitur. Gut ein Viertel bewirbt sich mit dem Hauptschulabschluss, knapp mehr als die Hälfte der Auszubildenden hat einen mittleren Bildungsabschluss. Gegen null geht die Zahl der Bewerber ohne Schulabschluss.

Ein Potenzial für künftige Auszubildende sehen die Fachleute bei Studienaussteigern. Diese könnten nach einer Schleife an der Hochschule eine berufliche Perspektive in den Betrieben finden.

Die vier Fachleute waren sich einig in der Einschätzung, dass die duale Ausbildung (Betrieb und Berufsschule) an Wertschätzung gewinnen wird. Spätestens dann, wenn es nicht mehr genug Fachleute gibt, die die Autos in Ordnung halten oder im Herbst die Heizung aus dem Sommerschlaf erwecken, wird dies der Fall sein. Und diese höhere Wertschätzung gehe einher mit besseren Verdienstmöglichkeiten im handwerklich-technischen Bereich.

Nicht immer stimmen Qualifikation und Ausbildungswünsche der Bewerber überein. So erklärt sich, dass nicht jeder junge Mensch die Stelle findet, die er sich wünscht. 45 junge Frauen und Männer in der Region waren zuletzt noch unversorgt.

Der Mangel an Bewerbern hat inzwischen nicht nur die kleinen Handwerksbetriebe erfasst, sondern auch die großen Unternehmen. "Den Weltmarktführern reicht die Zahl der Bewerber noch. Doch auch sie merken: Es ist nicht mehr so einfach und es geht nicht mehr so schnell. Die Unternehmen sind inzwischen bereit, auch die schwächeren Bewerber einzustellen", hat Dietmar Niedziella von der IHK erkannt. Dies kann für Betriebe eine große Herausforderung sein. Die Arbeitsagenturen bieten in solchen Fällen Unterstützung an. In der Region Heilbronn-Franken erhielten zuletzt 537 Auszubildende begleitende Hilfen.

Thekla Schlör betont, dass es unterschiedliche Zugänge zum Berufsleben gibt. "Für viele führt der bessere Weg über das praktisch Erlernte. Sie lernen über ihr Tun."

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