Michelbach Wenig Platz für Gewerbegebiete

Michelbach / SIGRID BAUER 05.08.2015
Michelbach ist keine Gemeinde mit hoher wirtschaftlicher Bedeutung. Größere Firmen sind Fong, in der das früherer Unternehmen Then aufgegangen ist, und VG-Orth, die Gips-Wandbauplatten herstellt.

Das Textilmaschinenbauunternehmen Fong ist im Gewerbegebiet Gschlachtenbretzingen, VG-Orth in Burgbretzingen angesiedelt. Dort will die Gemeinde ein weiteres Gewerbegebiet erschließen. "Die Planungsentwürfe gibt es schon, aber wir haben die Planung nach hinten geschoben", stellt Bürgermeister Werner Dörr fest. Das Thema Gewerbegebiet kommt in schöner Regelmäßigkeit im Gemeinderat zur Sprache. Die Verwaltung macht sich aber keine Hoffnung, durch ein neues Gebiet weitere Gewerbetreibende anzuziehen, zumal in direkter Nachbarschaft die Stadt Hall in Hessental auf dem Kurz-Areal Grundstücke für Gewerbe anbietet. "Wir sollten Flächen haben, damit sich unsere ansässigen Betriebe vergrößern können", sagte Dörr sinngemäß in einer der vergangenen Gremiumssitzung.

Im Moment kann sie das aber nicht: "Zur Zeit hat die Gemeinde keine Grundstücke für Gewerbetreibende", so Hauptamtsleiter Berthold Krist. Auch er betont, dass Michelbach mit anderen Gemeinden, was Gewerbegebiete angeht, nicht mithalten könne. Heute zähle zum Beispiel die Nähe zur Autobahn. Ein größeres Gewerbegebiet habe sich hier nie angeboten, dafür passe die Topografie nicht: "Oben sind die Limpurger Berge, unten der Kocher - dazwischen ist nicht viel Fläche", sagt er.

Wenig Gewerbe heißt auch: wenig Gewerbesteuereinnahmen. Große Sprünge der Gemeinde erlaubt sie nicht. Auch im Vergleich mit anderen Landkreisgemeinden liegt Michelbach bei seinen Gewerbesteuereinnahmen im unteren Drittel. Da gibt es Gemeinden mit ähnlicher Einwohnerzahl, die doppelt so viel Gewerbesteuer bekommen, etwa Michelfeld oder Oberrot.

"Früher hatte Michelbach auch mehr. Jetzt liegen wir bei rund einer halben Million Euro im Jahr", sagt der Bürgermeister und fügt hinzu: "Wir sind eine Ausgleichstockgemeinde." Will heißen: Die Gemeinde ist auf Landeszuschüsse aus dem sogenannten Ausgleichstock angewiesen. Krist meint zum Thema Gewerbesteuer: "Die Leute glauben immer, dass die großen Firmen die Gewerbesteuer bringen. Das stimmt aber nicht. Es sind die kleinen Betriebe mit zwei, drei Mann, die nicht viel investieren - da kommt Gewerbesteuer rein", stellt er klar. Wie viel oder wenig das ist, weiß vorher keiner.

"Es gibt stets Schwankungen, die nicht vorhersehbar sind", betont Kämmerin Kristiane Neidhardt. Ob etwa Fong in Michelbach überhaupt Gewerbesteuer zahlt, darf sie nicht sagen. Das unterliege dem Steuergeheimnis, erklärt sie. Vielleicht ist 2015 mit Blick auf die Gewerbesteuer ein gutes Jahr für Michelbach. Denn: "Für unsere Gewerbetreibenden im Bausektor und die Handwerker läuft es gerade sehr gut, sie haben alle eine sehr gute Auftragslage", berichtet der Bürgermeister und nimmt das als Grund an, dass es in der Gemeinde keinen Handels- und Gewerbeverein gibt. "So ein Verein gründet sich meist, wenn es nicht so gut läuft", sagt er.

Michelbach hat es trotz nicht gerade üppig sprudelnder Steuereinnahmen geschafft, sich von seinen hohen Schulden, die noch vor einigen Jahren den Haushalt mit Zins und Tilgung belasteten, zu erholen, muss aber in den nächsten Jahren große Investitionen schultern.